Kulturhauptstadt: Auf der Suche nach den Bürgern

Nachdem die Stadtspitze ein Motto für die Bewerbung gefunden hat, soll es mit den Chemnitzern diskutiert werden. Der erste Versuch war nicht gerade ein Erfolg.

Ein Großteil der Menschen, die am Dienstagabend im Stadthallenpark waren, wollten dem Jazz-Konzert des Parksommers lauschen. Dass plötzlich Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig und Ferenc Csák, Projektleiter der Chemnitzer Kulturhauptstadt-Bewerbung, vor der Bühne standen, war für die meisten überraschend.

Ludwig und Csák stellten dem Jazz-Publikum die Idee hinter der Bewerbung als Europäische Kulturhauptstadt 2025 vor. Das Motto laute "Aufbrüche", sagte Ludwig. Dass es noch einen englischen Anhang gibt, der "Opening Minds. Creating Spaces" heißt, sagte sie nicht. Mit Aufbrüchen kenne man sich in der Stadt aus, so Ludwig weiter. Industrialisierung, Umbenennung, Zerstörung und Bevölkerungsabwanderung hätten die Stadt geprägt. Durch diese Brüche seien auch Räume entstanden: tatsächliche, wie die Lücken in der Stadtbebauung, aber auch solche in den Köpfen, die dafür sorgen würden, dass die Chemnitzer gern tüfteln, erfinden und sich Dinge ausdenken. Über all das wolle man in den nächsten Monaten mit den Chemnitzern diskutieren. Denn das Motto und die Gedanken, die es tragen, müssten noch mit Ideen und Leben gefüllt werden. Wer mit ihnen sprechen wolle, könne das jetzt oder nach dem Konzert gern an den vorbereiteten Stehtischen tun.

Doch wer einmal im Liegestuhl oder auf der Wiese saß, der blieb auch sitzen. Größtenteils unterhielt sich die Riege aus Vertretern der Stadtverwaltung, Stadträten und Mitarbeitern des Kulturhauptstadt-Büros untereinander. Einige Interessierte hatten sich aber trotzdem eingefunden. Einer, der gekommen war, um unbedingt mit der Oberbürgermeisterin zu sprechen, war Frank Weinhold, Kulturschaffender an verschiedenen Stellen in Chemnitz. Zu Ludwig sagte er, Kommunikation mit den Bürgern sei wichtig. "Sie von oben muss die Kommandos geben, dass die Informationen auch von den Gremien nach außen dringen", sagte Weinhold. "Bürgerbeteiligung darf kein Feigenblatt sein", fügte er hinzu. Er glaube, das habe Ludwig auch verstanden. "Die Chemnitzer müssen am Ende das Gefühl haben, dass sie mitgemacht haben", so Weinhold. Ludwig habe ihm gesagt, dass es damit jetzt erst richtig los gehe.

Jörg Illing sagte, das Motto gefalle ihm gut. Das Wort Aufbrüche sei griffig, für alle verständlich. Der englische Teil sei für das internationale Publikum. "In Chemnitz gab es immer Umbrüche. Eine Stadt mit zwei Namen, die gibt es nur hier." Auch Jacqueline Haupt gefiel das Motto. "Aber es drückt genau das aus, was hier noch nicht gelebt wird", sagte sie, besonders im Hinblick auf den englischen Zusatz "den Geist öffnen". Einer, der seinen Namen nicht nennen wollte, fand das Motto weniger gut. Es sei dem Slogan von Pilsen, der Kulturhauptstadt 2015, zu ähnlich. "Pilsen, open up", hieß es.

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