Gedächtnislauf: 2000 Kilometer bis nach Hartmannsdorf

In einer Fabrik waren Häftlinge aus ganz Europa interniert. Ein Gedenkstein erinnert daran. Der Initiator hat jetzt eine ungewöhnliche Aktion gestartet.

Burgstädt/Hartmannsdorf.

Der französische Schriftsteller Laurent Guillet ist seit Mitte Mai auf Wanderschaft. Der 48-Jährige verfolgt die Spuren seines Großonkels Joseph Santerre, der von 1940 bis 1945 sieben deutsche Kriegsgefangenenlager durchlaufen hat. Darüber informiert Eberhard Hoffmann aus Burgstädt, der in den Lagern bei Mühlberg/Elbe und im ehemaligen KZ Buchenwald inhaftiert war.

Guillet hat den gesamten Weg der Gefangenschaft seines Großonkels verfolgt und an allen Lagerstationen Gedenktafeln errichtet. "Sein Ziel ist es, an die Leiden zu erinnern, die ein Krieg verursacht und die Notwendigkeit wachzuhalten, sich für die Erhaltung des Friedens und die Freundschaft zwischen den Völkern einzusetzen", sagt Hoffmann. 2011 hatte Guillet ein Buch mit dem Titel "Er hieß Joseph" veröffentlicht, in dem er den Weg der Gefangenschaft nachzeichnet.

Schließlich hatte er die Idee, eine historische "Schnitzeljagd" über 2000 Kilometer Fußmarsch zu starten. Diese Wanderung hat er am 26. Mai am Geburtshaus von Joseph in Limerzel in der Bretagne gestartet. Sein Endziel ist am 16. August Most in Tschechien. Auf seiner Etappe von Mittweida nach Hartmannsdorf durchquert er am 7. August voraussichtlich zwischen 16 und 18 Uhr Burgstädt. "Es ist sein Wunsch, dass sich möglichst überall Bürger finden, die ein paar Schritte mitgehen, um sein Anliegen zu unterstützen", sagt Hoffmann. Er selbst werde ihn an der Stadtgrenze empfangen. "Wenn es nicht zu heiß ist und ich fit bin, werde ich mit ihm in Richtung Hartmannsdorf laufen", sagt der 90-Jährige.

Guillet wird am 74. Tag seiner Reise in Hartmannsdorf erwartet, sagt Bürgermeister Uwe Weinert. Im Rathaus werde der Historiker und Schriftsteller einen Stempel als Beleg für seine Tour erhalten und am Friedensbaum an der Ziegelstraße 1 eine Kerze anzünden. Dort befindet sich auch der Gedenkstein, der an seinen Großonkel erinnert.

Ab Januar 1941 gehörte das Kriegsgefangenen-Stammlager Stalag der Wehrmacht in Hartmannsdorf zu den Stationen in Deutschland, wo Santerre interniert war. Das Lager befand sich in Gebäuden der ehemaligen Färberei und Bleicherei Arnold Reh. Der später als Galvano-Uhlig bekannte Betrieb wurde nach 1989 zur Industriebrache und 2010 abgerissen. Im Jahr 2012 enthüllte die Gemeinde mit Guillet dort ein Gedenkstein und 2017 wurde ein Friedensbaum gepflanzt. Guillet geht davon aus, dass sein Großonkel in einem Steinbruch in Hartmannsdorf gearbeitet hat.

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