Personalnot in Kindergärten setzt Kommunen unter Druck

Damit die Betreuung weiterhin gesichert ist, werden Zuschüsse erhöht. Ab Juni könnte sich die Situation noch verschärfen.

Burgstädt/Hartmannsdorf.

Betreiber von Kitas suchen händeringend nach Erziehern. Nach Angaben der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) werden bundesweit 100.000 Leute gebraucht, um vernünftig arbeiten zu können. Für den Landkreis Mittelsachsen und die Burgstädter Region liegen keine Angaben vor. Aber Träger von Einrichtungen signalisieren durch Stellenanzeigen, dass Personalnot besteht.

So sagte auf Nachfrage die Burgstädter Hauptamtsleiterin Josefine Müller zur Situation in der Kita Mühlau, die von der Kommune betreut wird: "Die Suche nach geeignetem Personal gestaltet sich durchweg schwierig." Aber die Stellen seien bisher immer besetzt worden. Zurzeit gibt es dort 13 Erzieher und eine Leiterin bei 111 Kindern. Alle anderen Kitas der Stadt Burgstädt und der Gemeinde Taura befinden sich in freier Trägerschaft. Die Stadt übernimmt die Betriebskosten, die aus Sach- und Personalkosten bestehen, so Müller. Für dieses Jahr seien leichte Steigerungen der Betriebskostenzuschüsse zu verzeichnen. Im Haushaltsplan für das Jahr 2019 sei das berücksichtigt worden.

Christoph Ulrich

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Insgesamt gibt es in Sachsen 34.600 Erzieher, so eine Sprecherin des Kultusministeriums auf Nachfrage. Wie viel tatsächlich Stellen unbesetzt sind, sagt sie nicht. Aber: "Um mehr Erzieher für Sachsen zu gewinnen, werden wir für das kommende Schuljahr 200 zusätzliche Ausbildungsplätze an den staatlichen Fachschulen bereitstellen", kündigte Kultusminister Christian Piwarz an. Auch der Zugang zur Erzieherausbildung werde erweitert. Gebraucht würden 800 neue Erzieher pro Jahr, um den Generationswechsel in den Kitas zu meistern. Jährlich werden etwa 2000 Erzieher in Sachsen ausgebildet, aber davon kämen zu wenige in die sächsischen Kitas. Und die Sprecherin macht noch auf ein anderes Problem aufmerksam: Durch den verbesserten Betreuungsschlüssel und durch die ab 1. Juni 2019 gültige Vor- und Nachbereitungszeit für pädagogische Fachkräfte werde zusätzlich Personal gebraucht.

Auch unter diesem Gesichtspunkt hat zwischen den Betreibern ein Konkurrenzkampf bei der Personalsuche begonnen. So will die Gemeinde Hartmannsdorf ab diesem Monat mehr Geld für die Kindertagesstätten im Ort bezahlen. Fast 250.000 Euro sollen nach Angaben von VizeKämmerin Sandra Thomanek in diesem Jahr zusätzlich an die freien Träger ausgezahlt werden. Das Geld werde aus der Rücklage der Kommune genommen, sagte sie.

Im kommenden Jahr solle der Zuschussbedarf bereits im Plan höher angesetzt werden und insgesamt rund 1,1 Millionen Euro betragen. Grundlage dafür sei eine Richtlinie über die Finanzierung und Leistungssicherstellung der Kindertagesstätten in freier Trägerschaft, die der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen hat.

Der Verein Freundeskreis "Indira Gandhi" aus Chemnitz betreibt die Tagesstätten "Sonnenschein" mit 160 Plätzen für Kinder im Alter von einem bis zu fünf Jahren und "Crazy Kids", zu der Vorschule und Hort gehören. Die Vorschule in der Schulstraße hat eine Kapazität von 36 Plätzen, der Hort in der Friedrichstraße verfügt über 127 Plätze.

Der Hartmannsdorfer Verein Pro Pueritia betreibt das Kinderhaus Weltenbaum. Es bietet vorrangig für Kinder der Mitarbeiter der Komsa-Unternehmensgruppe 70 Plätze im Krippen- und Kindergartenbereich an. Beide Träger hatten mitgeteilt, dass die von der Kommune gewährten Zuschüsse in der bisherigen Höhe nicht mehr auskömmlich wären, sagte Weinert. Eine Auswertung der Betriebskosten habe gezeigt, dass die Hinweise berechtigt seien.

Die Verwaltung habe nach Rücksprache mit dem Jugendamt ausgelotet, welche Mittel aus der öffentlichen Kasse zusätzlich verwendet werden könnten, um den Mehrbedarf der Kita-Betreiber zu decken. Zu Lasten des erreichten Standards in den Einrichtungen oder der Qualität der pädagogischen Arbeit solle nach Meinung der Räte nicht gespart werden. Die Zuschüsse seien nun so berechnet, dass die Träger ihre Ausgaben stemmen können, sagte Kämmerin Thomanek. Aktuell seien die Betriebskosten der wichtigste Faktor für den steigenden Zuschussbedarf, fügte sie hinzu. So sei durch den Fachkräftemangel ein Punkt erreicht, der es keinem freien Träger mehr erlaube, Mitarbeiter deutlich geringer als etwa der öffentliche Dienst zu entlohnen. Andernfalls würde die Einrichtung erfahrene Kräfte verlieren und keine geeigneten neuen Mitarbeiter finden.

Keine Personalnot verzeichnet indes die Johanniter-Unfall-Hilfe, die 56 Kitas in Sachsen betreut, davon zwei in Taura. "Wir haben keinen Erziehermangel. Das liegt an unserer guten Bezahlung nach Tarif", sagte Dirk Roscher vom Regionalvorstand Meißen/Mittelsachsen. Das Einstiegsgehalt für einen Erzieher liege bei 2839 Euro brutto. Hinzu kämen ein volles 13. Monatsgehalt, Kinderzuschläge, Altersvorsorge und andere Vergünstigungen. Trotzdem suche man nach Erziehern, weil Beschäftigte durch Schwangerschaft und Elternzeit ausfielen. Auch in Lichtenau und Claußnitz, wo die Kitas in kommunaler Trägerschaft sind, bestehen keine personellen Engpässe, versichern die Bürgermeister. "Wir ,leisten' uns sogar ein wenig mehr Personal als gesetzlich vorgeschrieben", sagte Lichtenaus Bürgermeister Andreas Graf. Lichtenau hat sechs Kitas mit 530 Plätzen und 50 Erziehern.

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