Landeskriminalamt beim CFC - Verwirrung um Polizeieinsatz

Der Insolvenzverwalter des Fußballclubs spricht von einer Durchsuchung der Geschäftsräume. LKA und Staatsanwaltschaft widersprechen der Darstellung. Am Rande wird bekannt, dass gegen den Aufsichtsratschef seit Wochen ermittelt wird.

Es hat sich zunächst wie ein Paukenschlag angehört: Während sich Trainer David Bergner in einer Routine-Pressekonferenz zum bevorstehenden Punktspiel gegen den VfB Auerbach äußert, rücken Beamte des Landeskriminalamtes (LKA) Sachsen in die Geschäftsräume des Fußball-Regionalligisten CFC ein. Kurz darauf gibt Insolvenzverwalter Klaus Siemon eine entsprechende Erklärung für die Öffentlichkeit heraus. Darin spricht er ausdrücklich von einer Durchsuchung der Geschäftsstelle des CFC, die er - Siemon - unterstützt habe, indem er alle nötigen Informationen bereitgestellt habe.

Durchsuchung? "Es war keine Durchsuchung", erklärt Tom Bernhardt, Sprecher des LKA auf Anfrage. Es habe sich vielmehr um ein Treffen von Kriminalbeamten mit dem Insolvenzverwalter gehandelt. Er habe den Beamten mehrere Unterlagen übergeben. Diese Darstellung bestätigt Ingrid Burghart. Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft erklärte, dass kein Durchsuchungsbeschluss vorgelegen hat. Vielmehr habe das LKA die Akten sogar auf Bitten von Siemon mitgenommen.

Der Insolvenzverwalter bringt in seiner Erklärung den Polizei-Einsatz mit einem "gegen Bauch geführten Ermittlungsverfahren" in Zusammenhang. Gemeint ist CFC-Aufsichtsratsvorsitzender Uwe Bauch. Gegen ihn werde in seiner Eigenschaft als Aufsichtsrat des Fußballclubs tatsächlich ermittelt, so Burghart. Der Vorwurf laute auf Untreue. Er stehe unter anderem im Zusammenhang mit einer Bürgschaft, auf die der CFC zum finanziellen Nachteil des Vereins verzichtet haben soll. Strittig seien auch Vorgänge in Bezug auf die Namensgebung des Stadions beziehungsweise den Schriftzug, der inzwischen wieder abmontiert ist: Uwe Bauch war mit seiner Softwarefirma Community4you eine Zeit lang Namenssponsor für die Sportstätte. In den Ermittlungen spiele zudem der Verdacht der Insolvenzverschleppung eine Rolle, so Burghart. Das Verfahren gehe auf eine anonyme Anzeige zurück, die bereits im Mai eingegangen sei. Siemon versicherte auf Anfrage, dass er nicht derjenige war, der Bauch angezeigt hat.

Der Aufsichtsratschef selbst zeigte sich am Nachmittag überrascht über "die Aussagen, die von Siemon getroffen wurden, und über die Ereignisse". Inhaltlich wollte er sich nicht äußern. Bauch: "Ich vertraue unserem Rechtsstaat. Wir werden sehen, was nach den Ermittlungen übrig bleibt."

Siemon hatte sowohl Bauch als auch den Vorstandsvorsitzenden Andreas Georgi im Juli ein Hausverbot für Teile des Stadions, unter anderem für die Geschäftsstelle, erteilt. Zuletzt hatte er dies mit Meinungsverschiedenheiten zur Zukunft des Nachwuchsleistungszentrums begründet. Von den Ermittlungen des LKA sei der Geschäfts- und Spielbetrieb in keiner Weise betroffen, versichert Siemon. Cheftrainer Bergner hat die Ereignisse nur am Rande mitbekommen, sagte er am Nachmittag während einer Trainingseinheit seiner Elf. Er geht davon aus, dass die Vorkommnisse keinen Einfluss auf die Mannschaft haben.

In der von Siemon verbreiteten Mitteilung wird auch Sportchef Thomas Sobotzik mit einer Forderung an die Stadt zitiert: "In Anbetracht der schwierigen Situation ist die Unterstützung des CFC durch die Stadt und die Spitze der Verwaltung noch stärker erforderlich." Die finanzielle Hilfestellung müsse "deutlich verbessert werden", so Sobotzik. Was er genau damit meint, ließ Sobotzik auf Nachfrage offen. Das Rathaus hatte darauf am Donnerstag nur eine Antwort: "Zu den Ereignissen beim CFC möchten wir uns gegenwärtig nicht äußern."


Kommentar: Katastrophales Außenbild

Von Benjamin Lummer

Besser kann es kaum laufen: vier Spiele, vier Siege, Tabellenführer in der Regionalliga und das Derby gegen Auerbach vor Augen. Nach dem Abstieg aus der dritten Liga sorgt der Chemnitzer FC sportlich wieder für positive Schlagzeilen. Konterkariert wird das jedoch durch die Geschehnisse an der Vereinsspitze. Erst Hausverbote und Gerichtsprozesse, nun Ermittlungen wegen Untreue-Verdachts und ein offenbar vom Insolvenzverwalter übertrieben dargestellter Polizeibesuch. Glaubwürdig erscheint so weder die alte noch die neue Vereinsführung. Einen Monat vor der für den CFC entscheidenden Gläubigerversammlung ist das Außenbild des Vereins das denkbar schlechteste. Wer soll in dieser Situation bereit sein, Abstriche zu machen, um den CFC bei der Sanierung zu unterstützen?

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