Sexualdelikte: Jeder fünfte Fall im Zentrum

Die Anzahl der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung ist gestiegen. Das geht aus Daten des sächsischen Innenministeriums hervor. Die sind allerdings mit Vorsicht zu betrachten.

Anzahl der Straftaten: In Chemnitz sind im vergangenen Jahr 220 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung angezeigt worden. Das geht aus der Antwort des sächsischen Innenministeriums auf eine Anfrage eines AfD-Abgeordneten hervor. Im Vergleich zu 2016 bedeutet das einen Anstieg um rund zwölf Prozent. Im Vergleich zu 2015 (122) hat sich die Anzahl nahezu verdoppelt. Das Ministerium beruft sich auf die Arbeitsstatistik der Polizei, die alle Fälle erfasst, die im Zeitraum zwischen Januar 2015 und Dezember 2017 angezeigt und bearbeitet wurden. Die Daten lassen sich nur schwer mit jenen vergleichen, die jährlich in der Kriminalitätsstatistik veröffentlicht werden und abgeschlossene Fälle beinhalten. Diese Statistik listet für 2017 exakt 204 und für das Jahr zuvor 176 Fälle auf. Ähnlich viele waren es 2013 (183). Dazu kommt: Bei Sexualdelikten gehen Experten von einer hohen Dunkelziffer aus, weil sich beispielsweise nicht jeder traue, einen Vorfall zu melden. Gemessen an allen in der Stadt registrierten Straftaten machen Sexualdelikte mit etwa 0,8 Prozent nur einen kleinen Anteil aus.

Straftatbestände: Unter die Rubrik Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung fallen verschiedene Tatbestände. Bei etwa jeder vierten in den vergangenen drei Jahren in der Stadt aufgeklärten Tat handelte es sich um sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen. Jede fünfte Tat war eine Vergewaltigung nach altem oder neuem Sexualstrafrecht. Nach neuem Recht kann auch wegen Vergewaltigung verurteilt werden, wer ohne Gewalt, aber gegen den erkennbaren Willen einer anderen Person sexuelle Handlungen an dieser vornimmt. Ein weiteres Fünftel der Taten fiel in den Bereich Herstellung, Besitz, Erwerb und Verbreitung von Kinderpornografie. "Diese Fälle haben in den vergangenen Jahren zugenommen", sagt Jana Ulbricht, Sprecherin der Chemnitzer Polizei. Der Rest teilt sich auf verschiedene Tatbestände wie unter anderem exhibitionistische Handlungen und sexuelle Nötigung auf. Auch bei Letzterem verzeichne man eine steigende Tendenz, so Ulbricht.

Tatverdächtige: Von Januar 2015 bis Dezember 2017 hat die Polizei in Chemnitz 328 Tatverdächtige ermittelt, die mindestens eine Straftat gegen die sexuelle Selbstbestimmung begangen haben. Zwei Drittel davon waren deutscher Herkunft, der Rest hatte eine Staatsangehörigkeit eines anderen Landes. Zum Vergleich: Der Bevölkerungsanteil aller in der Stadt lebenden Ausländer betrug Anfang des Jahres 7,6 Prozent. Unter den ausländischen Verdächtigen, denen Sexualstraftaten vorgeworfen wurden, dominierten Menschen aus Afghanistan (24) vor Syrern (13) und Tunesiern (12). Im Zuständigkeitsbereich des Landgerichts Chemnitz verurteilt wurden 2017 exakt 71 Personen.

Tatorte: Fast jeder fünfte Vorfall in den vergangenen drei Jahren (18 Prozent) ereignete sich im Zentrum, gefolgt vom Sonnenberg (9 Prozent) und Schloßchemnitz (8 Prozent). In den Gebieten am Stadtrand wurden hingegen mit wenigen Ausnahmen wie Harthau und Ebersdorf deutlich weniger Sexualstraftaten registriert. Erfasst wurden alle Taten, unabhängig davon, ob diese in der Öffentlichkeit oder privaten Räumen verübt wurden. "Die meisten Sexualdelikte laufen hinter verschlossenen Türen ab", sagt Polizeisprecherin Ulbricht. Häufig stammten die Täter aus dem direkten Umfeld der Opfer.

Tatzeiträume: Das Innenministerium hat die angezeigten Vorfälle nach Monaten aufgeschlüsselt. Eine Häufung beispielsweise im Sommer, wenn viele Passanten auch abends noch in der Öffentlichkeit unterwegs sind, lässt sich aber nicht ausmachen. So wurde im vorigen Jahr im Februar und Juni mit je 24 angezeigten Delikten der Höchstwert erreicht. Die wenigsten Vorfälle gab es im Juli (11).

Ausblick: In den ersten sechs Monaten 2018 habe die Polizei ähnlich viele Sexualdelikte wie im Vorjahreszeitraum registriert, so Ulbricht.

Bewertung des Artikels: Ø 4.3 Sterne bei 3 Bewertungen
23Kommentare
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  • 0
    0
    Interessierte
    20.08.2018

    Danke , Blackadder , Sie sind ein sehr netter Mensch :-)
    Danke auch , Hinterfragt ..... :-)

  • 2
    2
    SimpleMan
    20.08.2018

    @Interessierte " ... Ich vermute schon seit Jahren , ob Sie nicht auch der Blackadder sind ??? ..." Die gleiche Meinung zu haben, bedeutet nicht, das man die selbe Person ist. Als deutsche Muttersprachlerin sollten Sie diesen Unterschied kennen oder sind Sie gar nicht von hier?

  • 0
    1
    Hinterfragt
    20.08.2018

    @Blackadder

    Kleiner Tipp: https://www.freiepresse.de/relaunch/das-ist-neu-auf-freiepresse-de-artikel10250905

  • 2
    1
    Blackadder
    20.08.2018

    Kleiner Tipp: Hier findet man die Übersicht der neusten Kommentare:

    https://www.freiepresse.de/meinungen/leserkommentare

  • 1
    3
    Interessierte
    20.08.2018

    Mich wundert es , dass Sie die alten Beiträge immer so schnell finden ..., Sie müssen doch ständig scrollen , ob irgendwo ein neuer Beitrag steht ..., da ham´se aber zu tun ....

  • 1
    3
    Interessierte
    20.08.2018

    Mich wundert es , dass Sie die alten Beiträge immer so schnell finden ...
    Wie viele Nicks hatten Sie denn dann zuvor ???
    Und , dann plappert der SimpleMan eben Ihnen nach ...

    Außerdem steht hier oben : Jeder fünfte Fall im ´Zentrum` ...
    Also nix mit Wohnung oder im Ehebett ...............

  • 2
    1
    Blackadder
    20.08.2018

    @Interessierte: Sie sind so witzig, dabei ist doch mittlerweile seit der Nutzer-Umstellung für alle eindeutig, dass man sich pro Abonummer nur mit einem Nutzernamen anmelden kann. Ich dachte, ich hätte Ihnen das auch schon mehrfach erklärt.
    Es ist sicher schwer zu verstehen, aber IHRE Meinung muss nicht von jedem geteilt werden, es gibt durchaus eine Menge Leute, die das nicht tun.

  • 2
    3
    Interessierte
    20.08.2018

    SimpleMan , Sie plappern den Medien nach .........................
    Ich vermute schon seit Jahren , ob Sie nicht auch der Blackadder sind ???

  • 4
    2
    aussaugerges
    15.08.2018

    Ich fahre lieber in den Globus nach Weischlitz da sind viele Kulturkreise aber ....
    die die nicht auffallen.

  • 3
    7
    SimpleMan
    15.08.2018

    @Interessierte " ... Aber warum hat man denn bisher nichts von den 2/3 Überfällen durch Deutsche gehört ..." Der Artikel handelt nicht von Überfällen, sondern von Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Die allermeisten der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung finden nicht im öffentlichen Raum statt, sondern zu Hause durch Bekannte, Freunde usw. Diese Straftaten werden in der Regel nicht veröffentlicht, sondern es werden nur die Straftaten veröffentlicht, die im öffentlichen Raum stattfinden.

  • 1
    4
    Interessierte
    15.08.2018

    Ich gehe in die Innenstadt , muß gezwungermaßen dahin , aber verloren habe dort nichts , wenn man was erleben will in seinem ´kurzen` Leben neben dem Hut- und Bier- und Weinfest auf dem ´heißen` Pflaster des Marktes , sollte man die Rathausinsel verlassen , und außerhalb ist ja auch nichts los außer noch ein Ringel um den Schloßteich laufen ...
    Da gab es doch auch noch den Brühl , was war denn das gleich ???

    Passiert ist mir noch nichts , aber ich bin immer froh , wenn ich heil heimkomme , man hört ja so viel - wie beklaut worden und Messer im Rücken ....
    Aber warum hat man denn bisher nichts von den 2/3 Überfällen durch Deutsche gehört , hat man das bisher den Bürgern verheimlicht ???

  • 3
    8
    SimpleMan
    15.08.2018

    @Hinterfragt Es geht nicht um die Aussage, dass es keine Straftaten gibt, sondern um die Wahrscheinlichkeit, Opfer einer Straftat zu werden. Ich darf einfach mal Blackadder zitieren: "Es sind ja meistens diejenigen, die nie in der Innenstadt sind, die genau wissen , wie unsicher diese ist. Ich sehe nur, wie viele normale Chemnitzer die kulturellen und kulinarischen Angebote nutzen und schlicht den Sommer geniesen." Aber Sie können gern Ihrer Angst vor allen Anderen frönen und zu Hause bleiben.

  • 6
    3
    Hinterfragt
    15.08.2018

    "...und ich kenne auch Keinen, der von irgendeiner Straftat betroffen war...."
    @Einfacher Mann; welch krude Logik!
    Nur weil Sie niemanden kennen, gibt es keine Straftaten?!?

    Nur mal so an Ihre Logik angelehnt: Ich kenne auch niemanden, der im Mittelmeer aus dem Wasser gefischt wurde ...

  • 5
    9
    SimpleMan
    14.08.2018

    @Blackadder Angst frisst Seele auf ... Die Wahrscheinlichkeit Opfer einer Straftat in der Chemnitzer Innenstadt zu werden, ist nach wie vor relativ gering.

  • 8
    10
    Blackadder
    14.08.2018

    @ simple man: Es sind ja meistens diejenigen, die nie in der Innenstadt sind, die genau wissen , wie unsicher diese ist. Ich sehe nur, wie viele normale Chemnitzer die kulturellen und kulinarischen Angebote nutzen und schlicht den Sommer geniesen.

  • 5
    13
    SimpleMan
    14.08.2018

    @mariog Das heißt, Sie gehen nicht auf das Weinfest oder Weihnachtsmarkt und kaufen nur in irgendeinen Center ein? In meinen Umkreis wird die Innenstadt nicht gemieden und ich kenne auch Keinen, der von irgendeiner Straftat betroffen war.

  • 11
    4
    mariog
    14.08.2018

    @ Blackadder Ich meide die Innenstadt wo es nur geht, ich habe da Angst.

  • 6
    10
    Pelz
    14.08.2018

    Chemnitz vermisst mich seit 2015 nicht und ich vermisse Chemnitz schon gar nicht.

  • 13
    9
    Interessierte
    14.08.2018

    Zwei Drittel davon waren deutscher Herkunft ...
    Ich kann mich nicht entsinnen , dass ´wir` in unserer Jugendzeit , wenn ´wir ´ durch die Stadt gelaufen sind , auch alleine , sexuell belästigt wurden , das müßte sich dann erst in den letzten 20 Jahren entwickelt haben .....
    Oder stimmt das gar nicht und das muß anders herum sein bzw. ist diese Statistik ´geschönt´ worden .... ???

  • 9
    10
    Interessierte
    14.08.2018

    Das Problem hatte der Herr Maaz schon 2015 angesprochen , und wie klärt man denn diese Problem nun , da gibt es doch sicherlich auch eine Lösung von den Politikern ...

    Zitat : "Zwei Drittel davon waren deutscher Herkunft, der Rest hatte eine Staatsangehörigkeit eines anderen Landes ..........
    ( diese Menschen , die das machen , wissen die denn ´überhaupt` , was unter ´sexueller Selbstbestimmung` zu verstehen ist ?

    Und zum Weinfest , da geht man ´im Zentrum` vom Bus oder von der Tiefgarage bis zu diesem Platz und nicht durch die gesamte Stadt und wohl auch in Begleitung

  • 17
    11
    Blackadder
    14.08.2018

    @Mariog: Waren Sie auf dem Weinfest? haben Sie einen Sitzplatz bekommen? Viele nicht....

  • 15
    10
    Hinterfragt
    14.08.2018

    Statistik ist doch etwas feines, es kommt immer auf das gewünschte Ergebnis an!
    Beispiel hier:
    Man kann ganz genau sehen, dass 7,6 Prozent des Bevölkerungsanteils der Stadt --> EIN DRITTEL > --dieser Straftaten begehen und das finde ich, ist einfach nur erschreckend ...

  • 15
    15
    mariog
    14.08.2018

    Na dann ist ja alles gut in Chemnitz. Ich wundere mich trotzdem, das kaum noch einer in die Stadt geht und abends alles leer ist. Tagsüber ist es ja dort wie im Urlaubsland.



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