Erster Schritt zu Fernwärme ohne Braunkohle

Neue Kessel im Heizwerk Altchemnitz in Betrieb - Künftig auch Stromerzeugung an mehreren Standorten

Der Versorger Eins hat in seinem Altchemnitzer Heizwerk drei neue Kessel in Betrieb genommen. Die Investition stellt nur einen Bruchteil der Vorhaben des Unternehmens zum Ausstieg aus der Verwendung von Braunkohle dar. "Freie Presse" beantwortet wichtige Fragen dazu.

Warum wurden im Heizwerk Altchemnitz neue Kessel installiert?


Bei dem Standort handelt es sich um ein sogenanntes Spitzenheizwerk. Das heißt, die Kessel werden nur in Betrieb genommen, wenn die im Heizkraftwerk Nord im Stadtteil Furth produzierte Fernwärme nicht ausreicht. Dazu kann es kommen, wenn es extrem kalt ist oder, wie zurzeit, wenn Kraftwerksblöcke in Furth wegen Revisionsarbeiten abgeschaltet sind. Die 1976 errichteten Heißwassererzeuger in Altchemnitz waren störanfällig geworden, sodass eine stabile Versorgung gefährdet war. Deswegen mussten sie ersetzt werden. Von den drei bisherigen Heißwassererzeugern soll nur einer als Reserve für Notfälle erhalten bleiben. Einer wurde bereits abgerissen, ein zweiter ist stillgelegt.

Womit werden die neuen Kessel befeuert?

Die drei, von einem niederländischen Tochterunternehmen der hessischen Firma Viessmann gebauten Heizkessel werden ebenso wie die bisherigen mit Erdgas befeuert. Jeder davon ist neun Meter lang, hat fünf Meter Durchmesser, wiegt mit Wasser gefüllt rund 80 Tonnen und erreicht eine Leistung von 33,3 Megawatt.

Welche Vorteile haben die neuen Kessel gegenüber den alten?

Mit den neuen, hochmodernen Kesseln kann Eins jetzt etwa ein Viertel des Chemnitzer Fernwärmebedarfs störungsfrei decken. Im Unterschied zum alten Spitzenheizwerk können die Kessel von der Zentralen Kraftwerkswarte am Dammweg aus bedient werden. In Altchemnitz werden nur noch regelmäßig Kontrollen stattfinden. Die Erneuerung der Kessel, in die der Versorger seit dem Jahr 2016 etwa zehn Millionen Euro investiert hat, ist für Eins ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Erreichen des selbst gesteckten Ziels, bis zum Jahr 2029 komplett aus der Verwendung von Braunkohle auszusteigen.

Was haben die weiterhin erdgasbefeuerten Heizkessel mit dem Braunkohleausstieg zu tun?

Eins plant, Fernwärme und auch Strom künftig nicht mehr nur im Heizkraftwerk Nord, sondern dezentral an mehreren Standorten in der Stadt zu produzieren. Dabei soll dem Standort in Altchemnitz eine größere Bedeutung zukommen als bisher. Neben den drei neuen Heizkesseln, die auch weiterhin als Spitzenheizwerk zur Verfügung stehen sollen, soll dort ab dem Frühjahr 2020 ein zusätzliches Heizkraftwerk aufgebaut werden, in dem fünf große, mit Erdgas, Biogas oder synthetischem Gas angetriebene Motoren Strom und Fernwärme erzeugen. Dieses neue Heizkraftwerk mit dem Spitzenheizwerk Altchemnitz ist laut Eins unverzichtbar für den Braunkohleausstieg.

Wo sollen in Chemnitz künftig außerdem noch Fernwärme und Strom produziert werden?

Bis Ende 2022 will Eins auch an der Blankenburgstraße in Furth ein Motorenheizkraftwerk mit acht großen Gasmotoren errichten, das die beiden derzeit noch mit Braunkohle befeuerten Blöcke des Heizkraftwerkes am Dammweg ersetzt. Diese sollen 2023 und 2028 abgeschaltet werden. Darüber hinaus plant der Versorger ein neues Heizkraftwerk, das mit Holz befeuert wird, in Siegmar. Es soll von Juli 2021 bis März 2023 in einem Gewerbegebiet an der Autobahn 72 errichtet werden. Insgesamt will Eins bis Ende 2023 etwa 200 Millionen Euro und bis 2029 noch einmal dieselbe Summe in den Braunkohleausstieg investieren.

Was verspricht sich der Versorger von mehreren Heizkraftwerken?

Durch die Umstellung von Braunkohle auf gas- und holzbefeuerte Heizkraftwerke will Eins den CO2-Ausstoß um 60 Prozent senken - das entspreche 600.000 Tonnen, dem Ausstoß von 260.000 Pkw pro Jahr. Mehrere Heizkraftwerksstandorte sollen es ermöglichen, den Fernwärmebedarf flexibel sowie langfristig wirtschaftlich und damit kostengünstig zu decken. So könnten das Fernwärmenetz um die sogenannte Trasse C vom Heizkraftwerk Nord nach Siegmar verkleinert und dank der kürzeren Trassen die Vorlauftemperatur gesenkt werden.

Bewertung des Artikels: Ø 4.5 Sterne bei 4 Bewertungen
1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    0
    Pedroleum
    16.07.2019

    Interessant fände ich noch, wie hoch der Anteil der erneuerbaren Energien bis zum Kohleausstieg 2029 sein soll.



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