Diabetes-Hilfe per Handy: Chemnitzer Firma plant Test

Ein Unternehmen will 1000 Patienten medizinisch überwachen und beraten. Ziel ist, Hausärzte zu entlasten - und ihnen doch das letzte Wort zu überlassen.

Eine besonders hohe Anzahl an Diabetes-Patienten und gleichzeitig eine besonders geringe Dichte an entsprechenden Fachärzten: Das ist die aktuelle Situation in Sachsen, sagt Dr. Jens-Uwe Erk, Chefarzt für Innere Medizin an der Diakonissen-Anstalt Dresden. Gemeinsam mit der Chemnitzer Firma Jumedi arbeitet der Mediziner deshalb an einem Projekt, das seine Berufskollegen entlasten soll.

Über sein Netzwerk sucht Erk zurzeit rund 1000 interessierte sächsische Patienten, vor allem in ländlichen Regionen wie dem Erzgebirge, dem Vogtland und der Oberlausitz. Die Teilnehmer sollen Geräte gestellt bekommen, mit denen sie ihren Blutdruck, Blutzuckerspiegel, das Gewicht und die gelaufenen Schritte messen können. Die Daten werden kabellos an ein Smartphone übertragen und von dort an die Zentrale in Chemnitz geschickt. Wer kein modernes Handy hat, bekommt für den Testzeitraum eines gestellt. Falls die Patienten Sorgen, Nöte oder Fragen haben, können sie sich per Chat oder Anruf 24 Stunden am Tag bei einem Ansprechpartner im Chemnitzer Callcenter melden.

Ungefähr einmal pro Monat werden die Patienten zudem von einem der Mitarbeiter, die alle eine medizinische Aus- oder Weiterbildung haben, angerufen. Dabei soll besprochen werden, wie die Behandlung verläuft und was getan werden kann, um die Behandlungsziele zu erreichen. Welche das sind, legt der Hausarzt fest - der zudem vierteljährlich sämtliche erfasste Daten zugesendet bekommt. Falls die Werte bedrohlich sind, wird der Hausarzt unverzüglich informiert.

Am Freitag besuchte Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU) die Firma in Bernsdorf, um sich über das Vorhaben zu informieren. Jumedi hat beim Ministerium einen Förderantrag über die Gesamtkosten in Höhe von rund drei Millionen Euro gestellt. Wird dieser bewilligt, kann das Projekt Anfang 2019 für zwei Jahre starten. Läuft es erfolgreich, wird eine Verlängerung auf fünf Jahre angestrebt. "Das System wird den Arzt nicht ersetzen", stellte Klepsch bei ihrem Besuch fest. Aber es könne für deutliche Entlastung sorgen. Ob Jumedi die Fördergelder erhält, dazu ließ sich Klepsch am Freitag nicht ein. Eine Entscheidung soll spätestens im Oktober fallen.

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