Hausarzt will medizinhistorisches Museum in Burgstädt aufbauen

Rund 1,8 Millionen Euro investiert eine Familie in ein denkmalgeschütztes Haus. Bis zum Jahr 2021 sollen neue Mieter einziehen - einer darf aber bleiben.

Burgstädt.

Bauzäune stehen vor dem Haus an der Rochlitzer Straße 2, auf dem Grundstück sind Arbeiten zu beobachten. Der neue Eigentümer des in der Stadt als Böttgerhaus bekannten Gebäudes hat begonnen. Jahrelang stand das Gebäude leer und verfiel. "Wir nennen es gern wieder Albertinum, wie es im 19. Jahrhundert bekannt wurde", sagt Hausarzt Jens Scheithauer, dessen Familie das Gebäude 2014 aus einer Zwangsversteigerung erworben hat. Eine Geldsumme nennt er nicht. "Aber die Sanierungskosten von 1,8 Millionen Euro übersteigen um ein Vielfaches den Anschaffungspreis", sagt der Investor.

Als Investor sieht sich der 48-Jährige aber nicht: "Wir arbeiten kostendeckend, ein Gewinn ist nicht zu erwarten", fügt er hinzu. Ihm gehe es um den Erhalt eines der schönsten Häuser von Burgstädt unter dem Gesichtspunkt des Denkmalschutzes. Dafür hat er jetzt Unterstützung bekommen. Die Sanierung des markanten Gebäudes gegenüber vom Rathaus wird mit Fördergeld bis zu einer Höhe von 450.000 Euro unterstützt. "Das Albertinum ist ein stadtbildprägendes Gebäude, sagt CDU-Bundestagsabgeordneter und Staatssekretär Marco Wanderwitz, der sich für das Projekt engagiert hat.


Erstmals hat jetzt Jens Scheithauer die Pläne für das Denkmalhaus vorgestellt. Bis zum Jahr 2021 soll das Gebäude bezugsfertig sein. Dabei hat er mit seinem Bruder Olaf Scheithauer, der die Pläne erstellt, und Thomas Lange als Angestellter einer Baufirma aus Röhrsdorf eine Reihe von Ideen entwickelt. So soll das "Museum Historische Arztpraxis Dr. Böttger", das vom Kulturverein betrieben wird, auf eine medizinisch-technische Ausstellung im gesamten Erdgeschoss erweitert werden. Zurzeit befindet es sich im hinteren Bereich. Jeden Sonntagnachmittag ist die original eingerichtete Praxis aus der Zeit zwischen 1927 bis 1971 zu besichtigen. In einem Nebenraum war 2017 die Ausstellung um die "Historische Zahnarztpraxis Dr. Senf aus Augustusburg" erweitert worden. "Im Fundus des Kulturvereins befinden sich noch ein historischer OP-Saal, ein weiteres altes funktionsfähiges Röntgengerät sowie Objekte aus Medizin-Optik und -akustik", sagt Scheithauer. So könnte ein medizinhistorisches Museum entstehen - zum Beispiel mit dem Titel "Punctum maximum". "Als Punctum maximum bezeichnet man den Ort, an dem ein Herzton oder Herzgeräusch am lautesten ist, beispielsweise das Geräusch eines Herzklappenfehlers", erläutert der Arzt.

Im Obergeschoss befinden sich denkmalgeschützte Räume mit Porzellankachelofen, Stuckdecke und Holzverkleidung, erklärt Scheithauer. Optimal wäre es, wenn dort eine Praxis, besser noch eine Kanzlei einzieht, damit die Räume der Öffentlichkeit zugänglich blieben. Außerdem sollen sechs Wohnungen, davon zwei als Maisonette (also über zwei Etagen), größtenteils mit Balkonen zum Garten hin, entstehen.

Alte Gemäuer haben es dem Arzt schon immer angetan, sagt der 48-Jährige. So habe er seine Arztpraxis und die Logopädiepraxis seiner Frau in einem Denkmalhaus an der Bahnhofstraße eingerichtet. "Das war das Landhaus des Handschuhfabrikanten Karl Wahrig", sagt Scheithauer. Nach den Plänen des Chemnitzer Architekten Erich Basarke (1878-1941) war das Haus 1927 gebaut worden. 2004 hatte Scheithauer die Villa gekauft und sanieren lassen. Bis 2003 befand sich dort ein Kindergarten. "Es ist schon etwas Liebhaberei dabei, wenn ich wieder ein Großprojekt angehe", sagt er. Mit seinem Enthusiasmus hat er andere angesteckt, wie einen ehemaligen Schulfreund, Thomas Lange, der heute Niederlassungsleiter des Bauunternehmens Heinrich Schmid mit 60 Beschäftigten ist. "Neun Lehrlinge von uns haben im Albertinum erste praktische Arbeiten im Trockenbau und Brandschutz geleistet", sagt Lange. Maler- und Bodenarbeiten sollen folgen. Der Effekt: "Eigentlich üben die Azubis in einer Lehrwerkstatt, das Gebaute wird wieder abgerissen." Es sei ein wichtiger psychologischer Vorteil, wenn das Geschaffene erhalten werde.


Warum das Böttgerhaus auch Albertinum genannt wird

Nach dem Stadtbrand 1650 ist der Gebäudekomplex an der heutigen Rochlitzer Straße 2 in den Jahren 1656 bis 1671 errichtet worden. 1768 erwarb der Kauf- und Handelsherr Gotthelf Lautschläger das Anwesen für 300 Gulden und errichtete eine Manufaktur. Dort entstand eine sogenannte Sengerei. Das heißt: Baumwoll- und Wollstoffe unterzog man einer Hitzebehandlung, ehe sie zur Weiterverarbeitung in die Färberei und Stoffdruckerei Penig gegeben wurde.

Im Jahr 1857 erwarb Dr. Hahn das Grundstück und errichtete im oberen Stockwerk des Seitengebäudes eine Knabenschule. Man nannte sie zu Ehren des sächsischen Kronprinzen Albert "Burgstädter Albertinum". 1876 - nach Schließung des Albertinums - ging das Grundstück in das Eigentum des damaligen Brauereibesitzers Ludwig Böttger über. Als Böttgers Haus oder Böttgerhaus wurde es ein Begriff. Im Jahr 1927 eröffnete Dr. Johannes Böttger (1900-1986) dort eine Arztpraxis, die es bis 1971 gab.

Das Vermächtnis Böttgers führte zunächst der Museumsverein mit der Gründung 1990 weiter. Die "Historische Arztpraxis Dr. Böttger" entstand als Museum. Bis 2013 diente das Gebäude zwar als Wohn- und Geschäftshaus; verfiel aber gleichzeitig aufgrund fehlender Investitionen. Daher mussten auch die nicht-originären Ausstellungsstücke in einer zweiten Ausstellungsfläche ausgelagert werden. Bei einer Zwangsversteigerung erwarb Familie Scheithauer das Haus. Die historische Arztpraxis konnte kurz darauf wieder eröffnet werden. Seither engagiert sich dort der Kulturverein; die Ausstellungsfläche wurde um eine historische Zahnarztpraxis erweitert. (bj)

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