Fall Chemnitz: Aufhebung des Haftbefehls beantragt

Dresden (dpa/sn) - Einen Tag nach der nächtlichen Tatortbesichtigung hat die Verteidigung im Prozess zum tödlichen Messerangriff von Chemnitz die Aufhebung des Haftbefehls für den Angeklagten gefordert. Anwältin Ricarda Lang begründete ihren Antrag bei der Verhandlung am Freitag in Dresden damit, dass ein dringender Tatverdacht für ihren Mandanten entfallen sei. Nach ihrer Auffassung habe der Vor-Ort-Termin ergeben, dass eine Verurteilung des Syrers auf der Grundlage der Aussage des Hauptbelastungszeugen nicht möglich sei.

In der Nacht zum Donnerstag hatte es eine Tatortbesichtigung in Chemnitz gegeben. Im Beisein des Angeklagten hatten sich die Prozessparteien einen Eindruck verschafft über die Sichtverhältnisse, wie sie am Tattag in der Innenstadt geherrscht haben könnten. Dabei ging es darum, die Aussagen des Zeugen besser einordnen zu können. Der Libanese hatte ausgesagt, aus einem Fenster des Döner-Ladens das Tatgeschehen beobachtet und den Angeklagten dabei erkannt zu haben.


Unweit des Döner-Imbisses war in den Morgenstunden des 26. August 2018 ein 35 Jahre alter Deutscher erstochen worden. Tatverdächtig sind der 23 Jahre alte Angeklagte sowie ein Iraker, der auf der Flucht ist und nach dem weltweit gefahndet wird. Nach der Tat war es in Chemnitz zu fremdenfeindlichen Übergriffen und rechten Demonstrationen gekommen.

Der Prozess des Landgerichts Chemnitz findet aus Sicherheitsgründen in einem Saal des Oberlandesgerichts Dresden statt. Der 15. Verhandlungstag ist für den 28. Juni angesetzt.

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4Kommentare
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  • 10
    4
    CPärchen
    14.06.2019

    @Petry: ich finde es unfair zu schreiben, dass es "die wenigsten" stört.
    Die Masse hat Vertrauen in die Justiz.
    Ich selbst möchte nicht der Entscheider für diesen Fall sein. Vor allem hätte unser "Ordnungsbürgermeister" die Kameras eher aufgestellt, dann wäre es vielleicht gar nicht zu dieser Tat gekommen und wenn doch: sie wäre leichter aufzuklären gewesen. Ja, diese Entscheidung ärgert mich immer noch.

  • 5
    5
    Julk1988
    14.06.2019

    @Thomboy
    Das die Verteidigung das beste für ihren jeweiligen Mandanten rausholen will? Ja das ist üblich in einem Rechtsstaat. Die Entscheidung über diese Forderung fällt wer anders genauso wie das rechtskräftige Urteil.
    Sollten Sie mal in der Situation sein das sie einen Anwalt benötigen, dann wird der sicher nicht für Sie die Höchststrafe verlangen, nur weil Sie hier schon immer leben und ebenso Ihre Vorfahren. (ich gehe mal davon aus das Sie kein zugezogener sind, weil Ihre anderen Kommentare unter diversen Themen darauf schließen lassen)

  • 12
    3
    WolfgangPetry
    14.06.2019

    Wenn ein Tatvorwurf nicht bewiesen werden kann, warum muss der Verdächtige dann weiter festgehalten werden? Sperrt man einfach irgendjemanden ein, der gerade in der Nähe war, um einen Sündenbock zu haben, würde das von der fehlenden Rechtsstaatlichkeit einmal abgesehen bedeuten, dass der wahre Täter mit großer Wahrscheinlichkeit noch frei herumläuft. Das scheint die wenigsten zu stören...

  • 9
    12
    14.06.2019

    Was zu erwarten war!



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