Kreistag mit Sicherheitsabstand

Einzeltische und Hygienevorschriften: Die Kreisräte sind für ihre erste Sitzung des Jahres in den Norden Mittelsachsens gezogen: Die Coronapandemie diktierte auch Themen.

Hartha.

Knapp 50 Kilometer vom sonst üblichen Sitzungsort im Freiberger Berufsschulzentrum "Julius Weisbach" entfernt hat am Mittwoch der Kreistag in der Harth-Arena beraten. Der Veranstaltungssaal bietet genügend Platz für Einzeltische und breite Wege.

Mit 256 Infektionsfällen ist der Landkreis betroffen: "Die Situation hat uns nicht so erwischt wie andere Landkreise", sagte Landrat Matthias Damm (CDU). Mit Hinweis auf viele infizierte Urlaubsrückkehrer etwa im nahen Kreis Zwickau räumte er ein: "Ein bissel Glück war auch dabei." Mittelsachsen verzeichnete sieben Corona-Todesfälle. Laut Damm handelt es sich um Verstorbene, die vor ihrem Tod positiv auf Corona getestet wurden, die Betroffenen hatten meist auch schwere Vorerkrankungen. 920 Mittelsachsen hat das Gesundheitsamt in Quarantäne geschickt. Ein Großteil sei inzwischen wieder entlassen, so der Mittweidaer. Genaue Zahlen, wie viele Einwohner wieder gesund sind, liegen nicht vor, weil zwar die Krankheit, aber nicht die Genesung meldepflichtig ist, so Damm.

Der Landrat verwies auf das konsequente und organisierte Handeln der Kreisverwaltung mit einem eigens gegründeten Krisenstab. Mit Landkreistag, Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und Fachministern habe es regelmäßig Austausch gegeben. Den großen Beratungsbedarf machte der Kommunalpolitiker an der Corona-Hotline, dem Bürgertelefon des Gesundheitsamtes, fest: Zeitweise gingen bis zu 400 Anfragen am Tag ein, derzeit sind es noch immer 100 Anfragen: Wenn sich Rechtsvorschriften ändern, dann schnellt die Zahl hoch, so Damm. Er verwies auf taggenau veröffentlichte Lageberichte sowie tägliche Informationen an die Fraktionschefs im Kreistag, an Oberbürgermeister und Bürgermeister. Damit reagierte der Landrat auch auf Kritik aus der Opposition in der sitzungsfreien Zeit, die eine stärkere Information gefordert hatten. 69 Mitarbeiter arbeiten allein im Gesundheitsamt an der Bewältigung der Coronapandemie, so Damm auf die Frage von Carsten Stibenz (Grüne) aus Hartmannsdorf. Alle Teams zur Ermittlung von Kontaktpersonen bleiben in Bereitschaft.

Vorsorge ist auch bei der Versorgung mit Schutzausrüstung noch immer ein Gebot der Stunde, wie der Landrat beschrieb. War es am Anfang blanke Not, die das Handeln der Verwaltung erforderte, so denkt die Kreisspitze auch jetzt weiter: Die Schutzausrüstung für Rettungskräfte und Mitarbeiter des Landkreises ist jetzt sichergestellt, bilanzierte Damm. Das sei auch nötig, weil man nicht weiß, wie lange die Situation anhält. "Wir sind gut ausgestattet für eine mögliche zweite Welle", so der Landrat gegenüber Journalisten.

Zu Beginn der Krise hatte es an allen Ecken und Enden an Schutzausrüstung gefehlt, sagte er. "Das war deutschlandweit ein Problem, es wurden sogar Flugzeuge umgeleitet, die Ausrüstung nach Deutschland bringen sollten, die auch für Mittelsachsen bestimmt war."

Zwei Millionen Euro hat der Landkreis für den Kauf von Schutzausrüstung ausgegeben - eine entsprechende Eilentscheidung des Landrates bestätigte der Kreistag. Für die Anschaffung greift der Landkreis seine Rücklagen, also sein Erspartes an, so der Landrat auf Anfrage. Die Mittelsachsen setzen auf eine Absprache mit dem Land und auf eine Rückzahlung: "Wir sind uns mit dem Ministerpräsidenten einig, dass wir nicht jede Rechnung hin- und herreichen, sondern, dass es eine Schlussrechnung geben wird", erklärte er Journalisten. Am Mittwoch sei die letzte Lieferung in einem Lager in Mittelsachsen eingetroffen. Insgesamt umfasst der Kauf 300.000 Stück Mund- und Nasen-Schutz, 52.000 Schutzanzüge, 50.000 FFP-2-Schutzmasken, 20.000 FFP-3-Schutzmasken.

Zum Abschied wünschte Damm den Kreisräten: "Bleiben Sie gesund." Der nächste Kreistag findet am 15. Juli statt.

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