Schau erzählt von Omas Dauerwelle und heißen Scheren

Die Weihnachtsausstellung im Wasserschloss zeigt eine Zeitgeschichte der Eitelkeit. Sie lädt auch zum Mitmachen ein.

Klaffenbach.

Es mutet martialisch an, das Dauerwellengerät aus einer vergangenen Zeit. An einen großen Motor, der Warmluft erzeugt, sind Schläuche angeschlossen. Sie transportieren die Luft in lange Greifarme mit Löchern, die sich in früheren Jahren eng um den Kopf der modebewussten Kundin legten. Bis zu 70 Grad heiß war die Luft, die aus den Löchern strömte und aus glattem Haar einen Lockenschopf formte, sagt Gunter Springsguth. Er ist Kurator der Weihnachtsausstellung "Schmerz und Eitelkeit" im Wasserschloss Klaffenbach.

Heutzutage sind Dauerwellen aus der Mode gekommen. Vorwiegend Ältere können sich noch an lange Sitzungen mit Lockenwicklern im Haar beim Friseur erinnern. "Dauerwellen werden in der Friseurausbildung gar nicht mehr gelehrt", hat Annekathrin Lehmann vom Wasserschloss in Erfahrung gebracht. Wer dennoch wissen will, wie Dauerwellen entstehen, müsse Fortbildungen besuchen. "Auch in manchen Salons werden Dauerwellen nicht mehr angeboten", sagt Annekathrin Lehmann.

Die Ausstellung, die bis Ende Januar im Wasserschloss zu sehen ist, zeigt Exponate aus der Sammlung des Friseurmeisters Gunter Heil aus Riesa. Neben eigenen Objekten aus der 100-jährigen Geschichte des familieneigenen Salons hat der über 80-Jährige in den vergangenen Jahrzehnten Geräte, Handwerksgegenstände, Instrumente, Flakons, Bücher, Plakate, Fotos und vieles mehr über die (Haar-)Schönheit vom 17. bis 20. Jahrhundert zusammengetragen. Im Wasserschloss sind einige Exponate auf zwei Etagen zu sehen. "Die Sammlung ist zehnmal so groß", sagt Springsguth.

Im Dachgeschoss zeigt er auf eine Haarschneidemaschine aus Paris von 1850. Um die kammartige Schere in Bewegung zu setzen, musste ein Lehrling an einer Kurbel drehen, erklärt der Kurator. Ein Friseur habe dann die Schere um den Kopf des Kunden bewegt. Zu sehen sind auch Onduliereisen und Brennscheren, mit denen die Haare geformt wurden. "Die Scheren wurden extrem aufgeheizt und die Haare damit gepresst. Das ist nicht immer gut gegangen und hat zu Verbrennungen auf der Kopfhaut geführt", erzählt Springsguth.

Besucher können die Schau aber nicht nur anschauen. Es wird auch eine Selfie-Wand geben, vor der man sich mit Perücken fotografieren kann, kündigt der Kurator an.


Blick vorab in neue Schau

Die Ausstellung "Schmerz und Eitelkeit" im Wasserschloss Klaffenbach ist vom 22. November bis 26. Januar zu sehen. Am 20. und 21. November kann die Schau von 11 bis 17 Uhr bereits vor der Eröffnung besichtigt werden. Die Vernissage findet am 21. November, 19 Uhr statt, der Eintritt dafür ist frei. Einen musikalisch-literarischen Abend rund um die Eitelkeit gibt es als Begleitveranstaltung am 18. Januar, 19 Uhr unter dem Motto "Aus dem Leben eines Kammes". (hfn)

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