Burgstädt erhöht Kita-Beiträge um bis zu 30 Euro

Zum 1. September müssen Familien mehr für die Betreuung ihres Nachwuchses bezahlen. Doch viele Eltern und Erzieher wissen das nicht.

Burgstädt.

Kerstin Scheibe* lässt ihrer Empörung freien Lauf: "Das darf doch nicht wahr sein. Ich muss ab September deutlich mehr Geld für die Krippe aufbringen." Bisher zahlte sie für ihren zweijährigen Sohn monatlich 164,50 Euro für eine neunstündige Betreuung in der Krippe. Künftig sind es 195,35 Euro.

Bereits vor einem Jahr habe es eine Erhöhung gegeben, 2016 lag der Beitrag noch bei 155 Euro, erläutert die 35-Jährige. Sie verstehe, dass Strom- und Heizungskosten in den Kindereinrichtungen steigen und sich auch die Gehälter der Erzieherinnen erhöhen. Aber wichtig sei doch, dass die Kommune ordentlich darüber informiere und die Gründe nenne, fügt sie hinzu.

Kerstin Scheibe ist nicht allein mit ihrer Kritik. Andere Eltern wurden von der Ankündigung der Preiserhöhung ebenfalls überrascht. "In der Kita hängt noch kein Aushang", sagt eine andere Mutter. Aber sie befürchtet, dass die Erhöhung für ihre Familie noch drastischer ausfalle. Sie hat drei Kinder, die in Krippe und Kindergarten betreut werden. Sie arbeite stundenweise, ihr Mann verdiene als Handwerker nicht allzu viel, sagt sie. Bisher lag das Gehalt der Familie knapp über der Einkommensgrenze, für die der Landkreis Ermäßigungen erteilt. Der Elternbeitrag kann auf Antrag ganz oder teilweise übernommen werden, wenn die Belastung den Eltern und dem Kind nicht zuzumuten ist, heißt es in der Vorschrift.

Die Stadt Burgstädt hat in ihrem jüngsten Amtsblatt darüber informiert, dass neue monatliche Elternbeiträge gemäß der Elternbeitragssatzung vom 7. Februar 2017 ab September 2018 gelten. Dort ist aufgelistet, wie viel eine Betreuung in Krippe, Kindergarten und Hort kostet - je nach Anzahl der Stunden und unterteilt in Familien und Alleinerziehende. Doch ein Vergleich zum Vorjahr fehlt.

Warum wurde öffentlich nicht auf die Erhöhung hingewiesen? Bürgermeister Lars Naumann (Freie Wähler Burgstädt) ist bis 23. Juli im Urlaub. Hauptamtsleiterin Josefine Müller sagt auf Anfrage, dass die Elternbeiträge entsprechend der Satzung angepasst werden. Weitere Ausführungen könne nur der Bürgermeister machen.

Auch in den sechs Kitas, zwei Horten und bei den zwei Tagesmüttern ist der Preisanstieg größtenteils nicht bekannt. Seitens der Stadtverwaltung habe es keine Informationen gegeben, heißt es. Verträge mit den Eltern müssten abgeschlossen werden, da hätte es sich gehört, dass die Preiserhöhung angekündigt wird, sagt eine Erzieherin. Andere Kita-Verantwortliche sagen, dass sie selbst erst im städtischen Anzeiger gelesen hätten, dass sich was ändert. Allerdings sei ihnen bekannt, dass alljährlich die Abrechnung der Betriebskosten bis zum 30. Juni vorliegt. Viele Eltern wüssten das meist nicht und würden auf einen Aushang in den Kitas warten. Außerdem ist Sommerpause. Viele Eltern sind im Urlaub. Mit Schuljahresbeginn am 13. August sei mit Anfragen und Kritik zu rechnen, heißt es.

Das sächsische Kita-Gesetz schreibt vor, dass Eltern an den Kosten bei Krippen mindestens zu 20 und höchstens zu 23 Prozent beteiligt werden. Bei Kindergärten und Horten sind es mindestens 20 und höchstens 30 Prozent der zuletzt bekannt gemachten Personal- und Sachkosten. In der Burgstädter Satzung steht, dass im Krippenbereich 21,5 Prozent und im Kindergarten- und Hortbereich 25 Prozent der Betriebskosten auf die Eltern umgelegt werden.

Zurzeit zahlen Eltern für die neunstündige Betreuung in der Krippe 164,50 Euro. Nach den Betriebskosten von 2017 fallen für die Krippe Kosten in Höhe von 908,62 Euro pro Kind und Monat an. Der neue Beitrag liegt dann bei 195,35 Euro. Für neun Stunden im Kindergarten liegt der Elternanteil bei 110,24 Euro (bisher: 93,09 Euro). Die Betriebskosten betrugen im Vorjahr 440,95 Euro. Für sechs Stunden im Hort werden 59,53 Euro (bisher: 51,65 Euro) fällig. Die Betriebskosten lagen 2017 bei 238,11 Euro.

* Name von der Redaktion geändert.


Kommentar: Es fehlt an Transparenz

Jahrelang blieben die Kita-Beiträge in Burgstädt fast konstant. Daran hatten sich die Eltern gewöhnt. Seit vorigem Jahr ist das anders. Wenn sich die Betriebskosten ändern, steigt oder fällt der Zuschuss durch die Eltern. Das leuchtet ein. Bekannt ist, dass Strom- und Heizungskosten steigen. Auch die Gehälter der Erzieherinnen. Zur Mitte des Jahres liegt das Ergebnis der Betriebskosten vom Vorjahr vor. Das Zahlenwerk hat die Stadt auch veröffentlicht. Aber mit keiner Silbe wird erwähnt, welche Auswirkungen das auf den Elternbeitrag ab 1. September hat. Viele Eltern wissen noch gar nicht, dass der Anteil drastisch steigt. Auch Verantwortliche in den Kitas wurden von den Zahlen überrascht. Fair wäre es gewesen, detaillierter auf die Erhöhung hinzuweisen. So hätten Familien besser planen können, wo sie im Haushaltsbudget kürzen oder Unterstützung beantragen müssen.

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