Barrierefrei zur Tierparkschule

Bislang konnten Rollstuhlfahrer die Angebote der Einrichtung in Limbach-Oberfrohna nur selten und nur unter erschwerten Bedingungen nutzen. Das soll sich ändern.

Limbach-Oberfrohna.

Es sind nur fünf Stufen. Doch für Jonas bedeuten sie die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. "Jetzt können wir endlich die Angebote der Tierparkschule nutzen, darüber freut sich Jonas sehr", sagt seine Schulbegleiterin Christiane Baasner.

Jonas ist 14 Jahre alt, besucht die Förderschule am Stadtpark und ist durch eine Behinderung auf den Rollstuhl angewiesen. Bislang blieb ihm das Programm in den Räumen der Tierparkschule, etwa Bastelaufgaben und Filme anschauen verwehrt. Die Tierparkschule will Kindern und Jugendlichen das Lernen in und mit der Natur nahe bringen.


Doch die Hürde, die es bisher nicht nur für Jonas gab, ist jetzt beseitigt. Denn ein neuer Lift ist Donnerstag in Betrieb gegangen. Er schenkt Jonas und anderen, die im Rollstuhl sitzen, Barrierefreiheit. "Eine Behinderung darf nicht zur Barriere werden. Das haben wir hiermit geschafft", sagt Hans-Christian Rickauer vom Förderverein des Amerika-Tierparks.

Möglich wurde der Einbau des Lifts durch das Programm "Lieblingsplätze für alle". Der Freistaat Sachsen fördert damit seit 2014 Investitionen zum Abbau von Barrieren. In Limbach-Oberfrohna wurde diesbezüglich schon in der Stadthalle umgerüstet. Eine Rampe konnte dort ebenso gebaut werden wie an der Kirche in Bräunsdorf. Im vergangenen Herbst stellte die Stadt dann einen Antrag für den Lift im Tierpark und bekam im März die Zusage. Eine Firma aus Bielefeld baute das 19.000 Euro teure Gerät, das sich an der linken Seite des Treppenaufgangs befindet, innerhalb von zwei Wochen ein.

Neben dem Schüler Jonas ist auch Heidi Blochin vom Lift begeistert. "Das ist eine riesige Erleichterung für uns", sagt sie. Blochin gehört zum Team der Tierparkschule, das sich um die Kinder während der Angebote der Einrichtung kümmert. Sie unternahm in der Vergangenheit schon einen anderen Versuch, um Jungen und Mädchen mit Handicap den Zugang zur Tierparkschule zu ermöglichen. "Ich hatte eine Treppenschiene vom Deutschen Roten Kreuz ausgeliehen, doch die passte nicht richtig. Das Ganze war zu unsicher", berichtet sie. Am Ende blieb ihr und den anderen Mitarbeitern nur eins übrig: Mit Muskelkraft die betroffenen Kinder samt Rollstuhl die fünf Stufen hochzuhieven. "Das wäre aber auf Dauer kein Zustand gewesen", so Blochin. Sie verwies in diesem Zusammenhang auch auf das Thema Inklusion. Nicht nur gehandicapte Kinder aus der Schule am Stadtpark hätten jetzt die Chance, die Tierparkschule zu nutzen. "Es gibt ja auch Kinder mit Behinderungen an anderen Schulen", so Blochin.

Nicht nur bei der Limbacher Förderschule, die einmal in der Woche mit etwa zehn Schülern zu Besuch kommt, sei die Tierparkschule beliebt. "Wir haben Kinder aus der gesamten Region bei uns zu Gast", berichtet Leiterin Marcella Münch. Demnach kommen Jungen und Mädchen aus Chemnitz, Meerane, Glauchau, Frankenberg und Zschopau, um sowohl die Ganztags- als auch die drei Ferienangebote, die es über das Jahr verteilt gibt, zu nutzen.

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