Schadstoff-Belastung: Kita muss in anderen Stadtteil ausweichen

Wegen gesundheitlich bedenklicher Stoffe werden Fußböden erneuert. Das wird teuer und hat Folgen auch für andere Einrichtungen.

Die Umzugskartons stehen schon bereit: Für rund 80 Vorschulkinder eines städtischen und eines katholischen Kindergartens auf dem Sonnenberg beginnt in diesem Monat ein Abenteuer besonderer Art. Wegen dringender Sanierungsarbeiten an dem gemeinsam genutzten Gebäude an der Pestalozzistraße müssen sie für längere Zeit in eine andere Einrichtung umziehen. Die allerdings liegt einige Kilometer vom heimischen Viertel entfernt - in Bernsdorf. Die Begeisterung bei vielen Eltern hält sich in Grenzen.

Im Vergleich zum derzeitigen Zustand erscheint die Auslagerung dann aber wohl doch als das geringere Übel. Denn der in den Nachkriegsjahren errichtete Bau ist stark mit Schadstoffen belastet. Von Polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) sprechen Experten, landläufig ist von Napthalin die Rede. Der Stoff gilt als gesundheitsschädlich und umweltgefährlich. Er steht in Verdacht, Krebs zu erregen.

Als Quelle des Übels gelten Teerstoffe, die bis in die 1950er- und 1960er-Jahre hinein in Fußböden verbaut wurden, erläutert Frank Schubert vom städtischen Gebäudemanagement. Die negativen Auswirkungen seien erst nach einer Wärmesanierung in jüngerer Vergangenheit zutage getreten - in Form von Geruchsbelästigungen. "Die Gebäude sind heute besser abgedichtet und nicht mehr so durchlüftet wie früher, sodass es in den Räumen zu höheren Konzentrationen kommt", verdeutlicht er. Seit Analysen der Innenraumluft die Ursache der Gerüche aufdeckten, wird regelmäßig intensiv gelüftet.

Und die Kitas an der Pestalozzistraße sind kein Einzelfall. Auch in einem Gebäude der Industrieschule am Park der Opfer des Faschismus stehen wegen des selben Problems umfangreiche Bauarbeiten an. Die Verantwortlichen im Rathaus gehen von mindestens einem Jahr Bauzeit aus, da die Fußböden mehrerer Etagen betroffen sind.

Während für die gesperrten Bereiche der Berufsschule eine interne Lösung gefunden wurde, bleibt für die beiden Kitas nur der Umzug in ein Ausweichobjekt. Der allerdings hat es gleich in doppelter Hinsicht in sich. Zum einen, weil in der Stadt Kitaplätze bekanntlich ohnehin knapp sind. Zum anderen, weil der für Mitte des Monats geplante Umzug auch in Bernsdorf einiges durcheinanderbringt.

Gunda Georgi, die Leiterin des Amtes für Jugend und Familie, spricht von einer Herausforderung. Denn der als Ausweichquartier vorgesehene Komplex an der Augsburger Straße wird derzeit noch als Hort genutzt. Um dort Platz für die Kinder der Sonnenberg-Kitas zu schaffen, sollen die Hortkinder künftig im Gebäude der benachbarten Heinrich-Heine-Grundschule betreut werden. In Räumen, in denen bislang das Medienpädagogische Zentrum (MPZ) untergebracht war. Es versorgt Kitas und Schulen mit Lehr- und Unterrichtsmedien, bietet medienpädagogische Beratungen und Fortbildungen an und hat künftig an der Ritterstraße seinen Sitz.

Elternvertreter der Heineschule sprechen von einem guten Kompromiss. "Unsere größte Sorge ist das Außengelände", sagt der Vater eines Grundschülers. "Es bietet vergleichsweise wenig Platz für so viele Kinder." Deshalb solle nun geprüft werden, ob weitere angrenzende Flächen genutzt werden können.

Schließlich - die Kosten. Für die Erneuerung der Fußböden allein in der Kindertagesstätte auf dem Sonnenberg werden nach Rathausangaben 1,3 Millionen Euro fällig, für die in der Industrieschule wird mit 900.000 Euro kalkuliert. Weil das Geld naturgemäß nicht im Haushalt eingeplant war, soll es nun von anderen Bauprojekten abgezweigt werden, für die in diesem Jahr geringere Ausgaben fällig werden als zunächst erwartet. Der Stadtrat entscheidet Mitte kommender Woche.

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