Neues Schuljahr beginnt mit weniger Lehrern als nötig

In der Region sind noch 54 Pädagogen-Stellen unbesetzt. Betroffen sind vor allem Oberschulen - nicht zum ersten Mal.

Für genau 17.835 Schülerinnen und Schüler der kommunalen Grund-, Ober- und Förderschulen sowie Gymnasien in Chemnitz beginnt am heutigen Montag ein neues Schuljahr. Knapp 1900 von ihnen sind Schulanfänger. Doch den Kindern und Jugendlichen stehen weniger Lehrer gegenüber, als für die vollständige Absicherung des Unterrichts erforderlich wären.

Im Chemnitzer Bereich des Landesamtes für Schule und Bildung - dazu gehören neben der Stadt auch der Landkreis Mittelsachsen und der Erzgebirgskreis - sind zum heutigen Tag insgesamt 54 Pädagogen-Stellen unbesetzt, teilte eine Sprecherin der Behörde auf Anfrage von "Freie Presse" mit. Denn anstatt wie geplant vor Schuljahresbeginn 186 neue Lehrer einzustellen, hätten bisher erst 132 geeignete Bewerber verpflichtet werden können. Das Einstellungsverfahren sei aber nicht beendet, so die Sprecherin weiter. Täglich würden weitere Bewerbungsgespräche geführt.

Unter den Lehrern, die mit Schuljahresbeginn neu ihren Dienst im Amtsbereich antreten, seien 69 Seiteneinsteiger, die seit Mai eine dreimonatige Einstiegsqualifizierung durchlaufen haben. Hinzu kämen 19 Seiteneinsteiger, die bereits über Unterrichtserfahrung verfügten und deshalb keine Einstiegsqualifizierung benötigten.

Besonders gravierend ist der Lehrermangel an den Oberschulen. Von den insgesamt 35 Stellen, die in Chemnitz, Mittelsachsen und dem Erzgebirgskreis neu besetzt werden sollten, sind bisher nur neun tatsächlich vergeben. Davon betroffen ist beispielsweise die Annen-Oberschule im Reitbahnviertel. Fast ein halbes Jahr lang hatte dort eine siebte Klasse keinen Unterricht in Physik. Eine Lehrerin, die das Fach unterrichtet, ist schon längere Zeit krank. Die beiden verfügbaren Lehrer leisteten Überstunden und wurden von Schulleiterin Ulrike Schulz vor allem in den drei Prüfungsklassen eingesetzt. Alle Klassen waren von Ausfall betroffen, aber die 7b hatte von Januar bis Anfang Juni gar keinen Physikunterricht. Eine Mutter war darüber derart empört, dass sie bei einer Diskussionsrunde mit dem Sächsischen Bildungsminister Christian Piwarz (CDU) im Mai in Chemnitz aufstand und ihn fragte, ob sie die Rechnungen für den Physik-Nachhilfeunterricht ihres Sohnes vom Ministerium erstattet bekomme. Eine konkrete Antwort blieb der Minister ihr schuldig.

Auch für das neue Schuljahr ist es nicht gelungen, eine Lehrkraft für Physik einzustellen. Das Einstellungsverfahren laufe aber noch, berichtet die Sprecherin des Landesamts für Schule und Bildung. Schulleiterin Schulz erklärt, es sei eine pädagogisch vertretbare Lösung für das Problem gefunden worden. "Alle Klassen haben Physik", versichert sie. Das solle wie folgt gelöst werden: Ab der siebten Klasse gibt es für die Schüler einer Klasse unterschiedliche Lehrpläne, je nachdem, ob sie den Haupt- oder einen Realschulabschluss anstreben. Das betrifft die Fächer Deutsch, Englisch, Mathematik und Physik, später auch Chemie. Normalerweise werden für diese Fächer Gruppen mit den Hauptschulabschluss-Kandidaten gebildet und gesondert unterrichtet. In diesem Jahr werde man aber für Physik in der 7. Klasse keine gesonderte Gruppe bilden, erläutert die Schulleiterin. Alle Schüler erhalten Physikunterricht nach Realschul-Lehrplan.

Ob diese Lösung auch dann noch praktikabel ist, wenn für die Klasse 10 wieder die Prüfungszeit ansteht, kann Schulz noch nicht sagen. "Wir rechnen momentan immer nur bis zur nächsten Woche", sagte sie. Neben dem Physiklehrer seien an ihrer Schule noch weitere anderthalb Vollzeitstellen unbesetzt. (mit mib)

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