Kaßberg-Bewohner klagen über üblen Geruch

Besonders unter Bäumen duftet es an mehreren Straßen unangenehm. Die Stadtverwaltung tut sich schwer, dem abzuhelfen.

Kaßberg.

Die Bewohner des Kaßbergs schätzen ihren Stadtteil unter anderem für das viele Grün vor und hinter den sanierten Altbauten. Doch wenn sie derzeit die Fenster öffnen oder vor die Tür treten, verziehen sie an manchen Straßenabschnitten die Nase. Auch Passanten fällt auf, dass es stellenweise unangenehm riecht - zum Beispiel an der Henrietten- und der Ulmenstraße.

Dietmar Kuschel betreut als Hausmeister ein Gebäude an der Ulmenstraße/Ecke Agricolastraße und nimmt kein Blatt vor den Mund. "Auf dem ganzen Abschnitt bis zur Puschkinstraße stinkt es", sagt er und hat eine Theorie, wie der Geruch entsteht: Zwischen den Straßeneinläufen der Kanalisation an den Straßenrändern habe sich das Schnittgerinne abgesenkt, sodass darin Wasser steht. Selbst zurzeit, nach wochenlanger Trockenheit, gibt es flache Pfützen und Abschnitte, auf denen sich Schmutz mit Wasser zu Schlamm vermischt hat.

Entlang der Ulmenstraße stehen zudem Linden, die oft von Blattläusen befallen sind. Kuschel nimmt an, dass Ausscheidungen der Blattläuse oder die Tierchen selbst, vermischt mit Blütenstaub und Morgentau, von den Bäumen in die Pfützen am Straßenrand tropfen, dort vergären und den ekligen Geruch verbreiten. "Die Straßenränder müssten nur mal gereinigt werden", fordert Kuschel. Schon mehrmals habe er sich deswegen an die Stadtverwaltung gewandt, aber nichts habe sich getan.

Im Rathaus und auch beim städtischen Abfallentsorgungs- und Straßenreinigungsbetrieb ASR ist das Problem bekannt, erfährt "Freie Presse" auf Anfrage. "Uns erreichen auch auf Einwohnerversammlungen, in denen es um den Kaßberg geht, immer wieder Beschwerden über die Geruchsbelästigung und die ungereinigten Straßenränder", erklärt ein Sprecher der Stadtverwaltung.

Der ASR könnte die Straßenränder auch reinigen - aber nur, wenn dort keine Autos parken. Deswegen habe der Betrieb in der Vergangenheit für die Dauer der geplanten Reinigungsaktionen Halteverbotsschilder aufstellen lassen. Doch gerade auf dem Kaßberg mit seinen knappen Parkplätzen seien solche Halteverbote immer wieder von einem Teil der Autofahrer ignoriert worden. Die Folge: Das städtische Ordnungsamt habe Fahrzeuge abschleppen lassen müssen, was häufig zu Rechtsstreitigkeiten mit deren Besitzern geführt habe.

Geruchsgeplagte Anwohner oder verärgerte Autofahrer - vor dieser Abwägung stünden ASR und Stadtverwaltung und hätten sich angesichts des begrenzten Stellplatz-Angebots zuletzt zugunsten der Autofahrer entschieden.

Theoretisch wäre zwar auch eine Reinigung der Straßenränder per Hand, also neben parkenden Autos, anstatt mit der Kehrmaschine möglich. "Aber das wäre im Vergleich immens teurer", so der Sprecher. Und diese höheren Kosten müssten auf alle Straßenreinigungsgebührenzahler umgelegt werden - das sind die Besitzer und Mieter von Grundstücken an Straßen, die vom ASR gereinigt werden.

Gabriele Kuschel, die Ehefrau von Dietmar Kuschel, versteht die Zurückhaltung der Stadtverwaltung gegenüber den Autobesitzern in diesem Fall nicht: "Bei Bauvorhaben, wie zuletzt fast zwei Jahre lang an der Hübschmannstraße, werden doch auch Parkverbote verhängt", vergleicht sie. Da die Besitzer der meisten Autos, die auf dem Kaßberg parken, zugleich Anwohner oder Anlieger und damit vom Geruch Geplagte seien, rechne sie mit viel Verständnis für ein kurzzeitiges Parkverbot. Die Ulmenstraße heiße ja so, weil dort früher Ulmen standen und keine Linden, erinnert sie. Wenn die Stadt andere Bäume pflanzt, müsse sie auch für die Folgen einstehen, findet die Anwohnerin.

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