Problemzone Sandkasten

Dauerbrenner Spielplätze: Dagmar Badock und Julia Lindner vom Grünflächenamt über die Pläne der Stadt und die Wünsche der Chemnitzer

Weil es in Chemnitz wieder mehr Kinder und Jugendliche gibt, will die Stadt deutlich mehr Spiel- und Freizeitanlagen erhalten als noch vor einigen Jahren geplant. Das sieht der Entwurf der Spielplatzentwicklungskonzeption für die Zeit bis 2025 vor, über die der Stadtrat demnächst entscheidet. Die Chemnitzer hatten mehrere Wochen lang Gelegenheit, ihre Meinung zu den Plänen kundzutun - in Bürgerforen, in den Sitzungen der Ortschaftsräte oder per E-Mail. Über die Ergebnisse, weitere Vorhaben und ärgerliche Problembaustellen hat Michael Müller mit Dagmar Badock und Julia Lindner vom Grünflächenamt gesprochen, das für die städtischen Spielplätze zuständig ist.

"Freie Presse": Frau Badock, Frau Lindner, müssen Sie nach Abschluss der Bürgerbeteiligung Ihre Spielplatzkonzeption nun noch mal völlig überarbeiten?

Dagmar Badock: Nein. Aber es gab eine ganze Reihe von Hinweisen, die wir den Stadträten jetzt vorlegen werden. Einschließlich einer Liste, was über die Konzeption hinaus von den Chemnitzern an Angeboten gewünscht wird.

Was denn zum Beispiel?

Badock: Ein großer Wasserspielplatz - diesen Wunsch haben wir öfter gehört. So etwas gibt es in Chemnitz noch nicht.

Wo sehen die Chemnitzer Korrektur- bzw. Nachholbedarf bei den vorhandenen Anlagen?

Badock: Immer wieder gewünscht werden mehr Angebote für Kleinkinder bis drei Jahren, insbesondere Sandkästen. "Da gab's früher mehr", heißt es oft. Aber auch Anlagen für ältere Kinder, so ab zwölf Jahre, wurden mehrfach genannt. Bolzplätze vor allem oder auch mal eine Kletterwand.

Werden Sie diesen Anregungen folgen?

Badock: Wir prüfen jeden dieser Hinweise und teilen unsere Einschätzung den Stadträten mit. Bei Sandkästen etwa haben wir erfahrungsgemäß oft Probleme mit Verunreinigungen - Zigarettenkippen, Glasscherben, Katzenkot, sogar Spritzen. Wir kontrollieren die Anlagen zwar wöchentlich, aber das reicht dann oft nicht aus. Bei neuen Anlagen müssen wir dies bedenken. Planerisch ist das eine große Herausforderung und bedarf im Vorfeld einer intensiven Nutzerbeteiligung. Julia Lindner: Bei Bolzplätzen wiederum stellt sich das Problem des Lärmschutzes. Die Anlagen müssen von Gesetzes wegen einen recht großen Abstand zu Wohnhäusern aufweisen. Solche Flächen aber gibt es gerade in dicht besiedelten Stadtteilen so gut wie nicht.

Also wird es kaum zusätzliche Bolzplätze geben können?

Lindner: Wir überlegen, ob wir vielleicht Flächen nahe geplanter Radwege entlang alter Bahnstrecken nutzen können. Da gibt es oft nicht so viel Bebauung ringsum. Unsere Erfahrung zeigt: In dieser Altersgruppe fährt man auch mal ein paar Kilometer mit dem Rad, um sich auf dem Bolzplatz zu treffen.

Sind aufgrund der Bürgerhinweise größere Änderungen an der Konzeption geplant?

Badock: In Klaffenbach zum Beispiel wollten wir eigentlich nur einen der beiden Spielplätze dort langfristig erhalten - den am Wasserschloß. Im Gespräch mit den Ortschaftsräten haben wir uns überzeugen lassen, dass es auch für den Erhalt der zweiten Anlage im Zentrum des Ortsteils Bedarf gibt. Das war absolut nachvollziehbar. Also schlagen wir den Stadträten nun vor, auch dieses Angebot zu erhalten.

Wie geht es mit dem Papier weiter?

Badock: Die Konzeption wird jetzt zügig noch einmal bearbeitet, danach dem Planungs-, Bau- und Umweltausschuss vorgelegt. Im Anschluss entscheidet der Stadtrat.

Welche Anlagen werden unabhängig davon in diesem Jahr noch fertiggestellt?

Badock: Aktuell bauen wir die neue Spielemeile im Küchwaldpark auf. Sie besteht aus mehreren Stationen und soll Ende August fertig sein. Unser größtes Objekt in diesem Jahr entsteht am Scharnhorstplatz in Hilbersdorf. Der Spielplatz dort wird komplett neu gestaltet. In Markersdorf erhält die große Anlage "Am Harthwald" unter anderem einen neuen Kleinkindbereich, eine neue Seilbahn und neu gestaltete Wege. Auch der Spielplatz im Park am Falkeplatz wird überarbeitet.

Was wird mit dem Spielplatz Lortzingstraße, der seit vergangenem Jahr teils eingezäunt ist?

Badock: Die Entwürfe für die neue Anlage sind fertig und weitgehend abgestimmt. Die Ausschreibung zur Umsetzung können wir aber erst veröffentlichen, wenn der städtische Haushalt für die Jahre 2019/20 bestätigt ist. Das wird wohl im Frühjahr nächsten Jahres sein. Lindner: Leider kommt es zudem immer häufiger vor, dass auf Ausschreibungen gar keine Angebote eingehen. Oder nur ein einziges, das dann oft deutlich über der Kalkulation liegt. Die Preise im Tief- und Landschaftsbau sind derzeit außer Rand und Band, wie in anderen Bereichen auch. Aber die Verärgerung über längere Zeit eingezäunte Spielgeräte können wir gut verstehen. Das gefällt auch uns überhaupt nicht.

Aber so ein Spielplatz geht doch nicht über Nacht kaputt. Das kündigt sich doch an, oder?

Lindner: Wir versuchen, hier besser zu werden und künftig noch frühzeitiger zu reagieren. Bei Reparaturen mit Ersatzteilen für Spielgeräte sind wir aber oft auf die Hersteller angewiesen. Und da ist es leider so, dass die Lieferfristen derzeit unheimlich zugenommen haben. Sowohl auf neue Spielgeräte als auch auf Ersatzteile warten wir mittlerweile zwölf bis 22 Wochen. Selbst bei kleineren Ersatzteilen dauert es vielfach recht lange. Badock: Hinzu kommt, dass sich oft zunächst die Frage stellt, welche Perspektive die Anlage insgesamt hat. Wenn klar ist, dass sie in absehbarer Zeit ohnehin komplett erneuert werden muss, weil sie nun mal ihr Alter erreicht hat, dann müssen wir natürlich abwägen: Stecken wir dort noch einmal in großem Umfang Geld hinein oder planen wir gleich neu?

Wie viele Mitarbeiter stehen der Stadt für ihre Spielplätze zur Verfügung?

Lindner: Unsere knapp 100 öffentlichen Anlagen werden von zwei Trupps mit je drei Mitarbeitern einmal die Woche kontrolliert und gepflegt. Das ist sehr anspruchsvoll. Zumal es einige Brennpunkte gibt, die stark beansprucht werden. Dort haben die Mitarbeiter entsprechend länger zu tun - zum Beispiel weil nach den Wochenenden regelmäßig jede Menge Müll herumliegt oder Reparaturen anfallen, die durch Vandalismus entstanden sind. Badock: Für die Planungen von Neuanlagen steht uns eine Mitarbeiterin zur Verfügung. Sie kümmert sich aber sowohl um die öffentlichen Spielplätze als auch um die in den Kindereinrichtungen, Schulen, Horten und Freibädern. Da derzeit gleich mehrere neue Kitas gebaut und andere Einrichtungen im Außenbereich umgestaltet werden, hat auch sie viel zu tun. Sie kümmert sich um die Reparaturen, Ersatzbeschaffungen und um Ergänzungen.

Das klingt so, als ob ein großer Wasserspielplatz für Chemnitz auf absehbare Zeit Wunschmusik bleiben wird?

Badock: Eine solche Anlage wäre ein "Leuchtturm-Projekt". Zurzeit konzentrieren wir unsere Arbeit auf den Erhalt und die Instandsetzung der vorhandenen Anlagen.

Gäbe es denn eine geeignete Fläche dafür?

Badock: Ich könnte mir gut vorstellen, einen Wasserspielplatz im Bereich des Botanischen Gartens zu bauen. Dort wäre durch soziale Kontrolle und das Verschließen des Geländes in den Abend- und Nachtstunden auch der Vandalismus weitestgehend zu vermeiden.

Letzte Frage: Wann endlich wird der Spielplatz am Tierpark erneuert?

Badock: Diese Entscheidung wird der Stadtrat mit dem Masterplan Tierpark treffen.


Zuständig für Grünplanung und Spielplatzmanagement

Dagmar Badock leitet seit August vergangenen Jahres die Abteilung Grünplanung und Koordination im Grünflächenamt der Stadtverwaltung. Zu ihrem Aufgabengebiet gehört auch die Entwicklung neuer Grünanlagen, wie zuletzt Albertipark (Sonnenberg) und Wenzel-Verner-Platz (Helbersdorf).

Julia Lindner ist seit Dezember 2017 im Rathaus als Sachbearbeiterin Spiel- und Freizeitanlagen angestellt. Sie ist zuständig für das Spielflächenmanagement, die Fortschreibung des Bedarfsplans, das Planen von Sanierungen und Instandsetzungen. Zuvor war sie als Diplom-Ingenieurin für Landschaftsarchitektur tätig. (micm).

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