Neue Technik ermöglicht mehr Eingriffe

Am Klinikum Chemnitz ist eines der großen Behandlungszentren für Schlaganfälle in Deutschland entstanden. Auch dank einer Millioneninvestition.

Ob bösartige Erkrankungen der Leber, ob Tumor oder Prostatavergrößerung: Für medizinische Eingriffe, die über Bilder aus Ultraschallgeräten, Computer- oder Magnetresonanztomografen (CT bzw. MRT) gesteuert werden, gibt es mittlerweile ein breites Einsatzgebiet. Nicht zuletzt, um die Belastung für den Patienten möglichst niedrig zu halten, werden dabei die notwendigen Ins- trumente in der Regel über kleinste Öffnungen in den Körper ein- und an die zu behandelnden Gefäße herangeführt. Von "Knopflochchirurgie" ist bei derlei "minimalinvasiven" Eingriffen mitunter die Rede.

Allein beim Entfernen von Gerinnseln in Hirngefäßen, die Schlaganfälle verursachen, hat sich am Klinikum Chemnitz die Anzahl der behandelten Patienten innerhalb weniger Jahre verzehnfacht. Standen 2016 noch 20 solche "Interventionen" zu Buche, so waren es im vergangenen Jahr bereits etwa 140, verdeutlicht Jörg Thalwitzer, der Chefarzt des für derlei Eingriffe zuständigen Instituts für Radiologie und Neuroradiologie. "In diesem Jahr werden es erstmals mehr als 200 sein." Damit, so Thalwitzer, zähle das Klinikum zu den großen Schlaganfall-Behandlungszentren Deutschlands.


Angesichts der starken Zunahme gefäßbedingter Erkrankungen wie Herzinfarkten, Schlaganfällen, Hirnblutungen und sonstigen Durchblutungsstörungen hat das Klinikum Chemnitz als größtes Krankenhaus der Stadt nun rund 2,5Millionen Euro in ein hochmodernes sogenanntes Interventionszentrum investiert. "Im Umkreis von 80 Kilometern gibt es kein radiologisches Institut mit einem vergleichbaren Leistungsspektrum", sagt Dirk Balster, der kaufmännische Geschäftsführer des städtischen Klinikums. Angesiedelt ist das Interventionszentrum im Bereich des Institutes für Radiologie und Neuroradiologie an der Flemmingstraße. Das Besondere dort sind nach den Worten von Chefarzt Thalwitzer zwei nagelneue Angiographie-Anlagen - medizinische Großgeräte, die mithilfe beim Patienten eingespritzter Kontrastmittel dessen Gefäße und das durchströmende Blut sichtbar machen. "Durch die Anlagen sind wir nun in der Lage, Schlaganfall-Patienten im Akutfall zu behandeln und zeitgleich geplante Eingriffe zu realisieren", erläutert Thalwitzer. Auch bei Notfällen könne die Patientenversorgung somit künftig rund um die Uhr aufrechterhalten werden. Steigen soll durch die moderne Technik auch die Sicherheit für die Patienten. So arbeiten die neuen Angiographie-Geräte laut Klinikum mit bis zu 70 Prozent geringerer Strahlung. Zugleich kommen sie mit deutlich weniger Kontrastmittel aus. Dadurch werden unerwünschte Nebenwirkungen bei den Patienten reduziert. Ein Simulator ermöglicht es zudem, vor einem Eingriff Gefäße virtuell zu operieren, ohne dafür bereits einen Hautschnitt setzen zu müssen.

Geschäftsführer Balster will den Kurs zur medizinischen Versorgung auf höchstem Niveau in den kommenden Jahren fortführen. "Wir wollen dieselben Leistungen anbieten können wie in Hamburg, Berlin oder München", verdeutlichte er. Nicht alle Krankenhäuser könnten in diesem Wettbewerb mithalten, so Balster. "Für uns als Maximalversorger ist es Pflicht."

Interessierte können das neue Interventionszentrum am morgigen Samstag von 10 bis 14 Uhr bei einem Tag der offenen Tür besichtigen.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...