Prozess um Übergriff auf junge Frau beim Stadtfest

Gericht spricht 22-Jährigen nach Belästigung im Stadthallenpark frei

Es war das Stadtfest 2017, es war Nacht, die Party ringsherum bereits am Abklingen. Eine 26-Jährige ist mit ihrer Freundin auf dem Nachhauseweg. Als im Stadthallenpark eine Gruppe junger Männer an ihnen vorbeiläuft, spürt die junge Frau plötzlich, wie ihr jemand von hinten in den Schritt fasst. "Ich war sprachlos, geschockt", schildert sie. "Ich hätte nie damit gerechnet." Zumal sich das Ganze unmittelbar vor mehreren Polizisten zutrug.

Die nahmen kurz darauf einen 22-Jährigen mit, der für den Übergriff verantwortlich sein soll. Der junge Mann erhielt später einen Strafbefehl über 300 Euro wegen sexueller Belästigung. Doch der junge Syrer beteuerte seine Unschuld: Weder habe er sich an der Frau vergriffen, noch hätten er und seine Kumpels etwas von einem solchen Vorfall mitbekommen, äußerte er.

Deshalb musste sich am Montag das Amtsgericht mit dem Fall beschäftigen. Es hörte, was der Angeklagte zu den Vorwürfen zu sagen hatte, und woran das Opfer sich erinnern konnte. Am Ende waren sich Staatsanwältin, Richter und Verteidiger einig - Freispruch. Zwar sei wohl unstrittig, dass es den Vorfall gegeben habe, hieß es. Auch seien die Aussagen der jungen Frau glaubwürdig. Das Problem sei nur, dass sich die Tat nicht klar dem Angeklagten zuordnen lasse.

Die junge Frau, die den Übergriff nach eigenem Bekunden gut verarbeitet hat, hatte den 22-Jährigen vor allem deshalb in Verdacht, weil er besonders dicht an ihr vorbeigegangen war. Das, so betonte sie, habe sie auch der Polizei gegenüber so angegeben. Dort habe man ihr dann eine Reihe von Fotos junger Migranten vorgelegt - ohne dass sie mit Gewissheit eine der Personen als Täter hätte identifizieren können.

Dass für den Übergriff überhaupt eine Strafe wegen sexueller Belästigung im Raume stand, ist laut Staatsanwaltschaft auf die Verschärfung des Strafrechts infolge der Ereignisse Silvester 2015 in Köln zurückzuführen. "Früher wäre so etwas, wenn überhaupt, als Beleidigung behandelt worden", hieß es am Rande des Prozesses. Mittlerweile gebe es derartige Strafverfahren häufiger. Auch, weil die Bereitschaft zur Anzeige gestiegen sei - bis hin zu entsprechenden Vorfällen unter Arbeitskollegen.

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