Angst auf dem Sonnenberg: Wer zündelt an der Gießerstraße?

Zu einem Wohnhaus musste gestern zum dritten Mal innerhalb eines Jahres die Feuerwehr anrücken. Die Polizei ermittelt wegen Brandstiftung - zuletzt war sie dabei erfolglos.

Das kann kein Zufall mehr sein. Zum dritten Mal innerhalb eines Jahres hat es gestern im selben Haus an der Gießerstraße gebrannt. Bewohner und Vermieter im gesamten Viertel sorgen sich jetzt um ihre und die Unversehrtheit ihrer Häuser.

Angefangen hatte die Brandserie im Haus Gießerstraße 26 in der Nacht zum 1. Mai vergangenen Jahres. Gegen 5.50 Uhr war die Feuerwehr damals zu einem Kellerbrand gerufen worden. Weil wichtige elektrische Leitungen beschädigt worden waren, mussten die 15 Hausbewohner vorübergehend in Ausweichwohnungen untergebracht werden. Die Kriminalpolizei hatte Ermittlungen wegen schwerer Brandstiftung aufgenommen, die allerdings ergebnislos wieder eingestellt wurden. "Es konnte kein Tatverdächtiger ermittelt werden", sagte Polizeisprecher Steffen Wolf gestern auf Nachfrage.


Am Sonntag vor einer Woche, dem 3. April, brannte es gegen 4.30 Uhr morgens erneut im selben Kellergeschoss. Laut einem Sprecher der Feuerwehr war das Feuer, bei dem unter anderem eine Matratze gebrannt haben soll, an zwei verschiedenen Stellen ausgebrochen, im Treppenhaus und unter einer Gasleitung. Und gestern früh kurz vor 6 Uhr wurde die Feuerwehr schon wieder in die Gießerstraße 26 gerufen. Diesmal brannte ein im Treppenhaus abgestellter Kinderwagen. Der entstandene Sachschaden wird auf etwa 5000 Euro geschätzt. Die Polizei bestätigte gestern, dass sie in allen drei Fällen wegen des Verdachts der Brandstiftung ermittle und dabei auch Zusammenhänge prüfe.

Bei zwei weiteren Bränden der vergangenen Tage im gleichen Viertel liegt dagegen vermutlich eher fahrlässige Brandstiftung vor. In der Nacht zum 7. April war in einer Erdgeschosswohnung des Plattenbaus Tschaikowskistraße 44a ein Feuer ausgebrochen. Ihr 39-jähriger Mieter und eine 22-jährige Hausbewohnerin wurden mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus gebracht. Und in der Nacht zum Montag gegen 1.45 Uhr war im Durchgang zum Hof des unbewohnten Hauses Gießerstraße 2 ein abgestelltes Sofa in Flammen aufgegangen. Nach ersten Ermittlungen der Polizei hatten sich in dem Durchgang zuvor Unbekannte aufgehalten und auf dem Sofa Teelichter angezündet.

Auf der Gießerstraße zwischen Hainstraße und Markusstraße geht es unüberhör- und -sehbar interna- tional zu. Passanten telefonieren auf Russisch und Arabisch, auf den Klingelschildern auch des Hauses 26 stehen osteuropäisch und nordafrikanisch klingende Namen. An den nächsten Ecken befinden sich die Suchtberatungsstelle des Blauen Kreuzes und ein Afro-Shop.

Im "Café International" des Caritasverbandes direkt gegenüber vom Brandhaus bereitet Hanna Remestvenska, die aus der Ukraine stammt, gerade den Frühjahrsputz im Stadtteil am kommenden Dienstag vor. "Natürlich haben wir Angst", sagt sie. Genauso besorgt wie wegen der Brände seien viele Anwohner aber wegen Aufklebern mit Aufschriften, wie "Refugees Not Welcome", also "Flüchtlinge nicht willkommen", und gesprühten Schriftzügen "NS-Zone", die in jüngster Zeit auch an der Gießerstraße in der Nähe von Haus 26 an den sanierten Altbau- und Neubau-Fassaden auftauchen.

Auch Stadtteilmanagerin Elke Koch ist bestürzt über die Brände und hofft, dass sich diese nicht gegen die "bunte Mischung" im Viertel richten, wie sie sagt. Heute will sich die Stadtteilrunde, zu der Streetworker gehören, auch darüber austauschen, ob ein Zusammenhang zwischen den Bränden und den rechten Parolen bestehen könnte.

Für eine Mitarbeiterin der Postfiliale an der Gießerstraße sind die Brände ein weiteres Ärgernis im Stadtteil. "Es passiert ohnehin genug auf dem Sonnenberg. Bei uns wurde auch schon eingebrochen", sagt sie. Die Inhaberin eines Geschäfts nicht weit vom Brandhaus hat sich bereits entschlossen, wegzuziehen. "Es ist nicht das beste Publikum hier", begründet sie.

Auch der Hauseigentümer der Gießerstraße 26, die städtische Wohnungsgesellschaft GGG, hat reagiert. Alle Mieter seien gebeten worden, keine brennbaren Gegenstände mehr in den Treppenhäusern abzustellen. "Möbel oder Kinderwagen können nicht nur selbst in Brand geraten, sondern auch bei Evakuierungen zur Stolperfalle werden", begründet ein Sprecher.

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2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    0
    qualle
    13.04.2016

    Ich wohne auf dem Sonneberg und und es ist mir Rille, wenn der Autor des Artikels "vielsagend" von "Bunter Mischung" und osteuropäischen Klingelschildern schreibt. Viele pflegen einen Ekel vor der nichtswürdigen Natur des Lebens (und das herrscht nun mal in diesem Stadtteil) und sind besorgt, angewidert, oder sonstwie Spengler-mäßig drauf. Sollen sie sich doch mal ein Beispiel am alten Goethe nehmen:
    http://www.zeit.de/2013/36/literatur-sachbuch-biografie-goethe-ruediger-safranski
    und in allem ein Glück erkennen, dabei sein zu dürfen.
    Als Vermieter des betreffenden Hauses würde ich das Schloss der Eingangstür tauschen und einen Türschließer montieren.
    Vor allem würde ich darauf achten, an wen ich vermiete.

  • 1
    0
    PeKa
    13.04.2016

    So wie sich das anhört, könnte es sich durchaus um einen Racheakt handeln, der sich möglicherweise gegen eine bestimmte Familie in dem Haus richtet. Ungewöhnlich wäre das ja nicht bei der derzeitigen Pogromstimmung in unserer Stadt. Bekräftigt wird meine Vermutung durch solche Aussagen im Beitrag wie "Genauso besorgt wie wegen der Brände seien viele Anwohner aber wegen Aufklebern mit Aufschriften, wie 'Refugees Not Welcome'".



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