Kleingärtner wegen Drogen und scharfer Patrone vor Gericht

Sein Faible für Waffen hatte einem jungen Mann aus Einsiedel schon einmal einen Strafprozess eingebracht. Doch diesmal fanden Beamte bei einer Durchsuchung noch anderes.

Dass er auf Waffen steht, daraus macht er kein Geheimnis. Im Netzwerk Facebook zeigt er sich jedermann ganz offen mit einer Flinte in der Hand, hinter ihm eine schwarz-weiß-rote Fahne am Mast. Nun wurde ihm sein Faible einmal mehr zum Verhängnis. Vor dem Chemnitzer Amtsgericht musste sich der 26-Jährige aus Einsiedel erneut wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz verantworten.

Der Vorwurf an sich klingt im ersten Moment nicht sonderlich spektakulär: Bei einer Durchsuchung im Juni vergangenen Jahres hatte die Polizei im Kleingarten des Mannes eine Patronenhülse mit Treibladung gefunden. Kaliber 7,62mal 39Millimeter, geeignet für eine Kalaschnikow. Er sei oft im Wald unterwegs, dort finde man so einiges, antwortete der Angeklagte auf eine entsprechende Nachfrage des Richters zur Herkunft des Projektils. "Beim Pilzesammeln zum Beispiel."

Doch die Patrone war nicht das einzige, was die Beamten in dem Garten entdeckten. Auch 15 Cannabispflanzen reiften dort heran, etwa 80Zentimeter ragten sie bereits in die Höhe, verdeutlichte der Staatsanwalt. In der Wohnung des Mannes fanden sich später zudem diverse Samen sowie knapp 0,2 Gramm der synthetischen Droge Crystal.

Der Anbau, so beteuerte der junge Mann vor Gericht, sei vollständig für den Eigenbedarf erfolgt. Seit seinem 16. Lebensjahr etwa habe er regelmäßig Drogen konsumiert, erläuterte er. Mittlerweile aber sei er davon weg. Nach so vielen Jahren, ganz ohne Therapie? "Ich habe mich in letzter Zeit mit anderen Dingen beschäftigt, da geht das."

Womit, das blieb vor Gericht offen. Vier Stunden täglich arbeite er im Nachbarort als Möbelträger und Umzugshelfer, erzählte der vollumfänglich geständige 26-Jährige. Eine Ausbildung habe er nach seinem Hauptschulabschluss nie absolviert. Der Verdienst in der Firma - nach seinen Worten 600 Euro pro Monat- falle zwar bescheiden aus, doch sei das Unternehmen für ihn wie eine zweite Familie. "Mit den Arbeitern dort und dem Chef komme ich super klar", erzählte der Angeklagte. Außerdem sei es nicht leicht, vom Rande der Stadt aus einen gut bezahlten Job zu bekommen, wenn man keinen Führerschein besitzt.

Und so fiel denn auch das Urteil noch einmal milde aus: 700 Euro Geldstrafe insgesamt soll der 26-Jährige zahlen wegen unerlaubten Anbaus und unerlaubten Besitzes von Drogen sowie wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz. Staatsanwaltschaft, Verteidiger und Gericht waren sich einig, es noch einmal bei einer Geldstrafe zu belassen, gleichwohl der Mann nicht zum ersten Mal vor Gericht stand. Vor einigen Jahren hatte er sich schon einmal wegen eines Waffendelikts verantworten müssen; im vergangenen Jahr folgte eine Geldstrafe wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz. Zudem waren bei einer zweiten Durchsuchung des Gartens im September 2016 erneut drei Gläser mit Hanfblättern und gut elf Gramm Marihuana gefunden worden, so eine Justizsprecherin.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...