Personalmangel: Gaststätten schränken Öffnungszeiten ein

Immer häufiger müssen die Inhaber von Gaststätten Maßnahmen ergreifen, weil Mitarbeiter fehlen. Die Gründe für die Misere liegen dabei weniger am Verdienst in der Branche.

Tino Winkler betreibt die am längsten bestehende Bar der Stadt. Schon seit 23 Jahren gibt es den Buschfunk am Rande der Innenstadt. Doch Cocktails werden dort neuerdings nur noch von Mittwoch bis Samstag gemixt. An allen anderen Tagen ist geschlossen. Denn dem Inhaber fehlen die Mitarbeiter.

"Ich bräuchte acht bis zehn Kräfte, um die Bar an allen Tagen öffnen zu können", sagt Tino Winkler. "Derzeit habe ich eine Pauschalkraft. Den Rest decken Freunde und Familie ab." Das Problem: Die nächtlichen Arbeitszeiten seien unattraktiv, zudem würde er weibliche Pauschalkräfte ungern allein von der Arbeit nach Hause gehen lassen - "zu unsicher", sagt Winkler.

Eine dünne Mitarbeiterdecke, das kennen andere Gastronomen auch. Da ist zum Beispiel das Restaurant "Laurus" inHartmannsdorf. Inhaber Norbert Hanussek hatte bis vor einiger Zeit noch Samstagmittag geöffnet. Jetzt gibt es nur noch Abendtisch, von dienstags bis samstags. "Ich könnte mein Personal mit Studenten aufstocken", sagt er. "Aber die haben oft kein Auto und kommen wegen der schlechten Verkehrsanbindung nicht zu uns raus." Oder das "Heck-Art": Das Restaurant hat sonntags und montags Ruhetag. Geschäftsführer Gernot Roßner: "Dort arbeiten zwei Köche und zwei ausgebildete Restaurantfachleute. Denen muss ich ihre freien Tage ermöglichen." Oder das "Bräu-Stübl" in Reichenbrand: Nach Jahrzehnten durchgängiger Öffnung ist derzeit montags Ruhetag. "Wir sind zwar mit unseren 17 Leuten gut aufgestellt, können unser Personal aber auch nicht verheizen", sagt Inhaber Matthias Bergt. Erst im Dezember soll wieder täglich geöffnet sein.

Franziska Luthardt, Geschäftsführerin der Chemnitzer Regionalstelle des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga, kennt die Personalprobleme der Gastronomen. "Der Druck auf den Arbeitsmarkt nimmt zu", sagt sie. Das liege allerdings nicht nur an der Bezahlung. Längst seien Tarife oberhalb des Mindestlohns an der Tagesordnung. "Viel mehr kämpfen wir um flexiblere Arbeitszeiten", sagt Luthardt. Servicepersonal und Köche dürfen nach dem Bundesgesetz nicht länger als acht Stunden am Tag arbeiten. "Das ist in der Gastronomie aber kaum umsetzbar", so Franziska Luthardt. "Der Gastronom bräuchte weniger Personal, wenn er einen Mitarbeiter an einem umsatzstarken Tag auch mal zehn Stunden arbeiten lassen könnte." Dafür gebe es wiederum Tage, an denen das Personal nur vier oder fünf Stunden im Einsatz sein müsste. Weiterer Streitpunkt: die unterschiedliche Besteuerung im Gastgewerbe. Systemgastronomen mit Außer-Haus-Geschäft würden demnach nur 7 Prozent Mehrwertsteuer abführen. Restaurants, in denen der Gast den Service am Tisch erfährt, unterliegen einer 19-prozentigen Veranlagung. "Das empfinde ich als ungerecht", sagt Luthardt.

Tobias Gust, Chef im "Kellerhaus" am Schloßberg, würde die zunächst gesparten Steuern sofort ins Personal investieren. Dabei weiß er: "Ums Geld geht es in der Mitarbeiterfrage längst nicht mehr." Sein Restaurant habe mit derzeit 20 Mitarbeitern und drei Auszubildenden täglich geöffnet. "Wichtig ist es in erster Linie, den Angestellten Wertschätzung entgegen zu bringen", sagt er. "Wir gestalten flexible Dienstpläne. Will jemand am Wochenende frei haben, dann wird das organisiert. Urlaub muss keiner mehr nehmen, um Samstagabend eine private Veranstaltung zu besuchen." Zudem sei es ihm wichtig, den Spaß am Job zu vermitteln. "Ein Tischler, der jahrelang nur Fenster einsetzt, hat auch keine Lust auf seinen Job", vergleicht er. "Deshalb sind unsere Servicekräfte nicht nur Tellertaxis, die Köche nicht nur Fertigmischer." Er sichere sein Personal, weil er die Kreativität des Berufes anpreise, den handwerklichen Aspekt fördere.

Am 19. November öffnet in der Innenstadt das Burger-Restaurant "Hans im Glück". Zusätzlich zu seinen bisher 250 Mitarbeitern in den Restaurants "Miramar", "Pelzmühle", "Diebels Faßkeller" und anderen Lokalen außerhalb der Stadt, will Inhaber André Gruhle dort 50 Fachkräfte beschäftigen. Woher die kommen sollen? "Es gibt Bewerbungen", sagt der Gastronom, "weil wir fair bezahlen, moderne Arbeitsbedingungen bieten und mit Flexibilität punkten." Den Grundstein für eine gute Personalpolitik sieht Gruhle vor allem in einem Punkt: "Die Ausbildung ist das A und O, darauf müssen wir noch größeren Wert legen." Es liege auch an jedem selbst, den Nachwuchs zu fördern.

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
12Kommentare
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  • 3
    2
    Zeitungss
    vor 3 Stunden

    Heute schöner Artikel in der FP. "Mehr Verstöße gegen den Mindestlohn". Er untermauert nur zu gut meine Gedanken zu diesem Thema. Gastwirte, welche aufstocken müssen, habe ich in dem Beitrag keine gefunden, diese Frage konnte kürzlich schon niemand beantworten, dafür gab es genügend rote Däumchen.
    Bleibt die bange Frage, warum sollte der Staat auch dagegen vorgehen, die Aufsichtspflicht verletzt er ja auch ohne Nachwehen.

  • 0
    1
    Zeitungss
    09.11.2018

    Wo sind die Gegenargumente von den ROTEN ??????

  • 5
    2
    Zeitungss
    08.11.2018

    Wenn jemand 1000Euro verdient, ist es ein Unterschied ob er dafür 10 oder 200 Std. arbeiten muss. Möglicherweise spielt genau das eine Rolle, aber darüber sollte bekanntlich nicht nachgedacht werden. Die Bezahlung ist soooo gut, nur über die Zeit sollte man nicht sprechen. Es könnte durchaus sein, dass der eine oder andere Gastwirt sich wiedererkennt, oder ?????

  • 2
    4
    aussaugerges
    08.11.2018

    ........am Verdienst so ein Käse!
    Unser Lehrling ist dorthin gegangen wo es 900 Euro Netto gab, im 1 Lehrjahr !

  • 2
    4
    aussaugerges
    08.11.2018

    So ein unsäglicher Verband ist auch die Berufsgenossenschaft mit ihren Horror Beiträgen.
    Und die GEZ die fast 20 000 000 000 Milliaden verschwendet,unfaßbar.

    Die Institute und Verbände wollte der Schäuble schon mal um 200 reduzieren.

  • 9
    1
    Zeitungss
    05.11.2018

    cn3bo....: Absoluter Treffer !!!!! DANKE

  • 15
    0
    Steuerzahler
    05.11.2018

    Die heutige Situation ist nicht zuletzt die Quittung dafür, wie in den Jahren nach der Wende mit dem Personal umgegangen wurde! Ein Probearbeiter nach dem Anderen, Überstunden die nicht bezahlt wurden, ein Arbeitszeitgesetz nur auf dem Papier usw. ist. Hat sich da jemand in der Branche um den Ruf gesorgt? So lange Lehrstellen Mangelware waren, ging es gut. Jetzt muss der Firmeninhaber um den Lehrling kämpfen. So ändern sich die Zeiten. Leidtragend sind letztendlich die Gäste, die irgendwann vor verschlossenen Türen stehen.

  • 13
    2
    cn3boj00
    05.11.2018

    Ja ja, die Dehoga, der Ausbeuterverband im Gaststättengewerbe macht mal Stimmung. Und natürlich recherchieren die FP-Autoren nichts, sondern schreiben brav was der Arbeitgeberverein diktiert. Was soll der Leser mit so einem Artikel anfangen? Warum hat die Autorin keinen betroffenen Angestellten gefragt? Warum hat sie nicht gefragt ob nach Tarif bezahlt wird?
    Dazu sei folgendes festgestellt: Die Dehoga als Arbeitgeberverband ist Tarifpartner. Durch eine Öffnungsklausel dürfen auch nichttarifgebundene Unternehmer Mitglied sein. Denn nur 10% der Betriebe im Osten sind tarifgebunden. Die Branche beschäftigt massenhaft Minijobber, und die Dehoga hat natürlich kein Interesse daran, dass die Zahl der tarifgebundenen Betriebe steigt.
    Das Gejammer der Frau Luthardt zu Arbeitszeiten ist schlicht gelogen: "Servicepersonal und Köche dürfen nach dem Bundesgesetz nicht länger als acht Stunden am Tag arbeiten." Wo bitte steht das? Für Köche und Servicepersonal gilt das Arbeitszeitgesetz wie für alle anderen Arbeitnehmer ohne Sonderregelungen, und das heißt, dass die Arbeitszeit 8 Stunden beträgt und auf 10 Stunden verlängert werden kann wenn innerhalb von 6 Monaten der 8-Stunden-Durchschnitt nicht überschritte wird. Flexible Arbeitszeiten sind also überhaupt kein Problem. Man muss nur machen. Wie, das zeigen ja einige Beispiele!

  • 8
    2
    Blackadder
    05.11.2018

    @ zeitungss: Von mir ist ein grüner. Man muss von seinem Einkommen auch leben können. Das Gejammer über den Mindestlohn kann ich nicht nachvollziehen.

  • 7
    2
    Zeitungss
    05.11.2018

    Ist ja überwältigend, 8 Rote in so kurzer Zeit. Könnte davon wenigstens EINER etwas zu meiner letzten Frage sagen ???? Ich könnte liefern, die Roten eher nicht.

  • 8
    8
    Zeitungss
    05.11.2018

    Der Lohn ist es also nicht, nun ist mir auch klar warum alle Kellnerinnen und Kellner die ich kenne, Vermögenssteuer zahlen. Die Arbeitgeber kümmern sich um den Arbeitsweg der Beschäftigten, was kommt da noch???? In der Vergangenheit gab es schon genug Beiträge wie dieses Geschäft funktioniert, auch hier in de FP, nun wachen die Betroffenen eben einmal auf. Wer die heutigen Preise in Gaststätten studiert, fragt sich schon, warum es gerade mal zum Mindestlohn oder 2 Cent darüber für die Beschäftigten langt. Es gibt den schönen Spruch, selber fressen macht dick, hier trifft er sogar zu.
    Frau Luthardt, wieviel Gaststättenbetreiber gehen denn schon aufstocken ????? Von den Beschäftigten könnte ich eine Anzahl bringen, auch wenn es niemand wirklich wissen will.

  • 18
    26
    ArndtBremen
    05.11.2018

    Na Gott sei Dank. Ich dachte schon, daß die Freitagsdemos von PC wieder daran schuld sein müssen.

  • 20
    22
    Hinterfragt
    05.11.2018

    "...würde er weibliche Pauschalkräfte ungern allein von der Arbeit nach Hause gehen lassen - "zu unsicher", sagt Winkler...."

    Komisch!
    Damit widerspricht er doch offen Runkel und Ludwig ... die sagen doch genau das Gegenteil!



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