Organist von Orgel in Dorfkirche begeistert

Musiker erklärt Besonderheiten eines Callenberger Instruments

Callenberg.

Wieland Meinhold aus Weimar hat schon viele Orgeln in Europa zum Klingen gebracht. "Immer wenn ich auf der Autobahn in Richtung Ostsachsen gefahren bin, habe ich die große Dorfkirche gesehen und mir dabei gewünscht, irgendwann einmal die Kreutzbach-Orgel zu spielen", sagt der Universitätsorganist. In diesem Jahr hat es der 58-Jährige geschafft.

Was ihn besonders reizte: "Die Orgel verfügt noch über 95 Prozent ihres Original-Pfeifenbestandes", sagt der Organist. Die Callenberger Kreutzbach-Orgel holt ihre Klanggewalt aus 1973 Pfeifen, davon 1861 Lippenpfeifen und 112 Zungenpfeifen. Die größte bringt es auf 5,26 Meter ohne die 20 Zentimeter Sockel. Ihre Tonfrequenz liegt bei 32 Hertz. Menschen mit einem gut ausgeprägten Hörvermögen können Töne zwischen 16 Hertz und 20 Kilohertz wahrnehmen. Die kürzeste Pfeife misst nur einen Zentimeter. Zur Führung erfuhren die rund 20 Besucher der Orgelführung in Callenberg, dass zum Spielen der Orgel ein Luft- beziehungsweise Winddruck benötigt wird, der dem Druck von 85 bis 90 Millimeter Wassersäule entspricht.

Wieland Meinhold erklärte die riesigen Möglichkeiten, bei der durch Koppeln verschiedener Register das Klangspektrum ganzer Instrumentengruppen erzeugt und kombiniert werden kann. Im Unterschied zu einer vollromantischen Orgel wie die der Thomaskirche in Leipzig, bietet die Callenberger Orgel ein deutlich breiteres musikalisches Spektrum. "Diese Kreutzbach-Orgel erlaubt durch ihre Bauweise den Blick zurück in die Zeit des Barock, aber auch eine Vorschau in die Moderne", sagt Meinhold. Den Beweis blieb er nicht schuldig. Bei seinem Konzert ließ er Vivaldi, Torelli und Gentili, Komponisten des 17. Jahrhunderts, ebenso musikalisch aufleben wie Orgelromantik aus dem Norden mit Werken von Gade, Matthison-Hansen und Hägg, die im 19. /20. Jahrhundert lebten.

Vor 160 Jahren ist die Kreutzbach-Orgel im Zusammenhang mit dem Kirchenneubau unter Pfarrer Moritz Meurer eingebaut worden. Damals stand die Wahl zwischen den Angeboten von Jehmlich (Zwickau) und Kreutzbach (Borna). Die Kirchgemeinde entschied sich für die mit 2245 Talern preiswertere Kreutzbach-Orgel. 2002 wurde das Instrument letztmals restauriert. Meinhold: "Die Restauratoren haben ganze Arbeit geleistet und den ursprünglichen Klang erhalten."

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