Anzahl der Wohnungseinbrüche erreicht neue Dimension

Während die Kriminalität im Stadtgebiet in fast allen Bereichen zurückgeht, ist das private Umfeld so bedroht wie selten zuvor. Im Schnitt werden pro Tag sieben Fälle angezeigt.

Die Lage: Stellenabbau bei der Polizei, massive Zuwanderung, verschärfte Strafgesetze - so sehr sich die Welt ringsrum auch änderte, die Anzahl der im Stadtgebiet registrierten Straftaten (ohne politisch motivierte, ausländerrechtliche und Verkehrsdelikte) blieb zuletzt über Jahre hinweg konstant bei etwa 23.000. Nun gibt es erstmals wieder Bewegung. Mit rund 21.800 wurden im vergangenen Jahr 5,2Prozent weniger Straftaten registriert als im Vorjahr. "Der Rückgang betrifft nahezu alle Deliktsbereiche", bilanziert Polizeipräsidentin Sonja Penzel. Setzt man die Anzahl der Straftaten ins Verhältnis zur Einwohnerzahl, so hatten 2018 fast alle anderen ostdeutschen Großstädte mehr Probleme mit Kriminalität als Chemnitz.

Deutliche Rückgänge verzeichnet die Polizei bei Vermögens- und Fälschungsdelikten, wozu vor allem Betrügereien aller Art zählen (minus 13 Prozent), sowie bei Diebstählen (minus elf Prozent). Insbesondere der Diebstahl von Autos (minus zwölf Prozent) und Motorrädern (minus 15Prozent) nahm spürbar ab, ebenso Diebstähle an und aus Kraftfahrzeugen (minus elf Prozent). Bei Einbrüchen in Keller und Bodenkammern steht für 2018 ein Minus von gut 26Prozent zu Buche - allerdings auf relativ hohem Niveau. Übers Jahr wurden bei der Polizei knapp 2100Fälle angezeigt.

Christoph Ulrich

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Die höchsten Zuwächse wurden in einem besonders sensiblen Bereich registriert: bei Einbrüchen in Wohnungen und Eigenheime. Unabhängig vom konkreten Schaden werden derlei Vorfälle von Betroffenen oft als schwerwiegender Eingriff in die Privatsphäre empfunden. Die Anzahl dieser Fälle stieg innerhalb von zwölf Monaten um knapp 70Prozent auf fast 550 - eine für Chemnitz bislang kaum gekannte Dimension. Gut die Hälfte der Taten ereignete sich am helllichten Tag, bei 43 Prozent blieb es beim Versuch. Die Situation in Chemnitz steht damit völlig entgegen der bundesweiten Entwicklung - in ganz Deutschland erreichte die Anzahl der Wohnungseinbrüche 2018 einen historischen Tiefstand. Auch in Sachsen gab es zuletzt einen leichten Rückgang. "Neben Tätern aus der Region sind hier immer wieder überregional agierende Tätergruppen aktiv", sagt Polizeipräsidentin Penzel. Um sie kümmere sich bei der Chemnitzer Kriminalpolizei die eigene Ermittlungsgruppe "Eurasien". Durch deren Arbeit konnte im vergangen Jahr eine georgische Bande geschnappt und später vor Gericht gestellt werden. Derzeit ermitteln die Beamten gegen einen im Dezember festgenommenen Mann, auf dessen Konto mehrere Dutzend Einbrüche im Stadtgebiet gehen sollen.

Bei Drogendelikten wurde 2018 - nicht zuletzt aufgrund zahlreicher Kontrollen und daraus resultierender Funde - ebenfalls ein deutlicher Zuwachs verzeichnet. Die Anzahl der aktenkundigen Delikte stieg um etwa ein Drittel auf mehr als 1100. Zumeist handelte es sich um sogenannte Konsumentendelikte; Handel und Besitz größerer Rauschgift-Mengen spielen nur in etwa 16Prozent der Fälle eine Rolle. Polizeipräsidentin Penzel will den Kontrolldruck weiter hoch halten, auch weil Konsumenten harter Drogen immer wieder mit anderen Straftaten auffällig werden. Auf deren Konto gingen unter anderem 14 Fälle von Raub und fast 600Diebstähle.

Die Straßenkriminalität stagnierte auf dem Niveau des Vorjahres, nachdem sie zuvor jahrelang deutlich zurückgegangen war. Mit gut 43Prozent der Fälle machen Kfz-Sachbeschädigungen sowie Diebstähle an und aus Autos den größten Anteil aus. Etwa ein Viertel aller Fälle ereignete sich im Stadtzentrum.

Gewaltstraftaten gingen 2018 um knapp neun Prozent auf reichlich 700 Fälle zurück. Knapp vier von zehn Vorfällen ereigneten sich im Stadtzentrum, 14 Prozent auf dem Sonnenberg. Drei von vier Straftaten wurden aufgeklärt. Bei fast 43Prozent aller Körperverletzungen stellte sich heraus, das Täter und Opfer miteinander bekannt waren.

Sexualstraftaten verzeichneten einen Zuwachs von zwölf Prozent. Der Anstieg liegt damit unter dem Landesdurchschnitt (plus 18 Prozent). Etwa ein Viertel der insgesamt 229Fälle entfällt auf sexuelle Belästigungen.

Personen ohne deutschen Pass machten 2018 in Chemnitz knapp 29 Prozent aller Tatverdächtigen aus. Das ist ein ähnlicher Wert wie in Dresden und Leipzig. Bei fast zwei Dritteln dieser gut 2100 Personen handelte es sich um Zuwanderer. Bei etwa jeder zehnten im Stadtgebiet erfassten Straftat sei mindestens einer der Tatverdächtigen Zuwanderer gewesen, sagte eine Polizeisprecherin. Bei Rauschgiftdelikten machten Ausländer 25,4 Prozent der Verdächtigen aus, bei schweren Sexualstraftaten 26,1 Prozent.


Wie aussagekräftig sind die Zahlen?

Die Polizeiliche Kriminalstatistik enthält die der Polizei bekannt gewordenen Straftaten (einschließlich Versuche), die Anzahl der ermittelten Tatverdächtigen und eine Reihe weiterer Angaben zu Fällen, Opfern oder Tatverdächtigen. Nicht enthalten sind

Staatsschutz- und Verkehrsdelikte (sie werden gesondert erfasst), Straftaten, die unmittelbar bei der Staatsanwaltschaft angezeigt werden, sowie Delikte, um deren Aufklärung sich andere Behörden kümmern (z. B. Finanz- und Steuerstraftaten).

Eingang in die Statistik finden nur solche Fälle, die angezeigt, bearbeitet und zur weiteren Entscheidung an die Staatsanwaltschaft abgeben wurden. Fälle, in denen über den Jahreswechsel hinaus ermittelt wird, schlagen sich oft erst später in den Zahlen nieder. Hinzu kommt das sogenannte Dunkelfeld an Straftaten, die unentdeckt bleiben (beispielsweise viele Ladendiebstähle) oder von den Opfern nicht angezeigt werden (was oft bei Sexualstraftaten der Fall ist).

Keine Aussage trifft die Statistik, ob die ermittelten Tatverdächtigen jeweils auch angeklagt und verurteilt wurden, ob es einen Freispruch gab oder das Verfahren eingestellt wurde.

Bewertung des Artikels: Ø 4.5 Sterne bei 2 Bewertungen
12Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    3
    Malleo
    14.04.2019

    Was haben Wohnungseinbrüche mit dem Meiden von Innenstädten zu tun?
    Da spielen wohl andere Gefährdungen eine Rolle..
    Perception is reality.
    Die Zuschrift zu diesen Phänomenen hat
    den Meinungshütern mehrmals nicht gefallen.

  • 1
    0
    Steuerzahler
    13.04.2019

    @Pixelghost: da haben wir zumindest in diesem Bereich etwas gemeinsam. Ich habe auch nie angezweifelt, dass die Kollegen das Ihnen Mögliche tun. Aber Ermittlungsgruppen , so angebracht sie in bestimmten Fällen sind, sind ja nun wirklich nicht das letzte Mittel! Und die Frage, warum ausgerechnet Chemnitz gegen den Bundestrend strebt, kann die Ermittlungsgruppe nicht klären, weil sie dazu gar nicht die Kapazität hat. Da gibt es viele Fragen zu klären. Die PDV gibt da auch noch Möglichkeiten, bis hin zu der Frage, ob die Aufteilung der Zuständigkeiten für die Bearbeitung der Delikte, so wie gegenwärtig geregelt, richtig ist. Eine Ermittlungsgruppe ist schnell gebildet, aber man muss auch evaluieren, ob Sie das gewünschte Ergebnis bringt und gegebenenfalls nachsteuern. Alles andere wird der Bürger, und erst recht nicht Menschen, die in einem victimellen Kontext stehen, nicht verstehen. Notfalls sollte man vielleicht auch über den eigenen Dienststellenhorizont hinaus Hilfe ordern, auch wenn das die Gefahr birgt zu implizieren, dass man es nicht allein schafft.

  • 9
    2
    Pixelghost
    12.04.2019

    @Steuerzahler, Ermittlungsgruppen sind das effizienteste Mittel in diesem Deliktsbereich.

    Ich habe in diesem Zusammenhang nicht nur mit einem Opfer und seiner Privatsphäre direkt (direkter ging es nicht) zu tun gehabt, sondern mit sehr vielen.

    Das ging und geht allen Kollegen so, die in diesem Bereich tätig sind. Und weil die erlebt haben, wie die Geschädigten leiden, die geben alles. Das können Sie mir glauben.

  • 5
    3
    franzudo2013
    12.04.2019

    Die Leute stimmen mit den Füßen ab. Die Innenstadt wird zunehmend gemieden. Die Leute fahren Auto statt oepnv.
    Sicher deshalb, weil Chemnitz die sicherste Großstadt ist.

  • 7
    0
    Steuerzahler
    12.04.2019

    Wenn Chemnitz bei den Wohnungseinbrüchen so gegen den bundesweiten Trend geht, dann muss es einerseits Bedingungen geben, die die Voraussetzungen dazu schaffen. Und dann stellt sich auch die Frage, ob eine Ermittlungsgruppe tatsächlich schon das non plus ultra ist, was man in diesem Bereich tun kann. Wer mit einem Opfer eines solchen Deliktes gesprochen hat, der weiß, die tief der jeweilige Eingriff in die persönliche Sphäre der Familie ist.

  • 13
    11
    Blackadder
    12.04.2019

    @881924: Man kann natürlich leugnen, dass Chemnitz zu den sichersten Großstädten in Ostdeutschland zählt und die Kriminalität in den letzte Jahren stetig abgenommen hat, wenn man sich und anderen unnötig Angst machen will, aber warum sollte man das? Es sei denn, man wäre in einer Partei, die das Schüren von Ängsten sozusagen zum Parteiprogramm gemacht hat und sich davon Wählerstimmen und damit Macht erwartet.

  • 14
    11
    881924
    12.04.2019

    Man kann sich alles schön reden auch diese Statistik tut dies. Also wer fest daran glaubt kann weiter in seiner heilen Welt leben. Allen Anderen empfehle ich Augen auf zu machen und entsprechende Druck vor und bei der Wahl zu machen ;-)

    Wie sagte Thilo Sarrazin gestern Abend in Chemnitz so passend, egal ob Schwarz, Rot, Grün usw. jede Partei versteht nur eine Sprache die der Wählerstimmen bzw. Prozente.

  • 12
    9
    saxon1965
    12.04.2019

    Man könnte meinen, dass es ganz okay sei, dass die Hilfesuchenden nicht mehr in Erscheinung treten als Polen, Tschechen und Rumänen, was die sechs Opfer von schweren Sexualstraftaten wohl auch wenig trösten wird.
    So gesehen bezieht sich mein letzter Absatz auch nicht nur auf die s. g. Flüchtlingswelle von 2015 bis jetzt. Dank Schengener Abkommen und anderer EU-Gesetze gibt es eben eine nicht unerhebliche Anzahl an ausländischen Straftätern und das zusätzlich, die in unserem Land ein- und ausgehen können. Aber Fehler hat man ja nicht gemacht!?
    Sicher haben Millionen von Menschen den Luxus ohne Kontrollen reisen oder zur Arbeit fahren zu können, einschließlich Güterfernverkehr. Dafür sind knapp 29 Prozent (2100 Personen) mehr Tatverdächtige und davon 1400 Zuwanderer ja nix? Und das nur in Chemnitz!!!
    Bedenklich finde ich vor allem, dass das schon ganz normaler Kontext zu sein scheint.

  • 19
    9
    Moderator
    12.04.2019

    @saxon1965: Vielen Dank für Ihren Kommentar. Zur Einordnung: In absoluten Zahlen ausgedrückt handelt es sich bei schweren Sexualstraftaten um sechs Tatverdächtige nichtdeutscher Herkunft (von insgesamt 23), bei den Rauschgiftdelikten um 242 von insgesamt 950. Der Begriff Ausländer umfasst zudem nicht nur den von Ihnen als „hilfesuchender Gast“ bezeichneten Personenkreis, sondern alle Personen ohne deutschen Pass. In ganz Sachsen traten 2018 laut LKA beispielsweise ähnlich viele Menschen aus Polen strafrechtlich in Erscheinung wie aus Syrien (1900 bis 2000); ebenso ähnlich viele Tschechen und Rumänen wie Menschen aus Afghanistan oder Libyen (jeweils ca. 1100).

  • 15
    13
    Blackadder
    12.04.2019

    @saxon: Dass der Begriff Ausländer viel mehr umfasst, als Flüchtlinge, ist Ihnen aber schon bewusst?

  • 21
    17
    saxon1965
    12.04.2019

    "Bei Rauschgiftdelikten machten Ausländer 25,4 Prozent der Verdächtigen aus, bei schweren Sexualstraftaten 26,1 Prozent."
    So benimmt man sich also als "hilfesuchender Gast"? Wenn es dann noch Leute gibt, die alles dafür tun, das diese möglichst nicht abgeschoben werden, dann versteht man die Welt nicht mehr.
    Es gibt genug deutsche Kriminelle. Dass unsere Regierung, vorne weg die Bundeskanzlerin, unkontrolliert noch weitere Kriminelle importiert hat, baden die Opfer, die Steuern zahlenden Bürger und die Polizei aus.

  • 16
    19
    Hinterfragt
    12.04.2019

    "...Anzahl der Wohnungseinbrüche erreicht neue Dimension..."
    "...Während die Kriminalität im Stadtgebiet in fast allen Bereichen zurückgeht..."

    Der war gut!
    Nach den Kriminalitätsstatistiken sind dann also Wohnungseinbrüche keine Kriminalität ...???



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