Konzert bietet mehr als Musik

Kinder mit Handicap und Mitglieder der Philharmonie musizierten gemeinsam. Das Publikum spendete stillen Applaus.

Es dürfte kein Zufall sein, dass ein Lied von Peter Maffay - es heißt "Der Mensch, auf den du wartest" - als Eröffnungsstück für das fünfte Traumkonzert am Montagabend ausgewählt wurde. "Niemand kann dir nehmen was du bist, weil deine Kraft in dir unendlich ist" heißt es darin. Und dass sie Kraft haben, das konnten die fast 150 Beteiligten des Konzerts jeder auf seine eigene Weise beweisen. Auf der Bühne standen acht Ensembles mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit verschiedenen Behinderungen. Sie musizierten mit 19 Musikern der Robert-Schumann-Philharmonie im fast vollen Saal der Stadthalle.

Maffays Lied und weitere Stücke trugen alle Gruppen gemeinsam vor. Aber jedes Ensemble hatte auch seinen ganz eigenen Auftritt. "Motus und das Zupfensemble", ein Projekt der Lebenshilfe Chemnitz und der Städtischen Musikschule, interpretierte "Wir machen Musik" und "Musik, Musik, Musik". Für Rührung sorgte die Gruppe "Klangfarben" von der Landesschule für Blinde und Sehbehinderte. Dort lernen die Kinder ab der 1. Klasse das Cellospiel. Kinder ab Klasse 2 trugen drei kurze Stücke vor. Einen tosenden Applaus erhielt das "Schall- und Bauchorchester" vom Zentrum zur Lernförderung "Johann-Heinrich Pestalozzi" und dem Terra Nova Campus. Unter Anleitung der Musikpädagogen Mathis Stendike und Jan Heinke unternahmen die Kinder eine Reise "In sieben Klängen um die Welt". Europa stellten sie mit Kuhglocken dar und Mathis Stendike blies in ein Alphorn. Trommeln standen für Afrika, Didgeridoos für Australien, Panflöten für Südamerika und beim kalten Wind, der in der Arktis weht, musste das Publikum mithelfen. Den Kindern war anzusehen, welche Freude es ihnen bereitet, den Instrumenten Töne zu entlocken. Eine Freude, die sich sofort aufs Publikum übertrug.

Richtig tolle Stimmen präsentierte der Chor "Kaleidoskop" des SFZ Berufsbildungswerks für Blinde und Sehbehinderte. Ihren größten Einsatz hatten sie gemeinsam mit dem Gebärdenchor "Monael & Friends" zum Rock-Hit "This Is Me". Der Chor übersetzt Liedtexte in Gebärden, um sie auch Gehörlosen verständlich zu machen. In der Stadthalle wurde dafür extra der Bass unter den Bühnenboden gelegt, sodass ihn Gehörlose in den Beinen spüren konnten. Davon machte dann auch der Gebärdenchor "Sign-Songs" aus Leipzig Gebrauch. Ihren größten Einsatz hatten die Chemnitzer Gebärdensänger beim klassischen "Bilder einer Ausstellung", bei dem sie die Bilder, die der Komponist Modest Mussorgski in dem Klavierzyklus vertonte, fast schon pantomimisch darstellten, inklusive umhersausender Küken und dem großen Tor von Kiew. Spätestens von ihnen lernte das Publikum, wie man in Gebärdensprache stillen Applaus spendet: Man hebt beide Hände und dreht sie hin und her.

Ihren großen Bühnenmoment feierten die Mitglieder der Rock AG der der Schule am Stadtpark in Limbach-Oberfrohna. Sie wagten sich an Bachs Präludium C-Dur, bei dem sie den Rhythmus vorgaben. Außerdem spielten sie die Titelmusik von "Mission Impossible" gemeinsam mit den Philharmonikern. Als Höhepunkt entpuppte sich auch das Orffeus-Ensemble der Janusz-Korczak-Schule, das unter der Leitung von Maria Stülpner zu wahren Rhythmus-Meisterleistungen in der Lage ist. Mit bunten Pezzibällen als Trommeln bewiesen die Schüler, wie viel Kraft in ihnen steckt.

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