Burgstädter Band darf bei Festival nicht auftreten

Der geplante Auftritt von "Selbstjustiz" in einem Zettlitzer Ortsteil ist untersagt worden. Die linksextremistische Gruppe ist wegen gewaltverherrlichender und staatsfeindlicher Texte ins Visier der Behörden geraten.

Burgstädt/Rochlitz.

Am Ende musste der Auftritt abgesagt werden. Bei der Musikveranstaltung "Trink dein Bier im Zelt", die am Samstagabend im Zettlitzer Ortsteil Hermsdorf stattfinden soll, darf die Burgstädter Band Selbstjustiz nicht spielen. Die Behörden haben das untersagt. Denn die Gruppe ist seit 2018 im Visier des sächsischen Verfassungsschutzes und wird als linksextremistisch eingestuft. Zu dem Konzert eingeladen hatte die Band der Geringswalder Robert Sobolewski - Direktkandidat der Linken bei der Landtagswahl im Wahlkreis 22, der von Burgstädt bis Rochlitz reicht.

"Die Texte sind aggressiv formuliert und richten sich gegen den Rechtsstaat und seine Institutionen. Gewalt gegen den politischen Gegner wird befürwortet", heißt es im Verfassungsschutzbericht 2018. Wie der Kriminaldirektor des Verfassungsschutzes, Martin Döring, auf "Freien Presse"-Nachfrage erklärte, gibt es in einigen Liedern solche Aussagen. In den Titeln "Bulln", "Besetzen statt besitzen" und "Kriegsspielzeug" würden der Staat und die Bundeswehr verunglimpft, Polizisten beleidigt und diffamiert.


Bei der Prüfung des Festivals durch die Behörden bemerkte man, dass es sich um eine vom Verfassungsschutz beobachtete Band handelt. Untersagt hat den Auftritt der Burgstädter die Rochlitzer Stadtverwaltung, deren Ordnungsamt auf Grund einer Verwaltungsgemeinschaft auch für Veranstaltungen in der Gemeinde Zettlitz zuständig ist. Laut Oberbürgermeister Frank Dehne hat man sich auch mit Landratsamt und Polizei abgestimmt. Das Festival an sich, zu dem auch Musiker kommen, die nicht vom Verfassungsschutz beobachtet werden, könne stattfinden.

Robert Sobolewski heißt die Entscheidung der Behörden nicht gut. Dass die Band vom Verfassungsschutz beobachtet werde, habe er nicht gewusst, sagte er im Gespräch mit der "Freien Presse". Eine Band, die für eine "freiheitliche und emanzipatorische Lebensart" einstehe und bestehende Verhältnisse kritisiere, werde diskreditiert. "Aber das sind engagierte Leute", so Sobolewski. Aus seiner Sicht hätte es einen Weg gegeben, den Auftritt zu ermöglichen: "Man hätte sich einigen können, dass manche Lieder nicht gespielt werden." Dennoch wolle er die Entscheidung akzeptieren. "Denn unser Verhältnis als Veranstalter zu Ordnungsamt und Polizei war stets gut."

Allerdings sieht er politische linke Bands oft zu Unrecht im Visier der Behörden. Er kritisiert, dass im Verfassungsschutzbericht 2018 das Großkonzert "Wir sind mehr" in Chemnitz genannt wird. Unter dem Motto stand am 3. September 2018 eine Musikveranstaltung. Sie war Reaktion auf teils fremdenfeindliche Ausschreitungen und Demonstrationen in Chemnitz, nachdem ein 35-Jähriger erstochen worden war. Tatverdächtig sind ein Syrer und ein Iraker. Die Veranstaltung sollte ein Zeichen gegen Rassismus setzen. Es kamen rund 65.000 Besucher. Die Chefin des mittelsächsischen Kreisverbandes der Linken, Marika Tändler-Walenta, sieht den Fall ähnlich wie Robert Sobolewski. "Der Verfassungsschutz hat so einige Bands unter Beobachtung, wie auch das Großkonzert ,Wir sind mehr'. Leider sehe ich dieses Engagement bei Nazikonzerten nicht."

Tändler-Walenta bezieht sich auf drei Konzerte. Am 18. Februar 2018 trat der rechtsextremistische Liedermacher Lunikoff in Lunzenau auf. Am 17. März und am 28. April 2018 gab der Musiker Freilich Frei, der ebenfalls als rechtsextremistisch eingestuft wird, Konzerte im Landkreis. Das geht aus Angaben des sächsischen Innenministeriums hervor, die auf Anfrage der Linken-Landtagsabgeordneten Kerstin Köditz veröffentlicht wurden. Lunikoff sowie Freilich Frei sind demnach auch in diesem Jahr bereits in Erscheinung getreten. Sie gaben Konzerte im Februar in Lunzenau bzw. im April im Striegistaler Ortsteil Marbach.


Rechtsextremistische Szene größer als linksextremistische

Der sächsische Verfassungsschutz hat in Mittelsachsen mehrere Bands im Visier, die als extremistisch eingestuft werden. Dabei ist die rechtsextremistische Szene größer als die linksextremistische. Den Angaben zufolge waren 2018 zwei rechtsextremistische Bands aktiv. Eine Gruppe namens Sachsenblut kommt laut Verfassungsschutz aus Freiberg und existiert seit 2010. Im April 2018 sei sie in Tschechien aufgetreten. Seit 2011 gebe es zudem eine Band, die sich Overdressed nennt. Die Mitglieder hätten am 7. April 2018 ein Konzert in Kirchheim in Thüringen gegeben.

Eine linksextremistische Band namens Selbstjustiz gebe es in Burgstädt. Gegründet wurde sie Mitte der 2000er-Jahre. Es gab einige Auftritte. "Extremisten nutzen Musik für die Vermittlung ihrer politischen Positionen. Gerade Heranwachsende in ihrer Suche nach Orientierung und Abgrenzung können über extremistische Musik unversehens in die Szene geraten", so die Verfassungsschützer. (fpe)

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4Kommentare
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  • 14
    19
    Blackadder
    12.07.2019

    @fschindl: Wer das #wirsindmehr Konzert für linksextrem hält, hält auch jeden anderen demokratischen Kampf gegen Rechts für linksextrem.

  • 20
    16
    fschindl
    12.07.2019

    @Blackadder Ostritz wieder und die paar Rückwärtsgewandten.... lächerlich...solange sich 65000 Menschen in Chemnitz letztes Jahr unter dem Deckmantel "wir sind mehr" genau mit dem anderen Extrem auseinandersetzen durften

  • 13
    31
    Blackadder
    12.07.2019

    @UK13: Wenn solche Konsequenz auch bei Rechtsrockkonzerten in Sachsen angewendet werden würde, wäre ich komplett bei Ihnen. Leider konnte man in Ostritz sehen, dass dem nicht so ist. Da konnte man plötzlich nichts verbieten.

  • 31
    14
    UK13
    12.07.2019

    Endlich mal eine klare und richtige Entscheidung der Behörden.Bejubeln die Linken das bei Rechtsrock Konzerten die Polizei ganze Tankstellen mietet um den Alkoholnachschub zum Konzert zu verhindern und die Presse feiert das engagierte Bürger den Nazis das Bier wegkaufen so heulen sie nun lautstark wenn eigene Interessen betroffen sind.C’est la vie.....



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