Wie ein Chemnitzer Frosch ins All kam

Sechs Monate lang flog ein Cartoon des Grafikers Rainer Bach an Bord der internationalen Raumfahrstation. Bis gestern wusste der Künstler gar nicht, wie das Bild dort landete.

Chemnitz.

Rainer Bach kann nur den Kopf schütteln: "Das glaubt mir kein Mensch." Noch immer ist der Chemnitzer Karikaturist erstaunt. Gerade erst hat er erfahren, dass eine seiner Zeichnungen an Bord der Internationalen Raumstation ISS gelangen konnte. Er erhielt per Post einen Nachdruck seines Originalbildes - mit dem Stempel der Raumstation, unterschrieben vom russischen Kosmonauten Gennadi Padalka. Zudem steckte ein Foto in dem Umschlag, das die Karikatur am Fenster der Cupola zeigt, jenes kuppelförmigen Beobachtungsturms der ISS, von dem aus die Raumfahrer die Erde betrachten können.

Dabei war das Bild für einen weit weniger spektakulären Auftritt gezeichnet worden. Bei einer Ausstellung im vorigen Jahr präsentierte Rainer Bach in Mittweida einige seiner Zeichnungen. Die Vernissage besuchte auch der Raumfahrtenthusiast Tassilo Römisch. Er besitzt die weltgrößte Privatsammlung mit Exponaten aus der Raumfahrt, organisiert Ausstellungen zum Thema und hält Vorträge an Schulen und Universitäten. Römisch bat Bach bei der Ausstellungseröffnung um eine Karikatur, die sich auf das Weltall bezog und die er in seinem Museum in Mittweida zeigen wollte.

Das Lieblingsmotiv des Chemnitzer Grafikers sind Frösche in allen Lebenslagen. Bach zeichnete deshalb einen seiner grünen Hüpfer - stilecht im Raumanzug, eine Deutschlandfahne schwenkend. Das Bild schenkte er Römisch.

Der bekam kurz darauf einen Anruf von Gennadi Padalka. Er ist russischer Kosmonaut und hat mittlerweile insgesamt 878 Tage im Weltall verbracht - so viele wie kein anderer Mensch. Padalka ist ein guter Freund von Tassilo Römisch. "In den letzten Jahren habe ich durch meine Arbeit viele Weltraumfahrer kennengelernt", so Römisch. "Von den mehr als 500 Menschen, die schon im Weltall waren, besuchten mich bisher 46 zu Hause." Padalka fragte seinen Freund aus Mittweida, ob der nicht ein schönes Erinnerungsstück habe, das er während seines sechsmonatigen Ausfluges ins All mitnehmen könne. Anderthalb Kilo privates Gepäck dürfen Raumfahrer laut Römisch in die Raumstation mitnehmen. "Da fiel mir die Zeichnung ein - sie wiegt ja nur ein paar Gramm." Bei einem Besuch in Russland übergab er sie seinem Freund. Als Padalka im März ins All startete, hatte er die Chemnitzer Frosch-Karikatur dann tatsächlich dabei.

Er war es auch, der sie dann unterschrieb, abstempelte, in die Aussichtskuppel stellte und ein Erinnerungsfoto schoss - zunächst nur für seinen Freund Tassilo Römisch, der es dann Rainer Bach weiterschickte. 100 Millionen Kilometer ist das Bild insgesamt an Bord der ISS um den Erdball geflogen. "Ist das nicht Wahnsinn?", sagte Bach nun. Bis gestern wusste er nicht, welchen Weg der kleine Frosch genommen hatte. Erst durch die Recherchen der "Freien Presse" - für die Bach einst viele Jahre den Wetterfrosch und andere Karikaturen lieferte - erfuhr er alle Hintergründe. "Welch wunderbare Geschichte", sagte er. Das Foto seiner Karikatur in der ISS bekommt nun einen Ehrenplatz in seiner Wohnung. Und er will es mit seinen Facebook-Freunden teilen. So reist es noch einmal um die Welt.

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