Chemnitzer tanzt in Hamburger Bars

Vom Seniorenzentrum auf die Reeperbahn, vom Shakespeare-Mekka ins Theater, vom Vereinssessel in die Staatskanzlei.

Sebastian Thieswald, Geschäftsführer der Aspida-Lebenszentren, war mal wieder in der Hamburger Szene unterwegs. Das macht der eingefleischte Fan von Udo Lindenberg öfter mal, allein um den Kontakt zum Kreis des Panikrockers zu halten. So auch diesmal. Nachträglich zum 70. Geburtstag des Musikers brachte Thieswald ihm ein selbst kreiertes Fotobuch rund um seine Erlebnisse mit Lindenberg ins Hotel Atlantic. Dort residiert der Rocker seit Jahren. "Ein Foto habe ich mit ihm nun nicht noch einmal gemacht", sagte Thieswald nach seiner Rückkehr nach Chemnitz. "Wir sind uns schon bei so vielen Musikertreffen und Konzertreisen begegnet, da wäre es albern, ihn um ein Fan-Foto anzuhauen." Dafür posierte Thieswald mit einem anderen Promi aus der Hansestadt: Mit Olivia Jones, der berühmten Travestiekünstlerin. "Wir haben bei einer abendlichen Tour mit Freunden auch in ihrer Bar haltgemacht", so Thieswald. Tatsächlich kennt er auch die Drag-Queen ganz gut, sogar ohne Schminke. Hinter dem Kostüm steckt ein Mann namens Oliver Knöbel. "Ja, ich habe ihn auch schon ohne Maskerade gesehen", verrät Sebastian Thieswald. "Das war während einer Kreuzfahrt, die Udo Lindenberg regelmäßig für treue Fans organisiert." Ein Foto vom Herrn hinter der Dame schoss er allerdings nicht. "Das gehört sich auch nicht. Das ist zu privat", sagte Thieswald am Freitag. Inzwischen widmet sich der Chemnitzer wieder seinen beruflichen Angelegenheiten. Erst vor wenigen Wochen eröffnete der langjährige Leiter des Seniorenzentrums Sen-Vital seine eigene Pflegeeinrichtung im thüringischen Thalbürgel.

Christoph Dittrich, Generalintendant der Chemnitzer Theater, begrüßte vor einigen Tagen einen besonderen Gast. Cordula Kempe kam zu Kaffee und Eierschecke in sein Theaterbüro. Sie ist die Witwe von Rudolf Kempe, einem der größten Dirigenten der Nachkriegsgeschichte. Er führte den Taktstock am Leipziger Gewandhausorchester, war Dresdner Generalmusikdirektor, Chef der Bayerischen Staatsoper in München. In den 1960er-Jahren ging es karrieretechnisch noch weiter treppauf. Da leitete er das Royal Philharmonic Orchestra in London und anschließend das Tonhalle-Orchester im schweizerischen Zürich. Bevor er allerdings so gefragt war, hatte Kempe noch 1945 seine allererste Berufung zum Generalmusikdirektor im Chemnitzer Marmorpalast. Er schaffte selbst noch Trümmer beiseite, um fünf Wochen nach Kriegsende im damaligen Realgymnasium - heute büffeln dort die Agricola-Gymnasiasten- den "Rigoletto" zu spielen. "Ihr Mann war ein ganz großer Chemnitzer", sagte Christoph Dittrich, als er jetzt auf Kempes Witwe traf. Sie kam extra aus Shakespeares Geburtsort Stratford-upon-Avon angereist, wo sie seit dem Tod ihres Mannes lebt. Von dort aus pflegt sie das Erbe des 1976 verstorbenen Musikers. Durch eine Freundschaft mit Schumann-Philharmonie-Geigerin Sandra Zehme kehrte sie nun an die ehemalige Wirkungsstätte ihres Mannes zurück. "Jetzt überlegen wir gemeinsam, wie wir das Andenken an Rudolf Kempe auch dem Chemnitzer Publikum vermitteln können", sagte Dittrich. "Wir denken da zunächst an eine Ausstellung im Opernhaus." Doch genau da braucht der Generalmusikdirektor Unterstützung. "Es ist nämlich so, dass aus seiner Chemnitzer Zeit kaum Material erhalten ist", meinte Cordula Kempe bei ihrem Besuch in der Stadt. Dittrich richtet sich nun ans Theaterpublikum: "Vielleicht gibt es ja noch Orchesterfreunde, die einige Zeitzeugnisse besitzen. Wir nehmen Erinnerungen mit Kusshand an."

Mario Lippold, Vorsitzender des Vereins zur Hilfestellung für Dialysepatienten und Transplantierte, wurde in der vergangenen Woche im Dresdner Schloss Albrechtsberg mit der Annen-Medaille ausgezeichnet. In Erinnerung an die Kürfürstin Anna verleiht das sächsische Staatsministerium jedes Jahr einen Orden an bis zu 20 Menschen, die sich ehrenamtlich in der Sozial- oder Familienarbeit engagieren. Lippold gründete den Hilfsverein für Dialysepatienten vor 25 Jahren mit. 1982 erhielt er selbst die schockierende Nachricht, an einer Nierenerkrankung zu leiden, die ihn lebenslang zum Blutreinigungsverfahren zwingen würde. "Damals gab man mir die Prognose einer noch zwei Jahre währenden Lebenserwartung", erinnert sich Mario Lippold heute. "Ich war jung und habe das gar nicht so ernst genommen." Die inzwischen fortgeschrittene Medizinentwicklung gab ihm letztlich recht, an die Zukunft zu glauben. Im Rahmen seiner Vereinsarbeit organisiert Lippold heute vor allem Fortbildungen, informiert auf Messen und in Schulen über Nierenerkrankungen und deren Behandlungsmöglichkeiten. Die Annen-Medaille überreichte ihm Staatsministerin Barbara Klepsch.

Roswitha Kühnel (Foto), langjährige Vorstandsvorsitzende der Wohnungsgenossenschaft "Einheit", ist in den Ruhestand getreten. Fast 40Jahre lang arbeitete sie in der Wohnungswirtschaft, 32 Jahre davon verbrachte sie bei der "Einheit". Sie sei die geborene Genossenschaftlerin, lobte ihr Vorstand sie bei der Verabschiedung. Den Posten des kaufmännischen Vorstandes besetzt jetzt der 33-jährige Daniel Kempe. Er ist seit 1998 in der Wohnungsgenossenschaft "Einheit" beschäftigt und hat hier seine Ausbildung als Kaufmann der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft absolviert.

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