Heimatverein erinnert an "fliegenden Oberförster"

Eine neue Ausstellung im Grünaer Rathaus widmet sich dem Leben des Flugpioniers Georg Baumgarten. Noch immer gibt es aber offene Fragen.

Grüna.

Wer durch Grüna fährt, der kommt an Georg Baumgarten nicht vorbei. Eine Straße ist nach dem Luftfahrtpionier benannt, dem bereits 20 Jahre vor Graf Zeppelin der Bau eines lenkbaren Luftschiffes gelang und der als Oberförster einst das Rabensteiner Forstrevier verwaltete. Auch eine Kita und die Grundschule tragen seinen Namen. Nun wird Baumgarten im Grünaer Rathaus ebenfalls gewürdigt.

Vor wenigen Tagen eröffnete dort eine Ausstellung, die das Leben des Erfinders in den Mittelpunkt rückt, der 1884 im Alter von nur 47 Jahren entmündigt in der damaligen "Landes-Irrenanstalt" in Colditz starb. Konzipiert vom örtlichen Heimatverein, schließt sie an eine Schau an, die von 1994 bis 2005 im Folklorehof zu sehen war. Dort hatten die Räumlichkeiten nicht mehr die Sicherheitsanforderungen erfüllt. Ursprünglich habe man an dem Standort festhalten wollen und deshalb mit der Stadt darüber verhandelt, wie sich der Brandschutz vor Ort nachbessern lasse - allerdings ohne Ergebnis, sagt Fritz Stengel vom Heimatverein. Der neue Standort in einem Klassenzimmer der ehemaligen Schule, die das Grünaer Rathaus einmal war, sei aber zentraler, so Stengel. Eine fünfstellige Summe habe die neue Schau gekostet. Dabei handle es sich überwiegend um Spenden, 3000 Euro habe die Stadt beigesteuert.

Die alte Ausstellung ist in die neue vollständig integriert - Besucher können sie an einem elektronischen Terminal in Textform abrufen. Davon abgesehen, haben die Heimatverein-Mitglieder die Schau komplett neu auf die Füße gestellt. So können sich die Besucher nun in eine Fahrkabine setzen und sich virtuell per Handkurbel fortbewegen - der vermeintliche Flugweg über Grüna hinweg ist auf einem Monitor zu sehen. Zu den Exponaten zählen unter anderem ein von Schülern der Schule Am Flughafen konstruiertes Luftschiff sowie eine Leihgabe aus dem Zeppelin-Museum in Friedrichshafen. An einer Wand sind die wichtigsten Luftschiffe der Geschichte in einem Größenvergleich dargestellt. Ein Streifzug durch die Geschichte, von der "Montgolfiere" bis zur "Hindenburg", deren Explosion 1937 im US-amerikanischen Lakehurst das Ende der Verkehrsluftschifffahrt einläutete. Das Baumgarten-Flügelluftschiff, mit dem dieser am Ostersonntag 1880 über Leipzig aufstieg und abstürzte - er blieb dabei unverletzt -, nahm sich mit einer Länge von 40 Metern gegenüber den späteren Kolossen noch relativ bescheiden aus.

Darüber hinaus bietet die Ausstellung jede Menge Lesestoff, darunter mehrere Artikel aus dem Leipziger Tageblatt, einer Zeitung, die von 1807 bis 1925, also zu Lebzeiten Baumgartens, erschien. Die Texte stellte der Leiter des Leipziger Psychiatriemuseums zur Verfügung, der bei der Recherche für eine Ausstellung auf den Namen Baumgarten gestoßen war und im Archiv der ehemaligen Zeitung recherchierte. In der Hoffnung auf weitere Informationen habe er sich an den Heimatverein gewandt, so Stengel. Laut seiner Vereinskollegin Christine Vieweg, die für die Recherche unter anderem Kirchenbücher durchforstete, gebe es aber immer noch Wissenslücken. So wisse man inzwischen zwar, dass Baumgarten nicht, wie bisher gedacht, acht, sondern sogar zehn Kinder gehabt habe - doch bis heute sei es nicht gelungen, einen lebenden Nachfahren ausfindig zu machen.

Eingegangen wird in der Schau in Grüna zudem auf Hermann Wölfert. Den vermögenden Leipziger Verlagsbuchhändler lernte Baumgarten über ein gemeinsames Hobby, der Beschäftigung mit Kurzschriften, kennen und begeisterte ihn für das Thema Luftschifffahrt. Wölfert unterstützte den Grünaer bei der Weiterentwicklung seiner Modelle, zerstritt sich mit ihm aber später. Mit seinem eigenen Luftschiff "Deutschland" verunglückte er 1897 in Berlin tödlich. Wölfert hatte im Gegensatz zu Baumgarten noch die Entwicklung des Benzinmotors durch Gottlieb Daimler miterlebt und für sich zu nutzen gewusst. "Baumgarten befand sich ohne Motor hingegen in einer entwicklungstechnischen Sackgasse", sagt Fritz Stengel. Dies, die allgemein fehlende Anerkennung seiner Projekte auch seitens seines Arbeitgebers, der ihn 1882 frühzeitig pensionierte und zunehmende Gesundheitsprobleme trugen zu seinem letztlich tragischen Ende bei.

Die Ausstellung ist donnerstags, 13.30 bis 18 Uhr, samstags, 14 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung geöffnet. Der Eintritt kostet 3Euro, Kinder ab sechs Jahre zahlen 1 Euro.

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