Landkreis Zwickau entdeckt den Klimaschutz

Das Landratsamt will auf mehr Energieeffizienz setzen, weiß aber nicht so richtig, wie. Hilfe soll aus anderen Kreisen kommen. Die Stadt Limbach- Oberfrohna ist da schon einen Schritt weiter.

Zwickau/Limbach-O..

Der Landkreis Zwickau will sich nach langem Zögern am Erreichen des nationalen Klimaschutzzieles zur Verringerung der Treibhausgas-Emissionen beteiligen. Der Weg dahin scheint jedoch schwierig zu werden, wie sich zur jüngsten Sitzung des Umweltausschusses zeigte. Ergebnisse jedenfalls gab es auch in der zweiten Beratungsrunde nicht.

Im Dezember hatte der Kreistag auf Antrag der Fraktion SPD/Grüne ein Klimaschutzkonzept beschlossen und Landrat Christoph Scheurer (CDU) mit der Erarbeitung beauftragt. Der wiederum spielte den Ball zurück zur Politik. Jetzt muss sich der Umweltausschuss überlegen, wem er den entsprechenden Auftrag übergibt, und vor allem, welchen Inhalt das Dokument haben soll.

Anregungen dazu sollen die Klimaschutz-Erfahrungen anderer Landkreise liefern. Die Klimaschutzmanager des Erzgebirgskreises und des Landkreises Bautzen stellten daher im Ausschuss ihre Konzepte vor. Ziel ist es demnach, in naher Zukunft jeweils eine zentrale Klimaschutzagentur aufzubauen, die in allen Fragen in Sachen Energieeffizienz beraten kann. Davon sollen nicht nur die öffentlichen Verwaltungen, sondern auch Unternehmen und Privatpersonen profitieren. Bei einem Punkt wurde zumindest der Zwickauer Beigeordnete Carsten Michaelis (CDU) hellhörig. Hans Frühauf aus Bautzen sagte, dass es Bestrebungen gebe, die Klimaschutztruppe wieder "näher an das Landratsamt heranzubringen". Derzeit sei man noch in einem Gründerzentrum ansässig. Die Westsachsen hatten sich überlegt, die Klimaschutzaktivitäten in einer ähnlichen Einrichtung - im BIC in Stenn - anzusiedeln.

Kreisrat Gerhard Sonntag (Grüne) forderte ein Leitbild, aus dem sich konkrete Maßnahmen ableiten lassen. "Es sollte Qualität vor Quantität gehen", sagte er. Sein Fraktionskollege Hans-Reinhard Berger regte an, mit einer Bestandsaufnahme zu beginnen und dann zu sehen, wo der Handlungsbedarf konkret liegt. So sollen die Gebäude des Landkreises auf Energiesparmöglichkeiten überprüft werden. Am 28. September entscheidet dann der Kreistag über den Inhalt des Konzeptes. Fest steht, dass in der Landkreisverwaltung spätestens ab dem 1. Januar 2019 ein Klimaschutz- und Energiemanager seine Arbeit aufnehmen soll.

Die Stadt Limbach-Oberfrohna ist in ihren Klimaschutzbemühungen schon etwas weiter. Seit 2010 nimmt die Kommune am European Energy Award teil, einem kommunalen Klimaschutz-Programm. Dabei geht es darum, auf verschiedenen Feldern, etwa bei der Wärmedämmung von Gebäuden und bei der Straßenbeleuchtung, möglichst viel Energie einzusparen. 2016 hat die Stadt bei dem Klimaschutz-Programm die Hürde von 50 Prozent der maximalen Punktzahl überschritten und darf sich seitdem "Europäische Energie- und Klimaschutzkommune" nennen. Die Stadt will sich weiter verbessern und zu diesem Zweck einen Klimaschutzmanager einstellen. "Wir haben Antrag auf Förderung gestellt und warten derzeit auf eine Entscheidung", sagt Stadtsprecherin Frances Mildner. (mit jop)


Kommentar: Chancevertan

Beim Thema Klimaschutz hatte es im Umweltausschuss den meisten Kreisräten offenbar die Sprache verschlagen. Daher passierte das, was sonst selten in Zwickau vorkommt: Das Sagen hatten die Grünen. Doch die Gelegenheit, mit Fach- und Sachkenntnis die wesentlichen Teile des Konzeptes mitzubestimmen, ließen sie ungenutzt verstreichen und ergingen sich stattdessen in Allgemeinplätzen. Die Grundidee hieß offenbar: Wir nehmen die Ideen der anderen Landkreise. Dabei wäre es notwendig, mit innovativen und praktikablen Klimaschutzideen für eine bessere Umwelt vor der eigenen Haustür zu sorgen. Nur so kann vermieden werden, dass das angestrebte Klimaschutzkonzept zu einem lahmen Papiertiger verkommt.

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1Kommentare
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  • 3
    0
    cn3boj00
    25.05.2018

    Alles schön und gut. Aber alles ohne wirklichen Nutzen. Bei Wärmedämmung oder Glühlampen werdenjedes Jahr neue unsinnige Richtlinien verabschiedet, aber dort, wo der Klimaschutz am wichtigsten wäre, bei Industrie und Verkehr, tut man nichts außer schön reden. Auf der einen Seite sollen wir in Häusern wohnen, wo man am besten kein Fenster mehr öffnet und der Schimmel blüht. Dabei bläst ein Braunkohle-Kraftwerk ein Vielfaches von tausenden Häusern in die Luft.
    Und man kann alle Straßenlaternen auf LED umstellen, an den meisten Ampeln wird weit meht in die Luft geblasen als das bringt.
    Natürlich bin ich über jeden Beitrag zum Klimaschutz froh, aber in meinem Haus stehen zur Klimatisierung die Fenster offen, und ich erwarte die Anstrengungen vor allem dort, wo es viel mehr bringt.



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