Chemnitz 2025: Projektleiter fordert Plan B

Falls einer der sächsischen Bewerber, die Kulturhauptstadt werden wollen, knapp am Titel scheitert, sollte sich der Freistaat trotzdem erkenntlich zeigen, erwartet Ferenc Csák. An die Chemnitzer gibt er ein Versprechen ab.

Bei einer Tagung der Industrie- und Handelskammer (IHK) zum Thema Stadt- und Kulturmarketing hat am Donnerstag auch Ferenc Csák, Projektleiter der Chemnitzer Bewerbung um den Titel Europäische Kulturhauptstadt 2025, gesprochen. Er stellte den Teilnehmern - darunter auch Vertreter aus den Städten Dresden und Zittau, die sich ebenfalls bewerben wollen - die groben Züge des Chemnitzer Projekts vor. Daneben sprach Csák auch über Geld. Sollte Chemnitz Kulturhauptstadt werden, rechnet er mit einem Budget zwischen 70 und 80 Millionen Euro. Davon kommen 20 Millionen aus der Stadt. "Wir erwarten, dass der Bund die deutsche Kulturhauptstadt mit 30 Millionen Euro unterstützt", sagte er. Das entspreche auch der Summe, die Essen und das Ruhrgebiet 2010 erhalten hatten. Vom Freistaat Sachsen erwarten er und die beiden sächsischen Mitbewerber 20 Millionen Euro für einen möglichen Gewinner. Sollten es eine oder mehr sächsische Städte in die zweite Auswahlrunde schaffen, rechne er mit 600.000 Euro Unterstützung pro Stadt, "weil es um die Ehre des Bundeslandes geht", so Csák.

Ab September hat Chemnitz ein Jahr Zeit, den Fragenkatalog zur Bewerbung auszufüllen. "Unser Versprechen ist, dass wir 60 Prozent dessen, was wir da hineinschreiben, auch ohne den Titel umsetzen werden", sagte der Kulturbetriebsleiter. Er hoffe, dass auch das von der Landesregierung mitgetragen wird. Sie müsse die richtigen Schlüsse aus dem Fall Görlitz ziehen. Die Stadt hatte sich 2010 nicht gegen Essen für den Titel durchgesetzt. "Es gab keinen Plan B", so Csák. Städte, die einen Prozess von drei Jahren hinter sich haben, "sollten nicht allein gelassen werden", sagte er.

Das Thema Kulturhauptstadt klang auch im Vortrag von Oliver Scheytt an. Er zeichnete unter anderem für die erfolgreiche Bewerbung "Essen für das Ruhrgebiet. Kulturhauptstadt Europas 2010" verantwortlich. Er plädierte dafür, mit Kunst und Kultur Events zu schaffen, an die sich Bewohner einer Stadt lange erinnern und die zur Identifikation beitragen. "Erlebnisse verwandeln die Wahrnehmung", sagte er. So habe man 2010 für einen Tag lang die Autobahn A 40 gesperrt und für die Bürger frei gegeben. "Noch heute können alle die passenden Bilder dazu im Kopf abrufen", so Scheytt. Die Kulturhauptstadt habe dazu beigetragen, dass die 53 Städte des Ruhrgebiets Stück für Stück zu einer Metropole zusammenwachsen.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...