Eins will Kohlekraftwerk zur Müllverbrennungs-Anlage machen

Nach dem Ausstieg aus der Verfeuerung von Braunkohle soll ein Teil der Anlage am Dammweg neu genutzt werden.

Beim Chemnitzer Energieversorger Eins gibt es Pläne für den Bau einer Müllverbrennungsanlage. Wie Vorstand Roland Warner am Dienstag während eines Besuchs von Bundesfinanzminister und Vize-Kanzler Olaf Scholz (SPD) in dem Unternehmen sagte, soll die Anlage in einem der zur Stilllegung vorgesehenen Blöcke des Heizkraftwerkes in Furth entstehen. Eine Machbarkeitsstudie sei bereits erstellt, die Realisierbarkeit des Vorhabens nachgewiesen.

Laut Eins sollen in dem sogenannten Ersatzbrennstoff-Kraftwerk bis zu 120.000 Tonnen Müll pro Jahr verbrannt werden können. Die dabei freigesetzte Energie soll zur Erzeugung von Fernwärme und Strom genutzt werden. Vor einer Umsetzung des Vorhabens sei allerdings eine politische Entscheidung notwendig, Restmüll aus der Region künftig in Chemnitz verarbeiten zu lassen. "Darum würden wir uns bewerben", so Warner. Bislang wird der Müll hier nur aufbereitet und zur Verbrennung nach Jänschwalde (Lausitz) gefahren.


Der Bau einer Müllverbrennungsanlage in Chemnitz war zuletzt vor zwei Jahren diskutiert worden. Das damals am Rande des Zeisigwaldes, zwischen Weißem Weg und Dresdner Straße, vorgesehene Projekt fand im Stadtrat keine Mehrheit. Zu groß war die Furcht vor Geruchs- und Lärmbelästigungen; die Zeit zur Beratung des Vorhabens wurde ferner als zu kurz bemessen kritisiert. Zudem hatte eine Bürgerinitiative etwa 6300 Unterschriften gegen das Vorhaben gesammelt.

Ob dem aktuellen Vorhaben von Eins ähnlicher Gegenwind droht, bleibt abzuwarten. Anders als am Zeisigwald würde es sich nicht um einen Neubau handeln, sondern um die Umnutzung einer bestehenden Anlage. Und das in einer Gegend, die seit jeher eher industriell geprägt ist. Derzeit ist Eins dabei, die Fernwärmeversorgung in Chemnitz auf den für 2029 geplanten vollständigen Ausstieg aus der Verfeuerung von Braunkohle vorzubereiten. Dazu entsteht bis 2022 auf dem Gelände des früheren Heizkraftwerks 1 an der Blankenburgstraße ein sogenanntes Motorenheizkraftwerk, das mit Erd-, Bio- oder synthetischem Gas betrieben werden kann. Eine ähnliche Anlage baut Eins am Südring in Altchemnitz. In Schönau an der A72 ist ein Heizkraftwerk geplant, das mit Holzabfällen betrieben werden soll.

Einen Bericht über ein Forum mit Vize-Kanzler Scholz und Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (beide SPD) Dienstagabend im Luxor lesen Sie in der Ausgabe vom Donnerstag.

Bewertung des Artikels: Ø 3.7 Sterne bei 9 Bewertungen
12Kommentare
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  • 11
    1
    Hankman
    07.08.2019

    @fnor: Mit der Recyclingquote haben Sie völlig recht. Denn ein ganzer Teil der Verpackungsabfälle, die wir so mühevoll vom Restmüll trennen, wandert - mit diesem wieder vereint - in die Verbrennung. Ob wir in Deutschland zu viele Anlagen haben, kann ich nicht beurteilen. Mir ist in Sachsen nur eine bekannt, dann noch eine in Sachsen-Anhalt. Im Westen sind es traditionell sicher mehr.

  • 12
    3
    tfr
    07.08.2019

    @MuellerF: Das ist richtig, am Ende wird in beiden Anlagen Hausmüll genutzt. Die dazu genutzten Technologien unterscheiden sich aber grundlegend, genau so wie der Brennstoff und die Wirkungsgrade. Wenn man eine solche Diskussion führt, sollte man das bitte exakt und mit dem notwendigen Wissen tun, sonst läuft man Gefahr das Ideen beerdigt werden die eigentlich gut sind. Deshalb, liebe Freie Presse, bitte schreibt nicht von einer Müllverbrennung, das ist falsch.
    Im übrigen könnte das Konzept eines EBS Kraftwerks durchaus eine Alternative zur Braunkohle sein. Dreckiger als jetzt wird es nicht.

  • 10
    3
    ChWtr
    07.08.2019

    Das ist genau der Punkt, Hankman - letzter Absatz.

    Und kann @Zeitungss nur beipflichten.
    Leider befassen sich die Gegner nicht mit solchen "profanen Dingen" - selbst wenn es ihnen erklärt wird.
    Es passt immer recht gut, gegen etwas zu sein, egal was (...)

  • 11
    5
    fnor
    07.08.2019

    Dumm nur, dass es in Deutschland bereits zu viele Anlagen zur Müllverbrennung gibt. Schon jetzt wird massiv Müll aus den Nachbarländern nach Deutschland zur Verbrennung gekarrt. Ggf. sollte man mal die Recyclingquote erhöhen, statt ständig die sogenannte thermische Verwertung zu favorisieren.

  • 24
    3
    Hankman
    07.08.2019

    Ich finde die Idee interessant. Und @Zeitungss hat völlig recht: Die Technik hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich weiterentwickelt. Man kann solche Anlagen heute so betreiben, dass keine Schadstoffe durch den Schornstein rauchen. Hinzu kommt, dass es ja nicht mehr zulässig ist, einfach den eingesammelten Müll abzukippen und zu verbrennen. Der Müll wird erst einmal sortiert und verarbeitet, alle Wertstoffe werden für die Verwertung entfernt. Am Ende des Prozesses stehen, soweit ich weiß, getrocknete Pellets, mit denen man nichts anderes mehr anfangen kann, als sie zu verbrennen oder zu deponieren. Und deponiert werden darf am Weißen Weg nichts mehr. Also wird das Zeug auf Lkws verladen und in die Lausitz gekarrt. Erst einmal kostet der (wenig umweltfreundliche) Transport, und in Jänschwalde verlangt man auch noch hohe Gebühren für die Verbrennung. Es ist also im Interesse der Leute hier in der Region, wenn man vorurteilsfrei Alternativen prüft.

    Man sollte die Anlage allerdings so planen, dass sie sich allein mit dem in der Region anfallenden verarbeiteten Restmüll rentiert. Auf keinen Fall dürfte noch zusätzlicher Müll von weiter her herangekarrt werden. Die Deponie Cröbern bei Leipzig ist für mich ein mahnendes Beispiel: Dort wird z. B. giftiger Sondermüll aus Italien hingekarrt, weil sich die Deponie ansonsten angeblich nicht rentiert. Das ist doch irre.

  • 5
    8
    ChWtr
    07.08.2019

    Sorry an die roten Daumen: es fehlt natürlich das rote Einstecktuch beim Vize Scholz - damit Partnerlook ausgeschlossen. Is' ja gut.

    (würde gern einen Smiley vergeben)

  • 6
    11
    MuellerF
    07.08.2019

    @tfr: Es ging am Zeisigwald darum, Müll zu verbrennen- da ändert auch die Verbrämung als "Ersatzbrennstoffe" (EBS) nichts dran!

  • 33
    6
    Zeitungss
    07.08.2019

    Wer es noch immer nicht begriffen hat, eine solche angedachte Anlage ist wesentlich besser als der unkontrollierte Abbrand, wie regelmäßig z.B. in der Deponie Schneidenbach. Wer die Schadstoffe lieber direkt auf dem Brot haben möchte, sollte unbedingt gegen eine solche Nutzung sein. Es wäre nicht schlecht, die Gegner würden sich einmal mit der heute vorhanden Technik solcher Anlagen befassen, es würde zur Erleuchtung beitragen. Bei der Beschaffung des "Futters" für solche Anlagen ist der Bürger schließlich auch recht großzügig.

  • 15
    5
    tfr
    07.08.2019

    Im Zeisigwald ging es um ein EBS Kraftwerk, das ist etwas anderes als eine Müllverbrennungsanlage!

  • 6
    18
    MuellerF
    07.08.2019

    Eine neue Unterschriftenaktion gegen diese Pläne hätte sicherlich Erfolg, denn auch damals am Zeisigwald ging es im Kern nicht darum, ob etwas neu gebaut wird oder nicht, sondern um die Müllverbrennung an sich!

  • 9
    9
    ChWtr
    07.08.2019

    Tolles Bild. Überschrift: "Die drei interessierten Sozis". Alle mit hellem Hemd / Bluse und teils offenem Jacket.

    Partnerlook OB & FM.

    Klasse! Weiter so und Ärmel hochkrempeln.

  • 7
    28
    Tauchsieder
    07.08.2019

    Dann doch lieber Kohle !



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