Breitband-Ausbau verzögert sich erneut -Start erst Anfang 2020

Zum wiederholten Mal räumt die Telekom ein, dass der genannte Termin für das neue Angebot nicht gehalten werden kann. Ein potenzieller Kunde hat inzwischen resigniert.

Limbach-Oberfrohna.

Wie oft hat die Telekom inzwischen den Startschuss für das Breitband-Internet in Limbach-Oberfrohna verschoben? Die Antwort fällt schwer, weil der Telekommunikationskonzern nicht jeden der anvisierten Termine kommuniziert hat. Der "Freien Presse" sind vier Daten bekannt, die inzwischen verstrichen oder nicht mehr zu halten sind: Zunächst war von Ende 2018 die Rede, dann von Mitte dieses Jahres, später von September, zuletzt von Oktober. Ein Pleißaer sagt, er habe einst die Aussage erhalten, dass er schon ab Juli 2018 schneller surfen könne.

Doch geändert hat sich noch nichts. Einige Haushalte in Pleißa müssen zum Beispiel nach wie vor mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von zwei Megabit pro Sekunde auskommen. In Großstädten hingegen sind 50 bis 100 Mbit längst Standard. Ähnlich gut ausgestattet sind Bräunsdorf, Rußdorf und Teile der Kernstadt,wie aus dem Breitbandatlas des Bundesverkehrsministeriums hervorgeht. Neben Pleißa herrschen hingegen auch in Kändler und Wolkenburg-Kaufungen mit Blick auf das Internet noch anachronistische Zustände.

Dabei klang alles so verheißungsvoll, als die Telekom im April 2018 ihre Pläne präsentierte. Geschwindigkeiten von bis zu 100 Megabit pro Sekunde, teilweise sogar von bis 250 Megabit versprach das Unternehmen - obwohl nicht Glasfaserleitungen in jedes Haus verlegt werden. Vielmehr setzt der Konzern auf die Aufrüstung von Verteilerkästen und das sogenannte Super-Vectoring, bei dem Datenfluss-Hemmnisse im herkömmlichen Kupfernetz, die etwa durch elektromagnetische Störungen entstehen, weitgehend eliminiert werden. Mindestens zwei Drittel der Haushalte in Limbach-Oberfrohna könnten auf diese Weise deutlich schneller surfen als bisher, hieß es damals.

Mitte des Jahres hatte es noch geheißen, dass das Super-Vectoring ab diesem Monat angeboten werden kann. Doch auch daraus wird nichts, wie die Telekom jetzt auf Anfrage einräumt. Ein Sprecher erklärt, dass das Leerrohrnetz nicht den Erwartungen entsprochen habe. "Dadurch wurden zusätzlich Tiefbauleistungen erforderlich. Auch fehlende Kapazitäten bei den Tiefbaufirmen sorgten für Verzögerungen." Durch die Leerrohre werden mithilfe von Druckluft Glasfaserkabel verlegt. Wenn die Leerrohre beschädigt sind, kann dies nur repariert werden, indem die Erde aufgegraben wird. Dazu muss die Telekom wiederum erst Genehmigungen bei der Stadtverwaltung einholen. Das komplizierte Vorgehen hatte die Telekom bereits als Begründung für vorangegangene Verzögerungen angeführt. Nach Angaben des Rathauses werden derzeit im Stadtgebiet an 23 Orten Bauarbeiten im Auftrag der Telekom ausgeführt. Mal sind sie kaum zu sehen, mal ziehen sie Verkehrsbehinderungen nach sich. Als Beispiele nennt das Rathaus Projekte an der Kreuzung Chemnitzer/Hohensteiner Straße, an der Lindenau- sowie der Christophstraße.

Die Frage nach einem neuen Termin beantwortet der Sprecher der Telekom so: "Die Anschlüsse sind ab Januar 2020 nutzbar." Der eingangs erwähnte Pleißaer, der sich in der Vergangenheit verärgert gezeigt und seine Unzufriedenheit in Mails an die Telekom und die Stadtverwaltung zum Ausdruck gebracht hatte, prognostizierte bereits im September, dass die Telekom ihre potenziellen Kunden auf nächstes Jahr vertrösten wird. Er sollte recht behalten. Aufregen will er sich aber nicht mehr: "Ich habe es aufgegeben, mich da zu engagieren."


Kommentar: Peinlich

Dass Politik und Telekommunikationsanbieter den Internetausbau in Deutschland verschlafen haben, ist keine neue Erkenntnis. Die Inkompetenz der Telekom zumindest mit Blick auf ihr Informationsgebaren überrascht dann aber doch. Dass Leitungen im Erdboden in einem schlechten Zustand sind oder anderswo liegen, als sie in Karten verzeichnet sind, hat schon viele Bauprojekte ausgebremst. Aber es muss möglich sein, nach einer solchen Diagnose die Folgen realistisch abzuschätzen. Die Telekom nennt indes fast im Monatsrhythmus neue Termine, nur um diese dann immer wieder verstreichen zu lassen. Das ist peinlich und eine Verhöhnung jener Bürger, die sehnlich auf eine schnellere Internetverbindung warten. Ob Januar 2020 als Termin gehalten wird? Man darf gespannt sein.

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1Kommentare
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  • 0
    1
    cn3boj00
    21.10.2019

    Exakt wurden auf der Ausbaukarte der Telekom folgende Termine genannt: Juli 18, Oktober 18, November 18, April 19, Juli 19, September 19, November 19, Dezember 19. Neulich habe ich eine Mail der telekom bekommen, dass am 9. Dezember der Breitbandausbau abgeschlossen sei und ich schnelles Internet vorbestellen könnte. Beim Bestellversuch wurde dann als "Freischaltungstermin" der Zeitraum 27. Dezember bis April 2020 genannt.
    Und ja, seit 2 Wochen ist an der Kreuzung Hohensteiner / Chemnitzer Straße eine Fahrbahn gesperrt und der Verkehr eingeschränkt. Ich habe in diese 2 Wochen noch keinen einzigen Arbeiter gesehen. Die Telekom hat wohl keine Ahnung davon, was man unter Arbeit versteht.



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