Abenteuer Wüste: Mit der Simson bis zum Rand der Sahara

Mit seinem Moped weite Reisen zu unternehmen, ist für einen jungen Chemnitzer schon fast normal. Jetzt hat er 10.000 Kilometer zurückgelegt, so viel wie noch nie. Die Reise hätte aber keinen Tag länger dauern dürfen.

Eigentlich hatte Alexander Herrmann vor, mit seinem Moped nur den afrikanischen Kontinent zu betreten. "Aber dann dachte ich, wenn ich einmal da bin, kann ich auch bis zur Sahara fahren", sagt der 20-Jährige. Immerhin laute die Farbbeschreibung seiner Simson S50 "Sahara braun".

Das gute Stück ist Baujahr 1977, wird in diesem Jahr also 40 Jahre alt. Herrmann bekam es 2013 von seinem Opa zu Weihnachten und gab ihm den Namen "Luisa". Seitdem zeigt Herrmann, was in diesem Moped steckt. Er fuhr mit "Luisa" nach London, im vergangenen Jahr umrundete er die Ostsee und machte noch einen Abstecher zum Nordkap. Am Ende waren es 9.000 Kilometer. Jetzt wollte er sich toppen - und ist bis zum Rand der Sahara gefahren. 10.000 Kilometer waren es.

Viel geplant habe er nicht, berichtet der Industriemechaniker, der im März seine Lehre abgeschlossen hat und jetzt als Monteur weltweit im Einsatz ist. Vor seiner Reise sei er dienstlich zwei Wochen in Schanghai gewesen. Zeit, seine Simson-Tour vorzubereiten, habe er da nicht gehabt. In seinen 40 Kilogramm Gepäck hatte er ein paar Schläuche dabei, etwas Werkzeug, Zündkerzen und einen Unterbrecher. Denn seine S50 habe eine Unterbrecherzündung. "Da schlagen die meisten Leute die Hände über dem Kopf zusammen, wenn sie das hören", sagt Herrmann. Eine elektrische Vape-Zündung sei weniger störungsanfällig. "Aber meine Zündung funktioniert einwandfrei", sagt der 20-Jährige.

Auf der 35-tägigen Tour fuhr Herrmann zunächst über die Schweiz und Frankreich nach Spanien. Meistens schlief er auf Zeltplätzen, in Jugendherbergen oder übernachtete bei Leuten, die ihre Couch auf einem Portal im Internet kostenlos fremden Reisenden zur Verfügung stellen. Von Gibraltar aus setzte er mit der Fähre nach Marokko über. Ursprüngliches Ziel sei Casablanca gewesen, weil er glaubte, dass dort die Sahara beginne. Doch bei einem Restaurantbesuch in Rabat klärte ihn der Besitzer auf, dass er auf jeden Fall bis hinter das Atlas-Gebirge reisen müsse, um einen Eindruck von der Sahara zu gewinnen. Also fuhr Hermann über Casablanca zunächst nach Marrakesch. Casablanca sei eine neue, laute Stadt. Marrakesch sei durchaus schöner. Er habe aber kaum Möglichkeit gehabt, sich etwas anzuschauen, "weil ich das Moped immer im Auge behalten musste". Es habe viele Touristen und damit auch viele Diebe gegeben. Bemerkenswert sei die Temperaturveränderung gewesen. So sei es in Casablanca noch 30 Grad Celsius warm gewesen. Wenige Kilometer weiter südlich habe das Thermometer dann schlagartig 40 Grad Celsius angezeigt. In der Stadt Ouarzazate waren es schließlich 51 Grad Celsius. "Die Außentemperatur war manchmal heißer als der Zylinder", sagt der Abenteurer.

Von einem Ort zum nächsten fuhr Herrmann offroad mit Kompass. Die Sahara habe zunächst aus Steinen und Schotter bestanden. Aber hinter Ouarzazate begannen die Dünen. "Über Sand kann ich nicht fahren", sagt er, darum endete das Abenteuer Wüste dort. Überrascht habe ihn, dass es in jedem Ort eine Tankstelle gab und er sogar in der Wüste Telefonnetz hatte. Auch Pannen gab es. So sei der Kickstarter in der Wüste kaputtgegangen. "Ich habe mit einem Stein draufgeschlagen, dass er verkantet und wieder greift", beschreibt Herrmann die unorthodoxe Reparatur. Außerdem ereilte ihn auf der Rückreise im nördlichen Marokko ein Sturz. In einem Kreisverkehr rutsche er aus und verletze sich am Knie. Doch er fuhr zwei Tage weiter, bis er in Spanien ein Krankenhaus aufsuchen konnte, um die Wunde professionell reinigen zu lassen. Bis zum letzten Tag habe er nur zwei Zündkerzen wechseln müssen. Doch dieser letzte Tag hatte es in sich. "Alle 30 Kilometer brauchte ich eine neue Zündkerze", erinnert er sich. "Ich habe mich echt gequält, die Reise hätte keinen Tag länger gehen dürfen."

Jetzt steht "Luisa" in der Garage. Es gebe einiges auszubessern, sagt der Reisende. Ein Rad eiert - wahrscheinlich wegen des schweren Gepäcks. Und er müsse das Moped komplett auseinanderbauen, "um den ganzen Sand rauszuholen."

Wer die Abenteuer von Alexander Herrmann verfolgen möchte, kann das unter www.simson-reisen.de tun.

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