Mit der Straßenbahn nach Aue: Chemnitzer Modell wächst

Jetzt kann es losgehen: Die neue Trasse des Chemnitzer Modells bis nach Aue darf gebaut werden. Ende 2020 sollen schon die ersten Straßenbahnen den Linienbetrieb aufnehmen.

Chemnitz (dpa/sn) - Mit der Straßenbahn ins Erzgebirge: Schon im kommenden Jahr sollen die ersten Züge von Chemnitz bis nach Aue fahren. Das Eisenbahnbundesamt hat die für den Ausbau der Strecke im Nahverkehrssystem Chemnitzer Modell notwendige Genehmigung erteilt. «Ich freue mich sehr über diesen Meilenstein für das Chemnitzer Modell», sagte Harald Neuhaus, Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Mittelsachsen (VMS), am Montag bei der Vorstellungen der konkreten Pläne.

Der Baubeginn für die 47 Kilometer lange Straßenbahn-Eisenbahn-Trasse von Chemnitz über Thalheim nach Aue ist jedoch erst für den 30. Juli vorgesehen. Ende 2020 sollen die ersten Züge fahren, sagte Matthias Korda, Geschäftsbereichsleiter im VMS für Verkehr und Infrastruktur. Genutzt werden überwiegend vorhandene Gleise der Deutschen Bahn. Diese müssen jedoch noch verbunden werden mit den Schienen der Straßenbahn, der derzeit in der Nähe der Universität enden.


Für den Ausbau der Linie sind Kosten von 65 Millionen Euro veranschlagt. Davon tragen 60 Prozent der Bund über das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG), 30 Prozent der Freistaat und 10 Prozent der Verkehrsverbund.

Neben Gleisen werden auch neun Brücken sowie sechs Bahnhöfe und Haltepunkte gebaut. Das Chemnitzer Modell verknüpft nach dem sogenannten Tram-Train-Prinzip Straßenbahn und Eisenbahn. Bislang gibt es vier Linien, die Chemnitz mit den Städten Stollberg (Erzgebirgskreis), Mittweida, Hainichen und Burgstädt (beide Landkreis Mittelsachsen) verbindet.

«Das ist der mit Abstand größte Bauauftrag, den wir auslösen werden», sagte Korda. Das Chemnitzer Modell ist Ostdeutschlands einziges Tram-Train-System und ein Gemeinschaftsprojekt von VMS, Erzgebirgsbahn und Chemnitzer Verkehrsgesellschaft.

Im vergangenen Jahr nutzten erstmals mehr als drei Millionen Fahrgäste die Kombination aus Straßenbahn und Regionalbahn. 2017 waren es 2,66 Millionen. Die Züge haben 2018 rund 1,6 Millionen Kilometer bewältigt. Bislang wird laut VMS ein Ballungsraum mit 800 000 Menschen bedient.

In den kommenden Jahren ist ein weiterer Ausbau des Netzes geplant. Die Strecke nach Stollberg soll vom kommenden Jahr an bis nach Oelsnitz/Erzgebirge verlängert werden. Als weitgehender Neubau ist die Anbindung von Limbach-Oberfrohna (Landkreis Zwickau) vorgesehen. Für das geschätzte 1000 Millionen Euro teure Projekt sollen 2020 die Planungen beginnen. Erste Abschnitte könnten dann eventuell 2025 in Betrieb genommen werden.

Das Chemnitzer Modell

Beim Chemnitzer Modell nutzen Straßenbahnen Eisenbahngleise. Es ist so ausgelegt, dass die Türhöhe der Züge mit der Höhe der Bahnsteige übereinstimmt - so ist der Zustieg barrierefrei. Derzeit gibt es vier Linien: nach Burgstädt, Mittweida, Hainichen und Stollberg. Auf allen Strecken werden neben dem Chemnitzer Hauptbahnhof auch mehrere Haltestellen in der Innenstadt angefahren. Geplant sind weitere Verbindungen nach Limbach-Oberfrohna sowie mehrere Städte im Erzgebirge. Betreiber ist die City-Bahn Chemnitz. (grit/lkb)

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2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 0
    1
    Bär53
    01.07.2019

    Wieso "schon" Ende 2020? Sollten wir nicht schon zum Tag der Sachsen am ersten Septemberwochenende per Straßenbahn anreisen ?

  • 3
    1
    Haecker
    01.07.2019

    Könnte es noch eine Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss geben?



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