Historischer Lehrpfad soll in Hartmannsdorf angelegt werden

Die Industriegeschichte ist Besuchern lebendig nahezubringen. Dafür gibt es viele Ideen - und schon Vorzeigbares.

Hartmannsdorf.

Wird es schon bald einen historischen Lehrpfad in Hartmannsdorf geben? Bürgermeister und Ideengeber Uwe Weinert (CDU) zweifelt nicht daran. Er hat seine Vorstellungen in der Verwaltung und im Gemeinderat besprochen. Der Weg soll vor allem die Industriegeschichte dokumentieren und die früheren Standorte großer Fabriken im Ort verbinden. Die Reaktionen stimmten ihn zuversichtlich, sagte Weinert. Bei der Umsetzung strebt er eine Zusammenarbeit mit dem Heimatverein der Gemeinde an.

Der Heimatverein: Seit seiner Gründung 1991 sammelt der Heimatverein Unterlagen, Texte, Fotos und Exponate zur Hartmannsdorfer Geschichte. Vieles ist im Heimatmuseum an der Carl-Kirchhof-Straße 27 ausgestellt oder wird im Depot bewahrt. "Im Museumsfundus befinden sich viele wichtige Dokumente beispielsweise für Schautafeln", sagt Vereinschefin Kristin Kluge. Vereinsmitglieder könnten daraus geschichtliche Daten zuarbeiten und Dokumentationen zusammenstellen. Bei ihrer Sammel- und Recherchearbeit widmen sich die Heimatfreunde Themen wie dem Aufbruch des Dorfes ins Industriezeitalter vor rund 150 Jahren sowie der Entwicklung vom vorwiegend landwirtschaftlich geprägten Ort zur Industriegemeinde.

Der Verein zählt 40 Mitglieder. Sie selbst hat sich im Februar 2018 dem Verein angeschlossen. Anfangs habe sie als Schriftführerin im Vorstand mitgearbeitet und nachdem der frühere Vorsitzende Gert Junghans das Amt aufgegeben hatte, sei sie vor knapp einem Jahr von den Mitgliedern zur Vorsitzenden gewählt worden, sagt die 46-Jährige. Anfang November sollen mit Gemeinderat und Bürgermeister weitere Schritte auf dem Weg zum Lehrpfad abgesteckt werden.

Die Gemeinde: Die Kosten für Wegmarkierungen und Informationstafeln soll laut Weinert die Gemeinde übernehmen. Ein Lehrpfad für historisch Interessierte und Besucher sei im Interesse aller Einwohner. Hartmannsdorf mit 4500 Einwohnern sei heute ein starker Wirtschaftsstandort. Die Statistik weist mehr als 3800 sozialversicherungspflichtig beschäftigte Arbeitnehmer im Ort aus, davon seien etwa 1700 Hartmannsdorfer. Hinzu kämen etwa 600 Gewerbetreibende im Ort.

Die Geschichte: Nach Recherchen von Heimatfreunden und Gemeindemitarbeitern begann die industrielle Entwicklung im 18. Jahrhundert mit der Gründung vieler Strumpfwirkermanufakturen. Die Einwohnerzahl stieg dadurch ab Mitte des 19. Jahrhunderts rasch an. Mit der Entwicklung zu einem Industriedorf wurde Hartmannsdorf eine wohlhabende Gemeinde. Sie habe es sich beispielsweise leisten können, ab 1903 ein eigenes Gaswerk zu betreiben, 1905 den Ort an das Elektroenergienetz anzuschließen, 1919 ein eigenes Wasserwerk in Betrieb zu nehmen und bis 1929 durch den Bau einer Schleusenanlage eine zentrale Klärung des Abwassers durchzuführen, erläutert Weinert. Im Ort gründeten sich zudem Sport- und Freizeitvereine und das Freibad wurde gebaut.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Gründung der DDR dominierten laut Gemeindearchiv Textilindustrie und Maschinenbau. Durch den raschen Niedergang dieser Betriebe verlor Hartmannsdorf nach Angaben der Historiker bis 1992 etwa 2000 Arbeitsplätze. Im Gewerbegebiet an der Burgstädter Straße siedelten sich jedoch laut Weinert bis zum Jahr 2000 mehr als 40 Unternehmen an. Damit sei die Zahl der Arbeitsplätze auf etwa 3000 gestiegen.

Die Etappen: Mögliche Etappen auf dem Lehrpfad sind Flächen, wo es einst Industrie gab. Dazu gehörten zum Beispiel die Firma Galvano-Uhlig, die für die Färberei und Bleicherei Arno Reh erbaut worden war, ebenso wie die Firmen Geisha und Carl Schönfeld sowie der Rote Färber. Einige der Betriebe hatten zuvor das Ortsbild geprägt. Diese Plätze könnten Spaziergänger im historischen Kontext kennenlernen.

An der Oberen Hauptstraße 64, wo sich einst der markante Gebäudekomplex des Roten Färbers befand, gibt es bereits eine Informationstafel. Darauf ist zu lesen: "1884 hatte Fritz Otto Keinert einen Spannerei- und Gewebeveredlungsbetrieb gegründet. 1929 erfolgte die Vergrößerung durch Errichten eines Klinkerziegelgebäudes. 1946 erfolgte die Enteignung. 1956 entstand der VEB Trikotagenausrüstungswerk Roter Färber, später VEB Trikotex Wittgensdorf. Die Produktion wurde 1992 eingestellt."

Der Text und die Gestaltung mit originalen Fassadenklinkern sei das Ergebnis einer früheren Zusammenarbeit von Heimatverein, Verwaltung und Gemeinderat. Ähnliches stelle er sich für weitere ehemalige Industriebauten vor.

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