Chemnitz - wie weiter?

Nach den Ereignissen Ende August gibt es Redebedarf in der Stadt. Die "Freie Presse" macht dafür ein Angebot - Mitreden ist ausdrücklich erwünscht.

Es war eine Zäsur für Chemnitz. Der gewaltsame Tod eines jungen Mannes am Rande des Stadtfestes hatte über Tage hinweg Demonstrationen und Kundgebungen zur Folge, bei denen Tausende Chemnitzer ihre Trauer, ihre Verärgerung und ihre Wut zum Ausdruck gebracht haben, in deren Umfeld aber auch rechtsextreme Ausschreitungen stattfanden.

Die Ereignisse haben Spuren hinterlassen in der Stadtgesellschaft. Es gibt seither nicht nur heftige Wortgefechte auf offener Straße, die verbalen Auseinandersetzungen setzen sich fort unter Kollegen, Freunden und in der Familie. Die einen beklagen für die Innenstadt eine flächendeckende kriminelle Gefährdung, die anderen sprechen von bedauernswerten Einzelfällen und sehen in all dem lediglich eine "gefühlte Unsicherheit". Es ist häufig eine asymmetrische Debatte.

Mit einem neuen Angebot will die "Freie Presse" hier ansetzen. Am 2. Oktober wird erstmals unter dem Titel "Chemnitz diskutiert" eine Gesprächsrunde stattfinden, bei der es um die Sicherheit in der Innenstadt geht. Die "Freie Presse" hat hierfür etwa ein Dutzend Leserinnen und Leser gewonnen, die in den vergangenen Tagen und Wochen auf die Redaktion zugekommen sind mit ihren Anregungen, ihrer Kritik und Kommentaren. Bei der Auswahl wurde berücksichtigt, dass ein möglichst breites Spektrum an Positionen vertreten sein wird. Darüber hinaus hat die Redaktion Personen angesprochen, die mit dem Thema Sicherheit in der Innenstadt zu tun haben. Und schließlich ruft die "Freie Presse" heute ihre Leserinnen und Leser der Chemnitzer Ausgabe auf, die andere Hälfte der Plätze zu besetzen. Nutzen Sie dafür bitte den nebenstehenden Anmelde-Coupon. Falls mehr Personen ihr Interesse bekunden, als Plätze vorhanden sind, entscheidet das Los.

Die Veranstaltung wird Workshop-Charakter haben. In kleinen Gruppen soll diskutiert werden, wo genau welche Probleme liegen und was dagegen getan werden könnte. Für die Moderation der Workshops konnten fünf Persönlichkeiten aus der Stadt gewonnen werden: Niners-Präsidentin Micaela Schönherr, der Leiter des evangelischen Kirchenbezirks, Superintendent Frank Manneschmidt, Volksbank-Vorstandsvorsitzender Gunnar Bertram, Theater-Intendant Christoph Dittrich sowie der Strategie-Chef der Werbeagentur Zebra, Ralf Sippel. Außerdem stehen den Teilnehmern zwei beratende Experten zur Verfügung - die Chemnitzer Koordinatorin für kirchliche Flüchtlingsarbeit, Britta Mahlendorff, sowie der langjährige Polizeipräsident von Chemnitz, Uwe Reißmann.

Die "Freie Presse" wird den Verlauf und die Ergebnisse der Workshops ausführlich dokumentieren und veröffentlichen. "Wir hoffen, dass sich daraus eine Debatte über die Zukunft der Stadt verstetigt - Gespräche, die in den letzten Jahren ganz offenbar zu kurz gekommen sind", sagt "Freie Presse"-Chefredakteur Torsten Kleditzsch. Die Zeitung wolle dazu ihren Beitrag leisten und plane, bei entsprechender Resonanz das Format auch zu anderen Fragen der Stadtentwicklung fortzusetzen.

Kleditzsch weiter: "Das Workshop-Format, bei dem die Bürger nicht nur ihren Unmut irgendwo abladen können, sondern eingeladen sind, miteinander über mögliche konkrete Lösungsansätze in der Stadt zu diskutieren, ist natürlich auch für uns ein großes Experiment." Man wolle dieses Experiment aber wagen und "unsere reine Beobachterrolle ein Stück weit verlassen, weil wir glauben, dass die Stadt bislang noch keine Plattform gefunden hat, auf der das Gespräch wieder gelingen kann." Bei "Chemnitz diskutiert" soll nicht über das Große und Ganze gestritten werden, weil da im Moment ohnehin keine Verständigung möglich erscheint, sondern über ganz praktische Schritte in der Stadt. "Sicherheit ist ein komplexes Thema. Und so wollen wir es auch in Angriff nehmen", sagt Kleditzsch. (fp)

Ausdrucken, ausfüllen, abschicken: Hier können Sie den Anmeldecoupon abrufen

2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 11
    1
    Hankman
    22.09.2018

    Ausgezeichnete Idee! Ich denke, so ein Format kann die Diskussion versachlichen und konkreter machen. Und dass möglichst ein breites Spektrum von Bürgern vertreten sein soll, ist richtig und wichtig. Wenn nur Leute miteinander diskutieren, die sich ohnehin einig sind, kommt man einander nicht näher, und es kommt auch meist nicht viel Neues raus. Es ist klar, dass Diskutieren allein nicht die große Wende bringt. Aber es ist ein guter Anfang. Möge das Experiment gelingen!

  • 11
    0
    Hirtensang
    22.09.2018

    Bei der gebotenen Neutralität meiner Tageszeitung, möchten sich die Mitarbeiter der "Freien Presse" als Brückenbauer, Moderatoren und zur Information der Leserschaft einbringen. Gückwunsch!



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