Haus am Brühl erhält neuen Eigentümer

Das Gebäude neben der Rosa-Luxemburg-Schule ist einer der letzten Schandflecke an dem Boulevard. Jetzt gibt es Hoffnung, dass es saniert wird.

Brühl.

Zum Ersten. Zum Zweiten... Das Haus Brühl 57 ist bei einer öffentlichen Auktion in Berlin für 410.000Euro versteigert worden. Damit besteht große Hoffnung, dass in das als Kulturdenkmal geschützte, aber seit Jahren leer stehende und mit Spanplatten verrammelte Nachbargebäude der Rosa-Luxemburg-Grundschule wieder Leben einkehrt. Derzeit ist es noch einer der letzten Schandflecke an dem Boulevard, der immer ansehnlicher wird. Zusätzlich zum Preis muss der Käufer noch 7,14 Prozent Courtage, 3,5 Prozent Grunderwerbssteuer sowie die Notarkosten berappen. Das Mindestgebot war vorher auf 395.000 Euro festgelegt worden.

Ein großes Bietergefecht wie bei anderen Objekten hat es um den laut Bauakte 1892 errichteten Klinkerbau allerdings nicht gegeben. Im Vorfeld der Versteigerung hatte ein Interessent ein schriftliches Gebot in Höhe von 410.000 Euro abgegeben. Mehr bot dann keiner der rund 60Gäste im Versteigerungssaal an der Berliner Friedrichstraße. Auch die Lage im Sanierungsgebiet Brühl und die damit einhergehenden steuerlichen Abschreibungsvorteile, auf die der Auktionator noch hinwies, lockte keinen weiteren Bieter. Wer den Zuschlag bekommen hatte, verriet das Auktionshaus Karhausen nicht.

Die wohl wichtigste Hürde für eine Investition hat der Noch-Eigentümer für den künftigen Besitzer quasi als Mitgift bereits beiseitegeräumt: Seit Mai dieses Jahres liegt eine mit dem Denkmalschutz abgestimmte Baugenehmigung vor. Sie war auch Teil des Exposés. Daraus ergibt sich, was erlaubt ist, wenn man das viergeschossige, massive Gebäude entsprechend der Genehmigung ausbaut. Vorgesehen sind danach zwei Gewerbeeinheiten und 19 Wohnungen. Eine bisherige Wohnung im ersten Obergeschoss darf zu einem Büro oder einer Gewerbefläche umgenutzt werden. Im Erdgeschoss ist das Einrichten einer Gaststätte erlaubt. Für ein Nebengebäude, offenbar das frühere Waschhaus im Hof, ist der Abriss genehmigt.

Mit der erteilten Baugenehmigung sind allerdings auch Auflagen verbunden, die es in sich haben. Danach muss der Ersteigerer das originale Dachtragwerk erhalten, darf aber auch neue Naturschiefer-Dachsteine auftragen. Die Klinkerfassade soll in einem Mikrowirbelungsverfahren schonend gereinigt werden. Verändert werden darf, allerdings nach klarer Vorgabe, die Schaufensterzone. Anstatt der großen Schaufenster mit Metallrahmen hatte der bisherige Eigentümer zum Brühl hin drei hohe Einzelfenster vorgesehen. Erhalten werden müssen dagegen die originale Hauseingangstür ebenso wie die Geländer und Terrazzobeläge der Treppen im Hausinneren. Wie üblich, hat die Denkmalschutzbehörde auch Vorgaben zur Farbgebung der Fassade gemacht. Am Giebel in Richtung der Grundschule soll zudem eine außen liegende, offene Fluchttreppe als zweiter Rettungsweg angebaut werden.

In einer als Anlage zum Bauantrag eingereichten Übersicht werden die voraussichtlichen Kosten für die Sanierung und den Umbau des Gebäudes mit insgesamt rund einer Million Euro beziffert. Das wären je 800 Euro für die zusammen reichlich 1000 Quadratmeter der 19 Wohnungen sowie je 600 Euro für die 326 Quadratmeter der beiden Gewerbeeinheiten.

An einem Besichtigungstermin Mitte November hatten mehrere Wohnungsunternehmer teilgenommen, die in Chemnitz schon Immobilien besitzen. Sie wollten unerkannt bleiben und äußerten sich nicht zu ihren Kaufabsichten. Sie nahmen das Innere des Hauses vom Keller bis unters Dach in Augenschein. Unübersehbar waren dabei Spuren von illegalen Nachtlagern. Mindestens einmal musste die Feuerwehr zum Löschen anrücken, weil unbefugte Eindringlinge versucht hatten, einen der Kachelöfen anzuheizen. (mit mib)

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