Europäische Kulturstadt 2025: Chemnitzer Ernennung vertagt

Kulturminister beraten über Transparenz und vertagen Beschluss

Berlin.

Die Kulturminister der Länder haben die Entscheidung für Chemnitz als Europäische Kulturhauptstadt zunächst nicht bestätigt. Erst Anfang des kommenden Jahres soll ein entsprechender Beschluss gefasst werden, teilte die Runde am Mittwochabend mit. Zuvor soll ein Gesprächsangebot der Jury über das in die Kritik geratene Vergabeverfahren angenommen werden.

Durch den Schritt wurden die Chancen für eine gewünschte einstimmige Entscheidung gewahrt. Bei einem sofortigen Votum für Chemnitz soll Bayern, derzeit Vorsitz in der Kulturministerrunde, eine Enthaltung angekündigt haben. Nürnberg war neben anderen Städten mit dem Votum der Jury für Chemnitz leer ausgegangen.

Die Kulturministerkonferenz stehe zu Chemnitz, hieß es in der Mitteilung. "Die Kulturministerkonferenz nimmt in Aussicht, Anfang Januar 2021 die Stadt Chemnitz auf Basis der im Auswahlbericht der Jury enthaltenen Empfehlung zur Kulturhauptstadt Europas für das Jahr 2025 zu ernennen." Gleichzeitig werde das Angebot der Vorsitzenden der Europäischen Jury, Sylvia Amann, angenommen, auch über die Medienberichte zu sprechen. Darin war von möglichen personellen Verstrickungen im Vergabekarussell berichtet worden. Das Gespräch soll Anfang Januar 2021 stattfinden.

Chemnitz begrüßt den Beschluss der Kulturministerkonferenz, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt. "In der kommenden Sitzung wollen die Minister das Angebot der Jury nutzen, sich die Entscheidung und den korrekten Verlauf des Verfahrens noch einmal schildern zu lassen. Dies ist aus meiner Sicht eine gute Sache und räumt alle Zweifel aus dem Weg", sagte Ferenc Csák, Projektleiter der Chemnitzer Bewerbung.

"Alle Bewerberstädte haben ein transparentes Verfahren verdient", sagte Bayerns Kunstminister Bernd Sibler, derzeit Vorsitzender der Ministerrunde. "Die Vorwürfe sollten ausgeräumt sein, bevor die offizielle Ernennung erfolgt." Chemnitz hatte sich Ende Oktober gegen die auf der Shortlist noch vertretenen Städte Hannover, Hildesheim, Magdeburg und eben Nürnberg durchgesetzt. Die entsprechende Empfehlung für Chemnitz verkündete die europäische Auswahljury. Die Empfehlung der Jury muss von Bund und Ländern noch in eine formelle Ernennung umgewandelt werden. (dpa/kl)

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55 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    6
    Interessierte
    18.12.2020

    Das würde ich normalerweise auch so sehen , @lesemuffel , aber in diesem Falle ist mir das einfach zu wenig , was diese "Kultur" in dieser Stadt betrifft ....
    Aber es geht ja hier wohl vielleicht auch mehr um das kulturelle mit den Kulturen in der Stadt - nach diesen Naziauftritten in dieser Stadt ....

  • 6
    1
    macxs
    18.12.2020

    Das ist keine Frage von West oder Ost - mit Weimar gab es auch 1999 eine ostdeutsche Kulturhauptstadt.
    Und auch ich möchte, dass sich Chemnitz nicht den Makel des erschlichenen Sieges anlegen muss. Wenn sich die Anschuldigungen als haltlos erweisen, steht Chemnitz als astreiner Sieger und Nürnberg als schlechter Verlierer da. Das ist doch eine gute Perspektive. Ich glaube nicht, dass sich die Jury die Blöße gibt und von Unregelmäßigkeiten berichtet.

  • 7
    1
    neuhier
    18.12.2020

    Bayern streubt sich gegen die Chemnitz Entscheidung, weil Söder aus Nürnberg stammt, was ja gegen Chemnitz mit verloren hat. Niemals hätte es diese ganze Diskussion gegeben, wenn eine westdeutsche Stadt ausgewählt worden wäre.

  • 7
    1
    DS91
    18.12.2020

    Grade Bayern, welches mit der CSU so und so schon in der Bundesregierung bevorzugt und überrepräsentiert ist. Als seitens des Verkehrsministerium das Forschungszentrum für Mobilität direkt in München angesiedelt wurde - Ohne Ausschreibung gab es kaum ein Aufschrei!

    Hier wird mit zweierlei Maß gemessen!!

  • 15
    9
    Lesemuffel
    17.12.2020

    Klar, wenn eine Oststadt zur "Kulturhauptstadt" ernannt werden sollte, kann es doch nicht mit rechten Dingen zugegangen sein. Es wächst einfach nicht zusammen, was nicht zusammengehört.