Schandfleck kommt unter den Hammer

Maschinen in früherer Artiseda-Textilfabrik im Limbacher Zentrum stehen seit 20 Jahren still - Stadtverwaltung hofft auf Investoren

Limbach-Oberfrohna.

Es besteht Hoffnung, dass in eine Brache im Zentrum von Limbach-Oberfrohna wieder Leben einkehrt. In der nächsten Woche wird die frühere Artiseda-Textilfabrik zwangsversteigert. Die "Freie Presse" beantwortet dazu die wichtigsten Fragen.

Warum wird die frühere Artiseda-Fabrik zwangsversteigert?

Weil der Eigentümer aus Limbach-Oberfrohna nach Informationen der "Freien Presse" Schulden bei mehreren Gläubigern hat. In einem solchen Fall können diese eine Zwangsversteigerung beim zuständigen Amtsgericht beantragen. Die Stadt Limbach-Oberfrohna hat die Initiative ergriffen. "Es war ein langer Kampf, um das Gebäude wieder auf den Markt zu bringen", sagt Oberbürgermeister Jesko Vogel. Die Verwaltung habe nicht nur großen Aufwand betrieben, sondern auch viel Geld ausgegeben, um zum Beispiel einen Zwangsverwalter zu bezahlen. Eine konkrete Summe will Vogel nicht nennen.

Warum betreibt die Stadt einen solchen Aufwand?

Weil die ehemalige Textilfabrik wegen der blauroten Klinkerfassade sowie der Lage an der Chemnitzer Straße in Sichtweite zum Rathaus als die wohl markanteste Brache der Stadt gilt. "Wir wollen das Gebäude auf den Markt bringen und den städtebaulichen Missstand beseitigen", erklärt Vogel. Das Gebäude wurde um 1870 als Firmensitz der damaligen Trikotagenfabrik Louis Schaarschmidt errichtet und Ende der 1920er-Jahre umgestaltet. Doch seit 20 Jahren stehen die Nähmaschinen still. Seitdem brannte es mehrmals in Nebengebäuden. Zudem feierten junge Leute allem Anschein nach illegale Partys in der Brache. Dies soll nun ein Ende haben.

Wie läuft die Zwangsversteigerung ab?

Sie findet am Mittwoch, 29. August, um 10 Uhr im Amtsgericht Zwickau statt. Jeder Interessierte kann mitbieten. Festgelegte Intervalle gibt es dabei nicht, wie ein Gerichtssprecher auf Anfrage mitteilt. Bieter müssen allerdings im Voraus eine sogenannte Sicherheitsleistung in Höhe von zehn Prozent des Verkehrswertes hinterlegen. Dies kann etwa durch eine Überweisung, einen Bundesbankscheck oder eine unbefristete Bankbürgschaft geschehen. Da der Wert der Artiseda-Fabrik auf 80.000 Euro festgesetzt wurde, sind 8000 Euro nötig.

Gibt es ein Mindestgebot?

Dieses wird nach Angaben des Gerichtssprechers erst zu Beginn der Zwangsversteigerung bekannt gegeben. Grundsätzlich erlaubt das Gesetz beim ersten Termin aber nur dann einen Zuschlag, wenn die Hälfte des Verkehrswertes erreicht ist. Es müssen also mindestens 40.000 Euro geboten werden.

Wird die Stadtverwaltung mitbieten?

Ja. Laut OB Vogel will das Rathaus so gewährleisten, dass das Gebäude den Besitzer wechselt. Denn falls niemand ein Gebot abgeben sollte, bleibt der Privatmann aus Limbach-Oberfrohna vorerst Eigentümer. Nach Angaben des Gerichts würde in diesem Fall wahrscheinlich ein zweiter Versteigerungstermin zu einem späteren Zeitpunkt angesetzt. Bis zu welchem Betrag die Stadtverwaltung mitbieten wird, will Vogel im Vorfeld nicht verraten.

Hat die Stadtverwaltung überhaupt ein Interesse daran, das Gebäude zu ersteigern?

Nein. Das Szenario, dass sich sonst kein Interessent findet, bezeichnet der OB als ungünstigen Fall. Denn wie auch immer die denkmalgeschützte Artiseda-Fabrik künftig genutzt werden könnte: Um die Brache zu sanieren und einige marode Nebengebäude abzureißen, sind mehrere Millionen Euro nötig. "Die Stadt kann sich das nicht leisten", stellt Vogel fest. Er geht davon aus, dass sich ein oder mehrere Investoren finden. Das Rathaus habe bereits Anfragen zum Gebäude erhalten.

Wie sieht es eigentlich in der früheren Textilfabrik aus?

Das Bild gestaltet sich sehr unterschiedlich. Einige Etagen sind von Vandalismus gekennzeichnet. In anderen sieht es so aus, als ob die Textilproduktion sofort wieder aufgenommen werden könnte: Dort stehen noch immer Nähmaschinen in Reih und Glied. In Transportwagen und Kisten finden sich Babystrampler, T-Shirts, Unterhosen und andere Kleidung, die zum Teil noch originalverpackt ist. (jop)

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