Schusswechsel mit Polizei: Verdächtiger kandidierte für Stadtrat

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Der 33-Jährige, der in Reichenbrand auf Beamte gefeuert haben soll, war zur Wahl vor knapp zwei Jahren für die extrem rechte Gruppierung Pro Chemnitz angetreten.

Nach dem Schusswechsel bei einer Festnahme vor einigen Tagen in einem Wohnhaus in Reichenbrand geht die Polizei davon aus, dass sich die Ermittlungen noch eine Weile hinziehen werden. Derzeit werde der genaue Hergang des Geschehens geprüft, sagte eine Polizeisprecherin der "Freien Presse". Dabei sollen zunächst alle Beteiligten gehört werden, auch der 33-Jährige, der am Samstag schwer verletzt wurde.

Bei der versuchten Vollstreckung eines Haftbefehls hatte der Mann nach Angaben der Polizei auf die Beamten vor seiner Tür geschossen, als diese sich mithilfe eines Schlüsseldienstes Zutritt verschaffen wollten. Beim Erwidern des Feuers, wurde der 33-Jährige schwer verletzt. Er befindet sich den Angaben zufolge zur stationären Behandlung in einem Krankenhaus. Lebensgefahr bestehe nicht. Wie viele Schüsse die Beamten abfeuerten, war am Montag noch unklar. Bei der Waffe des Wohnungsinhabers handelte es sich nach ersten Erkenntnissen um eine Schreckschusswaffe. Sie sei für weitere Untersuchungen an Spezialisten des Landeskriminalamtes übergeben worden.

In dem etwas abseits gelegenen Viertel zwischen Jagdschänken- und Zwickauer Straße, einer ruhigen Wohngegend, sind die Ereignisse von Samstagmorgen noch immer Straßengespräch. Kaum einer habe den Mann näher gekannt, sagen Nachbarn. Andere wollen von den Ereignissen, die sich in einer der oberen Etagen der Siedlungshäuser abspielten, nur aus dem Radio erfahren haben.

Nach Informationen der "Freien Presse" handelt es sich bei dem mutmaßlichen Schützen um einen gelernten Schlosser, der in den vergangenen Jahren in der Sicherheitsbranche selbstständig tätig war. Ab 2015 fungierte er wiederholt als Ordner bei Aufmärschen von Asylgegnern in Chemnitz; im selben Jahr stand er wegen eines im Internet verbreiteten Aufrufs zu einer nicht angemeldeten Demonstration vor einer Flüchtlingsunterkunft im Stadtteil Kappel vor Gericht. Zur Stadtratswahl 2019 kandidierte er für die vom Verfassungsschutz beobachtete extrem rechte Gruppierung Pro Chemnitz. In einem ihrer Wahlkampfflugblätter wird der Mann als Organisator einer "Bürgerstreife" vorgestellt, zu der sich in Chemnitz "mutige Bürger" zusammengefunden hätten. Als Vorbild für seine Aktivitäten nennt er unter anderem eine rechtsextreme paramilitärische Gruppierung in Ungarn, die 2008 verboten wurde.

Pro-Chemnitz-Chef Martin Kohlmann sagte auf Anfrage, seine Gruppierung habe in letzter Zeit keinen Kontakt mehr zu dem 33-Jährigen gehabt. "Er hat sich schon länger nicht mehr bei uns sehen lassen", so Kohlmann.

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