Brunnen oder Wasserleitung? - Ein Dorf ist gespalten

Durch die Sommerhitze versiegen Quellen. Damit Wasser fließen kann, sind Investitionen notwendig. In Biensdorf regt sich dagegen aber Widerstand.

Lichtenau.

Für 19 Grundstücke mit 46 Personen im Lichtenauer Ortsteil Biensdorf wird es weiterhin keinen Anschluss ans Trinkwassernetz geben. Diese Mitteilung von Bürgermeister Andreas Graf (CDU) sorgte bei den Gemeinderäten in der jüngsten Sitzung für enttäuschte Gesichter. "Das kann ein großes Problem werden", sagte Gemeinderat Gert Eidam (Freie Wähler).

In heißen und trockenen Sommern wisse doch niemand, wie lange bei ihm Wasser aus dem Brunnen fließe. Eine Leitung im Haus garantiere hingegen, dass immer ausreichend und zudem sauberes Trinkwasser vorhanden sei, so Eidam. So waren im heißen Sommer 2018 einige Brunnen im Ortsteil Krumbach, besonders im Bereich der Straße Grüner Winkel, versiegt. Der Wasserzweckverband ZWA musste mit Wasserwagen die Einwohner versorgen. Gleiches könne jederzeit auch in Biensdorf passieren. Deshalb hatte Eidam vorgeschlagen, die Einwohner zu befragen, ob ihre Grundstücke an die Trinkwasserleitung angeschlossen werden sollen.


Die Befragung durch den ZWA fand statt. Das Ergebnis liegt jetzt vor. "Nur vier Grundstückseigentümer hatten Interesse an einem Vertragsabschluss", so Bürgermeister Graf. Das waren 21 Prozent der Befragten. Das Ziel des ZWA seien mindestens 70 Prozent gewesen. Elf Eigentümer und damit 58 Prozent waren laut Graf dagegen, vier Hausbesitzer teilten ihre Meinung nicht mit. Die Investition habe damit für den ZWA keine Priorität. Die Kosten pro Anschluss wären im Vergleich zu dichter bebauten Gebieten hoch, erläuterte Graf. "Hinzu kämen vermutlich elf Verfahren, um den Anschlusszwang gegenüber den Grundstücksbesitzern durchzusetzen, die den Vertrag nicht unterschreiben wollen", sagte er.

Nach Angaben des technischen Geschäftsleiters des ZWA, Ulrich Pötzsch, müssen sich zwar alle Grundstücke anschließen lassen, wenn die Leitung liegt. Der Zeitpunkt könne aber unterschiedlich sein. Wer etwa kurz zuvor einen neuen Brunnen gebaut oder eine neue Pumpe gekauft hat, müsse dem nicht sofort nachkommen. Während der Abschreibungszeit genieße der Eigentümer einen Vertrauensschutz, manches sei zudem Ermessenssache, erklärte er.

Gemeinderat Andreas Herberger (Freie Wähler) berichtete von Biensdorfern, die "in den vergangenen Jahren viel Geld unter anderem für Tiefenbohrungen ausgegeben" haben. Würden sie jetzt zu einem Anschluss gedrängt, bringe es nur Ärger ins Dorf. Enttäuschend sei das Ergebnis trotzdem, so Gemeinderat Stephan Lazarides (CDU). Denn das Problem der öffentlichen Trinkwasserversorgung sei damit in Bereichen des Ortes weiterhin nicht zufriedenstellend gelöst. "Der ZWA sollte die Leitung legen. Mindestens vier Häuser würden sich anschließen lassen und die Vorteile würden sich herumsprechen", sagte er. Wir müssen dranbleiben, Gespräche mit den Biensdorfern führen, forderten Räte. Ziel der Gemeinde sei es, alle Haushalte über das öffentliche Netz mit Trinkwasser zu versorgen.

Laut Bürgermeister Graf legt der ZWA das Vorhaben, Biensdorf und noch einige Häuser in Krumbach an die öffentliche Versorgung anzuschließen, erst einmal auf Eis. Der Verband wolle stattdessen mit den Anschlusswilligen individuelle Lösungen suchen, um deren Trinkwasserversorgung zu sichern. Wie das genau aussehe, stehe noch nicht fest. Pötzsch sagte, dass es dezentrale Anlagen geben könne, wo Wasser über Tanks eingespeist werde. Aber es müsse wirtschaftlich sein.

Familie Schmidt/Eschrich hat mit Erleichterung das Resultat der Befragung aufgenommen. "Wir haben viel Geld in den Bau eines neuen Brunnens investiert", sagt Sabine Schmidt. Die Summe nennt sie nicht, aber der Betrag liege im fünfstelligen Bereich - also ab 10.000 Euro. Die Sanierung des alten Hauses koste ebenso viel. Deshalb sei es jetzt gut, dass keine zentrale Trinkwasserleitung komme, ergänzt sie.

Pötzsch sagt auf Nachfrage, dass knapp 2000 Meter Rohrleitung verlegt werden müsste, dazu noch etwa 300 Meter bis zu jedem Haus. Der ZWA rechne mit Gesamtkosten von etwa 380.000 Euro. Der Anschluss ans öffentliche Trinkwassernetz koste pro Grundstück rund 20.000 Euro. Doch der Eigentümer zahle nur etwa 4800 Euro. "Das Ergebnis der Umfrage ist ernüchternd", fügt er hinzu. Nachgewiesen sei, dass aufgrund der Klimaerwärmung die Grundwasserstände sinken. Grundwasser bilde sich langsamer. Laut sächsischem Wassergesetz müsste der ZWA im Auftrag von Gemeinden dafür sorgen, dass die Einwohner mit Wasser versorgt werden.

Er habe gerade im Hitzesommer 2018 viele Anrufe erhalten, weil Brunnen versiegt waren. Wassertanks seien beispielsweise nach Krumbach, ins Striegistal und Greifendorf gefahren. "Vor allem Frauen baten um Hilfe", sagt Pötzsch. Sie forderten den schnellen Anschluss ans Trinkwassernetz, um endlich wieder Waschautomaten und Geschirrspüler einzusetzen oder mal in die Badewanne zu steigen. Deshalb wolle der ZWA den Anschlussgrad auf fast 100 Prozent erhöhen. Für die nächsten sechs Jahre seien 21 Maßnahmen für 20 Millionen Euro geplant. Fördermittel seien beantragt.

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4Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    1
    Nixnuzz
    08.07.2019

    @cn3boj00: Dito. Durfte vor ca. 2 Jahren den Zusammenbruch meiner privaten Wasserversorgung bis dato per Brunnen auskosten. Zusätzlich konnten Mediziner Reste eines Organismus' in meinem Blut feststellen, der mich körperlich auf die Bretter gezwungen hat. Mittlerweile hab ich eine Wasser-Notversorgung und meine Beine tragen mich wieder. Ansonsten stehe ich mit Annaberg-Buchholz wg.Wasser vertraglich schonmal in Kontakt. Es fehlen nur noch 3m Strassenbau und 60m Wasserrohr. Das Hüllrohr wartet.. und wartet..und wartet...

  • 3
    1
    cn3boj00
    08.07.2019

    Hätte mich mal interessiert, was der Rote an meinem Tatsachenbericht auszusetzen hatte. Ich mach meine Wasserproben übrigens privat auf eigene Kosten, jedesmal 200 Euro. Aber mein Brunnen ist auch nicht als Trinkwasserbrunnen genehmigt, da wir ans Netz angeschlossen sind dürfen wir das Wasser aus dem Brunnen nämlich nicht dafür verwenden, selbst wenn es saube wäre. So sind die Gesetze.
    Und Distelblüte, klar, wenn der Brunnen versiegt merkt das zuerst die Frau, welche die Wäsche und den Abwasch machen muss. Und wenn "Mann" sich mal ne Woche lang nicht duscht hat der doch kein Problem, wozu also eine Wasserleitung? Spott aus.

  • 2
    1
    Distelblüte
    08.07.2019

    "Vor allem Frauen baten um Hilfe", sagt Pötzsch. Sie forderten den schnellen Anschluss ans Trinkwassernetz, um endlich wieder Waschautomaten und Geschirrspüler einzusetzen oder mal in die Badewanne zu steigen.
    Heißt, die Blockade gegen einen Anschluss ans Trinkwassernetz kommt vor allem von Männern?

  • 4
    1
    cn3boj00
    07.07.2019

    Es mutet fast wie im Mittelalter an, dass heute noch Wohngrundstücke nicht ans Trinkwassernetz angeschlossen sind sondern sich über Brunnen versorgen. Gerade heute besteht nicht nur die Gefahr, dass Brunnen trocken fallen, auch die Grundwasserqualität kann zum Problem werden. Das Wasser in unserem Brunnen ist durch die angrenzende Landwirtschaft nicht nur mit Keimen verseucht, sondern seit Jhren steigt auch die Konzentration an Nitrat und anderen Substanzen über die zulässigen Höchstgrenzen an (bei Nitrat wird der Grenzwert um mehr als das doppelte überschritten). Selbst den Pool fülle ich nun nicht mehr mit Brunnenwasser. Deshalb wäre es interessant, wie die Wasserqualität kontrolliert wird.



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