Hochwasserschutz für Klaffenbach weckt Befürchtungen in Neukirchen

Fünf Jahre nach den jüngsten Überflutungen sollen die Pläne für höhere Mauern und Deiche an der Würschnitz bestätigt werden. Doch jetzt regt sich Widerstand aus der Nachbarschaft.

Klaffenbach/Neukirchen.

Was sich viele Leute in den vergangenen Wochen wünschten, gab es in zurückliegenden Sommern schon mehrfach überreichlich: Ergiebige Regenfälle hatten 2002 und 2010, jeweils im August, sowie zuletzt Anfang Juni 2013 die Würschnitz über die Ufer treten und unter anderem große Teile von Neukirchen, Klaffenbach und Harthau überfluten lassen. Zahlreiche Hauseigentümer erlitten - oft mehrfach - Schäden, die sich insgesamt zu Millionenbeträgen summierten.

Fünf Jahre nach dem jüngsten Hochwasser hat der Bau neuer Mauern und Dämme rund um das Wasserschloß Klaffenbach begonnen. Die Pläne der Landestalsperrenverwaltung (LTV) für besseren Schutz der Fluss-Anwohner im Bereich zwischen dem Wasserschloß und dem Birkencenter im selben Stadtteil haben dagegen erst im Sommer öffentlich in den Rathäusern der betroffenen Kommunen ausgelegen. Auch sie sehen unter anderem den Neubau und die Erhöhung von Schutzmauern und Deichen entlang der Würschnitz vor. Doch genau das weckt im benachbarten Neukirchen Befürchtungen. Denn wenn das Wasser des Flusses in Klaffenbach gehindert wird, sich auszubreiten, könnte diese Gefahr an anderer Stelle drohen, beispielsweise auf Neukirchener Flur in der Nähe des Wasserschlosses. Aus dieser Überlegung heraus hat der Gemeinderat in einer Stellungnahme Einwände gegen die LTV-Pläne erhoben.

Laut dem Neukirchener Bürgermeister Sascha Thamm könnten zwei Wohnhäuser an der Mühlenstraße und ein Unternehmen am Gutsweg, der Zufahrt zum Wasserschloß, von einem möglichen Rückstau der Würschnitz betroffen sein. Zudem wären bei Überflutungen Schäden an den öffentlichen Straßen zu befürchten, für deren Instandhaltung die Gemeinde zuständig ist. Die größten Sorgen macht sich die Gemeinde um die historische Herrnmühle, in manchen Quellen auch Herrenmühle geschrieben. Die an der Mühlenstraße nahe der Würschnitz gelegene Anlage, deren Geschichte laut dem Neukirchener Heimat- und Geschichtsverein bis ins 12. Jahrhundert zurückreichen könnte, ist nach wie vor funktionstüchtig und heute ein technisches Denkmal. Deswegen habe die Gemeinde auch das Landesdenkmalamt darauf aufmerksam gemacht, dass mit der Umsetzung der Hochwasserschutzpläne für Klaffenbach die Gefahr von Überflutungen der Mühle wachsen könnte, berichtete Thamm.

In ihrer Stellungnahme zu den Plänen der LTV fordert die Gemeinde einen Nachweis, dass bei einem Hochwasser nicht noch mehr Wasser auf Neukirchener Flur abgeleitet wird als bei bisherigen Fluten. In die Berechnungen und Pläne müssten daher auch die Flächen im Bereich der Mühlenstraße zumindest bis zur Herrnmühle sowie am Gutsweg einbezogen werden.

Die Landestalsperrenverwaltung teilte dazu auf Anfrage mit, dass die von der Gemeinde Neukirchen und alle anderen gegen ihre Pläne erhobenen Einwände bei einem Erörterungstermin diskutiert werden, zu dem die Landesdirektion im Rahmen des sogenannten Planfeststellungsverfahrens einladen wird. Der Termin dafür stehe noch nicht fest.

Der Klaffenbacher Ortsvorsteher Andreas Stoppke geht davon aus, dass die LTV in ihren hydrologischen Berechnungen auch den Schutz von Neukirchen berücksichtigt hat. Ihm wäre ohnehin ein Hochwasserrückhaltebecken bei Jahnsdorf lieber als höhere Mauern und Dämme im Ort, sagt er. Gemeinsam mit der Bürgerinitiative Hochwasserschutz Würschnitz will er heute Abend beim Sachsengespräch im Chemnitzer Stadion den Ministerpräsidenten Michael Kretschmer darauf ansprechen.

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1Kommentare
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  • 6
    0
    cn3boj00
    30.08.2018

    Höhere Mauern allein haben nichts mit Hochwasserschutz zu tun, das Hochwasser wird nur von einer Stelle an eine andere geschickt. Hochwasserschutz bedeutet, Flächen zu suchen, wo das Wasser hinkann, ohne Schaden anzurichten, deshalb sind Mauern nur sinnvoll in Verbindung mit Becken oder Flutwiesen.



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