Der Rote Ritter erobert den Küchwald

Zum Start der Freilichtbühnen-Saison lässt das Theater einen 800 Jahre alten Helden aufleben. Sein Nachfolger für 2018 steht auch schon fest.

Nun also Parzival. Wenn am Samstag, 10. Juni, die Theatersaison auf der Freilichtbühne im Küchwald beginnt, dann soll nach Pippi Langstrumpf, Robin Hood und Zorro nun schon die vierte Heldenfigur die Herzen des Publikums erobern. Der Rote Ritter, wie die vom Dichter Wolfram von Eschenbach irgendwann zwischen 1200 und 1210 erdachte Figur auch heißt, passt nach Ansicht der Verantwortlichen perfekt in diese Riege hinein. "Man kann schon sagen, dass wir mit unseren Helden inzwischen eine kleine Tradition aufgebaut haben", sagt Dramaturgin Friederike Spindler. Allerdings handele es sich in diesem Fall nicht um den typischen Rächer für Arme und Enterbte wie in den vergangenen beiden Jahren, sondern um eine subtilere Figur. "Wir wollen mit dem Stück zeigen, dass zu den ritterlichen Tugenden nicht nur Mut und Kraft gehören, sondern auch ganz viel Herz", so Spindler.

Inhaltlich dreht sich die Geschichte um den jungen Parzival, der auserwählt ist, den sagenumwobenen Heiligen Gral zu finden. Doch dazu muss er als Ritter in die legendäre Tafelrunde aufgenommen werden, was ihm - im tiefen Wald und allein mit seiner Mutter aufgewachsen - äußerst schwer fällt. Denn von den Idealen der Ritterlichkeit weiß Parzival ebenso wenig wie von den strengen Sitten und Riten am Hof. Nachdem er zahlreiche Abenteuer überstanden hat, erreicht er am Ende sein Ziel. Doch der Heilige Gral entpuppt sich als etwas anderes als erwartet, nämlich als Lektion in Sachen Freundschaft und Mitmenschlichkeit. "Das ist unsere Quintessenz", so Spindler.


Das aus elf Schauspielern sowie mehreren Mitgliedern des Bewegungschors des Chemnitzer Theaters bestehende Ensemble bereitet sich seit fünf Wochen auf die Premiere vor, gestern war zum ersten Mal Probe auf der Freilichtbühne. Rot- und Blautöne dominieren die von Agathe McQueen und Lisa Schoppmann entworfenen Kostüme, dazwischen glänzen die silbernen Rüstungen der Ritter um König Artus. Nicht alles an der Inszenierung von Tilo Krügel passt hingegen in die Vorstellung von der mittelalterlichen Welt. So sind die Küchwald-Ritter beispielsweise auf BMX-Fahrrädern statt auf noblen Pferden unterwegs.

Im kommenden Jahr will das Theater-Ensemble erneut einen Helden in den Mittelpunkt ihrer Aufführungen auf der Küchwaldbühne stellen. Dieser ist allerdings erstmals eher von regionaler Prominenz. Konkret handelt es sich um Karl Stülpner.

Um den "Robin Hood des Erzgebirges", wie Stülpner, der im 18. und 19. Jahrhundert lebte, auch genannt wird, ranken sich zahlreiche Legenden, um die sich auch das Stück drehen soll. Laut Spindler werde "natürlich auch die Burg Scharfenstein" eine Rolle spielen. Diese soll Stülpner im Oktober 1795 im Alleingang belagert haben.

Die Premiere des Stücks "Der Rote Ritter" findet am Samstag, 10. Juni, um 17 Uhr auf der Küchwaldbühne statt. Der Eintritt kostet 14 Euro, für Kinder sieben Euro. Die nächste Vorstellung ist für Sonntag, 11. Juni, um 17 Uhr geplant. Weitere Termine stehen unter www.theater-chemnitz.de

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