Hartmannfabrik: Sanierung verzögert sich

Während der Tage der Industriekultur ist die Industriebrache im Zentrum zugänglich. Dabei sollte die Ruine eigentlich bereits eine Baustelle sein.

Zentrum.

Seit etwa eineinhalb Jahren ist die Würzner und Kutter Grundstücksgesellschaft Eigentümer der Hartmannfabrik. Auf den ersten Blick ist das Gebäude an der Fabrikstraße/Ecke Hartmannstraße eine unansehnliche Ruine. "Aber ich habe erkannt, dass es ein Juwel ist", sagte Geschäftsführer Ralph Würzner im Dezember 2017 der "Freien Presse". Das Gebäude sei von Säulen geprägt, habe einen starken Industriecharakter und "es strotzt vor Kraft", so Würzner damals. Er möchte in dem Objekt all jenen Büros anbieten, die in ihrer Arbeit auf Kreativität angewiesen sind und ihren Mitarbeitern eine dazu förderliche Atmosphäre bieten wollen. "Bürogebäude sind in Chemnitz genügend vorhanden, aber da ist nichts dabei, was fetzt", sagte er - zumindest nichts, was man mieten könne. So sollen in der Hartmannfabrik - die Nutzfläche beträgt 2700 Quadratmeter - ein Meditationsraum, eine Cafeteria, elektronikfreie Zonen, ein Kinderspielzimmer und von echten Pflanzen begrünte Wände, sogenannte "Living-Walls", entstehen. In der oberen Etage unter einem Glasdach sollen zudem Beete angelegt werden, in denen die Mieter Gemüse oder Blumen anbauen können.

Bereits im Dezember 2017 hatte Würzner mehr Mietinteressenten als Fläche. Mitte 2018 sollte mit dem Bau begonnen werden. Ein Jahr später wollte er fertig sein. Doch daraus wird vorläufig nichts. "Der für diesen Sommer geplante Baustart für die Hartmannfabrik musste durch uns als Investor abgesagt werden. Grund hierfür ist eine seit längerem andauernde Erkrankung des für das Projekt zuständigen Geschäftsführers Ralph Würzner", teilte das Unternehmen mit. Obwohl es bereits für alle verfügbaren Flächen Mieter gab und mit dem geplanten Schulneubau am Hartmannplatz zusätzlich eine Aufwertung des Quartiers einhergehe, lasse die derzeitige Situation keine andere Entscheidung zu, heißt es weiter. Die Mieter benötigten einen verlässlichen Übergabetermin, da damit eigene Kündigungsfristen bisheriger Unternehmensstandorte einhergingen und zusätzlich Personaleinstellungen koordiniert werden müssten. "Zudem hat die gebotene kaufmännische Risikoabwägung für uns Priorität, sodass die Optionen für den weiteren Werdegang geprüft werden", teilte das Unternehmen mit. In über zwei Jahrzehnten Bautätigkeit sei kein Vorhaben verspätet fertiggestellt worden. Diesen Anspruch könne man in der aktuellen Situation jedoch nicht absichern, "da der zeitlich noch nicht zu definierende Personalausfall in unserem kleinen Unternehmen nicht ohne weiteres kompensiert werden kann", schreibt das Unternehmen.

Erworben hatte Würzner die Hartmannfabrik von einem Münchner Investor. Dabei handelt es sich um jenen Mann, der sie 2010 von der Stadt für 56.000 Euro ersteigert hatte. Er wollte daraus ein Event-Restaurant mit historischer Hartmann-Lok, Flugzeugmotoren und römischen Statuen machen. Realisiert wurde davon nichts.

Die Hartmannhalle wurde 1864 errichtet und war Teil einer viel größeren Fabrikanlage, in der Richard Hartmann einst Lokomotiven bauen ließ. Zu DDR-Zeiten diente das Gebäude als Theater-Magazin. 2003 sollte es eigentlich abgerissen werden, was Denkmalschützer verhinderten. Sie waren vor allem vom Inneren des Objekts begeistert, wo sich gusseiserne Säulen und eine alte Kranbahn befinden. Der Stadtrat entschied, 2004 das Gebäude für 25.000 Euro an den Investor Jörg Mierbach zu verkaufen. Er wollte kleine Geschäfte und Gastronomie im Gebäude ansiedeln. Es folgte ein Rechtsstreit mit der Stadt, in dessen Folge er das Objekt 2008 wieder zurückgeben musste. Im Kern ging es um die Frage, ob Mierbach seinen im Kaufvertrag festgelegten Auflagen nachgekommen ist. Laut Mierbach hätten sich nach dem Kauf Probleme eingestellt, darunter Forderungen der Alteigentümer. Die Stadt gewann den Prozess vor dem Landgericht. 2010 ersteigerte es der Investor aus München.

Jetzt finden zunächst die Tage der Industriekultur in der alten Fabrik statt, so wie dorthin regelmäßig zum Chemnitzer Immobiliengespräch eingeladen wird.

Ein Überblick über Veranstaltungen zu den Tagen der Industriekultur steht unter www.industriekultur-chemnitz.de. Für Samstag, 22. September, ist von 14 bis 18 Uhr ein Familienprogramm geplant.

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