Diese Chemnitzer ziehen in den Landtag

Neben den drei Direktkandidaten ziehen sechs weitere Frauen und Männer aus der Stadt in das sächsische Parlament ein. Bei einer Bewerberin war es besonders knapp.

Während zur Kommunalwahl Ende Mai einige wenige Stadtteile mehrheitlich noch Linke oder Grüne gewählt haben, ist die Chemnitzer Landkarte nach der Landtagswahl ausschließlich schwarz-blau gefärbt. In 13 von 39 Quartieren erhielt die AfD die meisten Stimmen und ließ die CDU hinter sich. Vor allem im Süden mit dem früheren Heckert-Gebiet sowie im Zentrum und in innenstadtnahen Stadtteilen konnte die Alternative für Deutschland punkten. Die ländlich geprägten Ortsteile haben traditionell CDU gewählt - bis auf Einsiedel. In dem Ort, in dem monatelang gegen eine inzwischen geschlossene Flüchtlingsunterkunft protestiert worden war, war ebenfalls die AfD erfolgreich. Eine weitere Ausnahme bildet Klaffenbach. Dort ergeben die Ergebnisse kein einheitliches Bild. Zwar hat AfD-Mann Steffen Wegert mehr Stimmen als CDU-Konkurrentin Ines Saborowski erhalten. Bei den Zweitstimmen, mit denen die Partei und keine Person gewählt wird, liegt aber die Union vorn.

Der deutlichste Kurswechsel ist in den Stadtteilen Zentrum, Lutherviertel und Yorckgebiet auszumachen. Während dort zur Kommunalwahl die Linke die meisten Stimmen holte, war am Sonntag die AfD erfolgreich. Umorientiert haben sich auch die bevölkerungsreichsten Quartiere: Die Mehrheit in Schloßchemnitz und am Kaßberg wechselte von den Grünen zur CDU. Womöglich folgten die Wähler in diesen Stadtteilen den Prognosen, wonach sich die Landeswahl zwischen AfD und CDU entscheiden wurde - und stimmten taktisch ab.

Volkmar Zschocke, bis 2018 Fraktionsvorsitzender der Grünen im Sächsischen Landtag, zum Beispiel geht davon aus, dass gerade in seinem Wahlkreis mit den Konkurrenten Peter Patt (CDU) und Nico Köhler (AfD) viele Wähler strategisch und somit CDU gewählt haben, um AfD zu verhindern, wie Zschocke sagt. Dem stimmt Patt, der mit 33,6 Prozent am deutlichsten der drei CDU-Kandidaten abschnitt, indirekt zu: "Ich bin mir bewusst, dass ich einen Auftrag von Wählern bekommen habe, die nicht nur der Union angehören." Aufgabe sei gewesen, "den blauen Funktionär zu verhindern", so Patt. Dies könne nur der stärkste Kandidat im Wahlkreis. Das bedeute nicht, dass er anderen Bewerbern aus dem bürgerlichen Lager schaden wollte, versichert er.

Auch Zschocke wird sein Landtagsmandat behalten. Er zieht über die Landesliste der Grünen ein - ebenso wie Kathleen Kuhfuß. Sie musste allerdings bis weit nach Mitternacht zittern. Mit Platz 11 ist die derzeitige Leiterin des Kinder- und Jugendnotdienstes die letzte Bewerberin auf der grünen Liste, die es in den Landtag geschafft hat. Ihren bisherigen Job will sie für die nächsten fünf Jahre ruhen lassen.

Überraschend knapp wurde es auch für Nico Brünler (Linke). Mit Platz 12 auf der Landesliste schien er nach den Prognosen vor der Wahl den Einzug sicher zu schaffen. Er hatte, wie wohl viele Genossen, nicht mit dem Absturz der Linken auf gut zehn Prozent gerechnet. "Alle Umfragen sagten uns bessere Ergebnisse voraus." Er habe zwar geahnt, dass die Partei nicht überragend abschneiden werde. "Aber nicht, dass es so schlecht wird." Laut Analysen seien viele Wähler zur CDU abgewandert, um eine AfD-Regierung zu verhindern. Auch das Plädoyer von SPD-Chef Martin Dulig für eine Kenia-Koalition habe der Linken geschadet.

Wenig überraschend ist hingegen der Wiedereinzug von Susanne Schaper (Linke) sowie Hanka Kliese (SPD). Für beide Chemnitzerinnen blieb mit Listenplatz 2 bzw. 4 eine Zitterpartie aus. Erstmals zieht mit Volker Dringenberg auch ein Chemnitzer AfD-Vertreter über die Liste in den Landtag ein. Der Rechtsanwalt hatte nach Auszählung der ersten Wahlbezirke sogar Aussicht auf das Direktmandat, wurde dann aber mit mehr als drei Prozentpunkten noch von CDU-Mann Alexander Dierks abgefangen. Von seinem Abgeordnetenmandat will sich Dringenberg dennoch nicht abhängig machen, wie er sagt, und einige Fälle in seiner Kanzlei weiterhin bearbeiten.

Zur Wahlpräsentation: Alle Daten aus den Gemeinden und Wahlkreisen

Bildstrecke: Das sind die Mitglieder des neuen Landtags

 


Hochburgen am Stadtrand

Wenig überraschend holte die CDU in Kleinolbersdorf-Altenhain ihr bestes Ergebnis: Die Partei gewann dort über 42 Prozent der Zweitstimmen.

In allen Stadtteilen hat die CDU Stimmenanteile verloren - bis auf Kapellenberg. Dort votierten 32,5 Prozent der Wähler für die Christdemokraten; 2014 waren es 30,6 Prozent.

Die AfD hat ihre Hochburg im Süden: In Einsiedel gingen 37,3 Prozent der Stimmen an die Partei. Am schlechtesten schnitt die AfD im Stadtteil Kaßberg ab - 16,2 Prozent.

Das knappste Ergebnis gab es im Lutherviertel: 26,2 Prozent der Stimmen entfielen auf Alexander Dierks (CDU), 26,6 auf Volker Dringenberg (AfD). Der Unterschied in absoluten Zahlen: ganze sieben Stimmen. (su)

Bewertung des Artikels: Ø 4.7 Sterne bei 3 Bewertungen
2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    2
    Interessierte
    26.09.2019

    Wenn man heute auf dem richtigen Trip ist und die gewünschte Linie einbringt , kann man viel werden und groß ´raus kommen , da wird man sogar noch ausgezeichnet ; das war aber glaube ich - schon immer so ...

  • 0
    3
    Interessierte
    26.09.2019

    Wenn man es bis hier geschafft hat , hat man es wohl geschafft... ?



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