So verändert sich die Bevölkerung der Stadt

Chemnitz wächst, aber auf einem eher bescheidenen Niveau. Dass die Stadt nicht sogar schrumpft, liegt vor allem an einer Einwohnergruppe.

Die Einwohnerzahl von Chemnitz ist in den vergangenen zehn Jahren um rund 2,5 Prozent gestiegen. Seit mehr als einem Jahr stagniert sie bei etwa 247.000 - mit minimaler Tendenz nach oben. Von Jahresbeginn 2018 bis Anfang August steht unterm Strich ein kaum merkliches Plus von 48 Personen zu Buche. Deutlichere Veränderungen sind erfahrungsgemäß erst wieder im Herbst zu erwarten, wenn an der Uni das neue Semester beginnt - mit vielen neuen Studenten.

Die Anzahl der Ausländer, die in Chemnitz leben, hat in diesem Sommer erstmals die Marke von 20.000 überschritten. Das entspricht einem Anteil von acht Prozent an der Gesamtbevölkerung und einer Verdopplung innerhalb von nur fünf Jahren. Flüchtlinge und Asylbewerber machen dabei allerdings weniger als ein Drittel aus. Einen deutlichen Anstieg gab es in den zurückliegenden Jahren unter anderem bei ausländischen Studierenden der Technischen Universität zu verzeichnen. Waren 2008 noch gut 600 Studenten aus dem Ausland an der Uni eingeschrieben, so stieg ihre Anzahl im vergangenen Jahr erstmals auf über 3000.

Mehr Sterbefälle als Geburten - das ist seit Jahrzehnten das Hauptproblem der demografischen Entwicklung, nicht nur in Chemnitz. Doch fällt hier die Differenz weit höher aus als in vielen vergleichbaren Städten. So kamen Ende 2017 auf 1000Einwohner 2,4Neugeborene - bei 3,6 Sterbefällen. Von den 2450 Chemnitzer Neugeborenen im vergangenen Jahr waren 11,4 Prozent Kinder von Ausländern (2016: 9,7Prozent). Im ersten Quartal dieses Jahres waren es 13Prozent.

Chemnitz zieht an - allerdings in sehr unterschiedlichem Maße. Alles in allem kamen zuletzt über fast zwei Jahre hinweg zwar mehr Menschen neu nach Chemnitz als die Stadt zugleich verlassen haben. Verantwortlich dafür ist allerdings in erster Linie der Zuzug von Ausländern. Ihr Anteil an den Zuzügen lag 2017 bei 44,5Prozent (Wegzüge: 32,3 Prozent). Ohne diese Entwicklung wäre die Chemnitzer Einwohnerzahl in den zurückliegenden Jahren geschrumpft.

In den einzelnen Stadtteilen machen sich die Veränderungen mal mehr, mal weniger deutlich bemerkbar. Besonders das Stadtzentrum hat zuletzt stark an Einwohnern gewonnen - seit 2007 steht ein Plus von 26 Prozent zu Buche. Mittlerweile sind dort rund 14.400 Menschen zu Hause. Grund dafür ist in erster Linie der Zuzug von Ausländern - allein fast jeder vierte der aktuell rund 6100 in der Stadt untergebrachten Flüchtlinge und Asylbewerber lebt in diesem Stadtteil. Ohne Zuzüge von Ausländern hätten aber auch fast alle anderen Stadtteile heute weniger Einwohner als noch vor zehn Jahren, gibt Ulrich Weiser vom Chemnitzer Markt- und Sozialforschungsinstitut FOG zu bedenken. Ausnahmen: Einige wenige Stadtteile am Stadtrand wie Grüna, Röhrsdorf und Klaffenbach.

Wie wird es weitergehen? Angesichts des Geburtendefizits und der Altersstruktur der Bevölkerung scheint Chemnitz seine Einwohnerzahl auf absehbare Zeit wohl nur durch einen Zuzug von Ausländern halten zu können. Eine Reihe von Branchen hofft, auf diese Weise dringend benötigte Fachkräfte zu gewinnen. "Trotz starker Marketing-Bemühungen zum Beispiel der Wirtschaftsförderung CWE zeigt sich, dass es für Chemnitz offenbar sehr schwierig ist, sich im nationalen Wettbewerb gegen andere Städte zu behaupten", meint Sozialforscher Weiser. Hoffnungen, die Stadt werde in absehbarer Zeit auf 270.000 oder gar auf 300.000 Einwohner wachsen, hält er für unrealistisch. "Ich wüsste nicht, wo diese Menschen herkommen sollten."

Im Rathaus wird die Entwicklung der Chemnitzer Bevölkerung derzeit umfassend analysiert. Noch im Herbst soll ein detaillierter Evaluierungsbericht für eine Aktualisierung des Städtebaulichen Entwicklungskonzepts vorgelegt werden. Im Jahre 2009 verabschiedet, beschäftigt es sich unter anderem mit Fragen des Wohnungsbaus und der sozialen Infrastruktur in der Stadt.

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