Stadtgeflüster : Ein Makler erklimmt den Männerhimmel

Urlaub in der frauenfreien Zone, Forschung bei den Indianern und Tiefenentspannung auf der Insel.

Harald Deckow (Foto), Versicherungsmakler und Betreiber der Onlineplattform "Chemnitz live", ist zehn Stunden lang mehr als 2000 Höhenmeter empor gekraxelt, nur um endlich mal in einer frauenfreien Zone zu sein. Im Griechenlandurlaub ließ er für zwei Tage seine Gattin und die gemeinsame Tochter im Ferienressort sitzen, um die Spitze des Berges Athos zu erklimmen. Athos? Sagt mir was, so heißt doch mein Griechenlokal nebenan - mögen da jetzt viele sagen. Dabei ist der Gipfel im Land der tausenden Inseln ein Heiligtum - und halbautonome Republik von derzeit etwa 2000 orthodoxen Mönchen. Deren Lebensgebiet, auf dem seit frühchristlicher Zeit teils prunkvolle Großklöster stehen, dürfen pro Tag 120 Pilger betreten, davon zehn Ausländer. Deckow hatte sich ein halbes Jahr vor seinem Urlaub die Besuchserlaubnis organisiert und meinte jetzt begeistert: "Es war ein unglaublich kräftezehrender Aufstieg, aber die Eindrücke vom Gipfel werde ich mein Leben lang nicht vergessen." Eine Nacht verbrachte er im Schlafsaal eines der 20 Klöster, "mit Menschen aus aller Welt", so der Chemnitzer Unternehmer. Dass das auch "heiliger Berg" genannte Gebiet nicht von Frauen betreten werden darf, soll wohl daran liegen, dass die strenggläubigen Männer bei ihren Gebeten nicht von weiblichen Reizen abgelenkt werden sollen. Harald Deckow erfuhr: "Außer Miezen, die Mäuse und Ratten fern halten, ist es den Mönchen noch nicht mal erlaubt, weibliche Haustiere zu halten."

Ellen Schaller, Kabarettistin, kam das große Gähnen. Nicht, weil sie die Geschichte vom frauenfreien Berg zu hören kriegte. Sie schickte den wohl gemütlichsten Schnappschuss dieses Sommers aus ihrem Urlaub auf Hiddensee. "Ich liebe dieses Foto", sagte sie. "Es zeigt so einen richtigen Müßiggang." Und weil sie gänzlich uneitel ist, stellte sie ihr Foto des Sommers auch ins Netz, was ihren ehemaligen Schauspielschul-Kommilitonen, den langjährigen "Der Alte"-Kommissar Pierre Sanoussi-Bliss, zur frechen Frotzelei brachte: "So hab ich dich auch mehrfach während des Studiums in Erinnerung. Eigentlich nur so!", schrieb er. Ellen Schaller, die nach ihrem Urlaub längst wieder auf der Bühne steht, musste beim Packen der Urlaubskoffer geschickt vorgehen. Denn neben dem Badeanzug und Wohlfühlklamotten hatte sie auch Requisiten und Schminke dabei. Sowohl auf Hiddensee als auch auf der Insel Usedom gab sie während ihrer Ferienzeit Gastspiele.

Dominique Görlitz, Forscher und Schilfbootbauer, schwärmte vom Titicacasee. "Hier gehen Erholung, Forschung und auch ein bisschen Abenteuer Hand in Hand", schickte er jetzt Grüße aus den Anden. Görlitz weilt für sein neuestes Schilfboot-Experiment derzeit bei den Aymara-Indianern in Bolivien. Dort wurden bereits Boote für den berühmten norwegischen Abenteurer Thor Heyerdahl erbaut. Die Aymara-Indianer hatten zudem mit Dominique Görlitz zwei von dessen bereits in See gestochenen Forschungsbooten gebaut. Nun entsteht ein neues. "Nach elfjähriger Pause geht unser Abora-Projekt endlich weiter", freute sich Görlitz. Ende des Jahres will er fertige Bauteile des Bootes nach Sotschi in Russland bringen. Dort werden diese zusammengebaut und von dort aus will er über das Schwarze Meer auf seinem prähistorisch nachempfundenen Schilfschiff in Richtung Mittelmeer segeln. Während seines Aufenthaltes in Bolivien wird aber nicht nur das Boot gebaut. Dort traf er nun auch den bolivianischen Außenminister Fernando Huanacuni in seinem Ministerium. Zudem besuchte der Chemnitzer uralte Reste von Inka-Tempeln, ließ sich ins Geheimnis der traditionellen Schilftrocknung einweihen und feierte das Pachamama-Fest, eine Art Erntedankfest an Mutter-Erde, mit. Derweil wuchsen die Einzelteile des neuen Schilfbootes weiter, welche einem Fachwerkhaus gleich, nun zusammengebunden wurden. "Bis zum Ende der Woche mussten diese Einzelteile fertig sein", so Dominique Görlitz. "Also durften wir weiter arbeiten, während unsere Aymara-Freunde genüsslich weiterfeierten."

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