Eine Liebeserklärung in den schönsten Tönen

Mit dem 1. Klavierkonzert von Johannes Brahms und Robert Schumanns Sinfonie Nr. 4 hat die Philharmonie die neue Konzertsaison eröffnet. Auch der Solist begeisterte.

Als das Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 d-moll von Johannes Brahms 1858 uraufgeführt wurde, fiel es beim Publikum durch. Zu komplex, zu wenig Gelegenheiten für das Klavier zu glänzen, stattdessen herausgehobene Holzbläserpartien. Heute ist es ein Klassiker seiner Gattung, eine Liebeserklärung an das Orchester und in gewisser Weise auch eine Liebeserklärung des Komponisten an die 14 Jahre ältere Clara Schumann, der Brahms ebenso wie ihrem Mann Robert Schumann freundschaftlich bewundernd verbunden war.

Mit diesem Werk hatte sich die Chemnitzer Philharmonie einen musikalischen Koloss zur Eröffnung der Konzertsaison vorgenommen, und sie bewältigte ihn unter Leitung von Generalmusikdirektor Guillermo García Calvo hervorragend. Nicht zuletzt dank des ausgezeichneten Pianisten, Javier Perianes, einem Freund des Dirigenten aus Madrider Zeiten. Perianes erweist sich bei diesem Konzert besonders als ein Meister der leisen Töne, der nie über, sondern immer mit dem Orchester spielt. Mal folgt das Klavier dem Orchester, mal geht es einen winzigen Schritt voran. Immer ist es aufgehoben im mal hymnisch-schwelgerischen, mal zart-fragilen Klang der Philharmonie. Besonders im Adagio ist jeder einzelne Ton eine poetische Liebeserklärung. Das Publikum applaudierte begeistert und verlangte dem Solisten sogar eine Zugabe ab.

Mit der Sinfonie Nr. 4 d-moll erwies die Robert-Schumann-Philharmonie danach ihrem Namenspatron alle Ehre. Das Chemnitzer Orchester spielte die Sinfonie in der ursprünglichen Fassung von 1841, die damals ebenfalls beim Publikum durchgefallen war. Unter anderem, weil Schumann keine Pausen zwischen den vier Sätzen ließ, sodass manche meinten, die Sinfonie bestünde nur aus einem einzigen langen Satz. Erst 1853 erschien die Sinfonie als seine 4. im Druck. Doch Robert Schumann war der Überzeugung: "Die erste Konzeption ist immer die natürlichste und beste. Der Verstand irrt, das Gefühl nicht."

Die Gefühle galten bei der Komposition seiner Frau Clara, und die Robert-Schumann-Philharmonie erschließt in ihrer Interpretation den ganzen Reichtum dieser Gefühle. Wie Kathedralen türmen sich die Töne in den Himmel, um gleich darauf sich wieder vollkommen zu erden. Zarte, verspielte Passagen folgen stolzen, kräftigen Klängen, manchmal scheint man den Glanz dieser besonderen Beziehung zwischen Clara und Robert Schumann aufblitzen zu sehen. Es ist eine geist- und gefühlvolle Huldigung, ohne Pathos, aber mit einem ungeheuren Reichtum an Empfindungen, die das Orchester zum Leuchten bringt.

Die Sinfonie ist damit auch eine Liebeserklärung der Robert-Schumann-Philharmonie an ihren Namenspatron in den höchsten Tönen. Sie brilliert als ein Ganzes. Es ist eine schöne Geste, als sich beim langen Applaus in der am Mittwochabend wieder sehr gut gefüllten Stadthalle Guillermo García Calvo mitten ins Orchester stellt und auch damit die kollektive Leistung betont.

Beim nächsten Sinfoniekonzert stehen am 23. und 24. Oktober Werke von Berlioz, Strawinsky und Sibelius auf dem Programm.

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