Die Rolle der Medien bei den Demos in Chemnitz

Wissenschaftler spricht über Filterblasen in Online-Netzwerken

Wie gelang es rechten Gruppierungen, nach dem Tötungsdelikt am Rande des Stadtfestes im vergangenen August bei Demonstrationen mehrere Tausend Personen zu mobilisieren? Das war eine der Fragen, die Daniel Corlett am Sonntagnachmittag im Schauspielhaus zu beantworten versuchte. "Rechte Botschaften sind leicht verständlich und knüpfen an Stereotype an", erklärte der Kommunikationswissenschaftler von der TU Chemnitz während seines Vortrags zum Thema "Medien, Lügenpresse, Filterblasen". Auch andere Aspekte führen nach seiner Ansicht dazu, dass Äußerungen aus dem rechten Lager in Teilen der Bevölkerung verfangen: Die Botschaften sprächen emotionale Bedürfnisse an - wie die Wiedererlangung der Kontrolle in Zeiten vermeintlicher Unsicherheit. Sie stärkten zudem das Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb der Gruppe und die Abgrenzung gegenüber anderen.

Corlett promoviert derzeit zur Frage, ob die als sozial betitelten Medien wie Facebook in Wirklichkeit asozial sind, da sie eine Gefahr für die pluralistische Demokratie darstellen. Seiner Meinung nach stellen Online-Netzwerke ein ideale Plattform für politische Bewegungen dar: Viele Personen könnten schnell und ungefiltert erreicht werden, Kommunikation innerhalb von Gruppen sei einfach zu organisieren. Gerade an den radikalen Rändern könnten aber sogenannte Filterblasen entstehen: Man schenke nur noch Informationen von Gleichgesinnten Vertrauen und weise alles, was der eigenen Meinung widerspricht, als unglaubwürdig zurück - auch Berichte der etablierten Medien. Durch Algorithmen, durch die den Nutzern vorhergesagt werden soll, wofür sie sich interessieren könnten, werde diese Entwicklung noch verstärkt, erläuterte Corlett.

Während der anschließenden Diskussion fragte eine Zuhörerin, warum es die rechten Gruppierungen nicht gestört habe, dass DanielH. Deutschkubaner war. Corlett antwortete, man habe die Persönlichkeit des Getöteten ignoriert und ihn als "einen von uns" betrachtet.

Die Anzahl der Besucher im Schauspielhaus - knapp 100 Personen waren gekommen - machte jedenfalls deutlich, dass das Interesse an Zusammenhängen und Hintergründen nach den Ereignissen im August und September noch immer groß ist.

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2Kommentare
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  • 3
    1
    Distelblüte
    11.02.2019

    Ein interessanter Vortrag. Es ist enorm wichtig zu verstehen, wie Werbung funktioniert (ob für Autos, Waschmittel oder Parteien). Das Ansprechen emotionaler Faktoren mag bei Autowerbung noch witzig und unterhaltsam sein, doch auch Parteien machen zielgruppenorientierte Werbung. Und dort ist die unterschwellige Manipulation nicht mehr lustig.

    @fp112: Was ist so schlimm daran, dass Inhalte der Freien Presse auch über diverse Online-Netzwerke abrufbar sind? So erreichen sie Menschen, die eher selten ein Printmedium nutzen.

  • 3
    3
    fp112
    11.02.2019

    Und was sehe ich unter der Seite meiner Online -Ausgabe der Freien Presse?
    Einen bunten Balken mit direkten Links zu Twitter , Facebook und WhatsApp!

    Das hatte ich aber doch gar nicht aboniert.
    Ich wollte eine Zeitung..
    Ohne Worte...



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